Die ersten Panikattacken: Jetzt handeln, bevor eine Panikstörung daraus wird

Von Diplom-Psychologe Martin Rosenauer, Privatpraxis für Hypnose und Körperpsychotherapie, München

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Vielleicht lesen Sie das hier kurz nach Ihrer ersten Panikattacke. Das Herz womöglich noch ein wenig schnell, der Atem flach, und im Hinterkopf diese eine Frage: Was war das gerade – und kommt es wieder?

Dann lesen Sie genau richtig. Atmen Sie einmal langsam aus. Ganz in Ruhe. Es ist vorbei, und Sie sind in Sicherheit.

Ich nehme Sie in diesem Beitrag an die Hand. Wir schauen gemeinsam – ohne Eile –, was da mit Ihnen passiert ist, warum gerade jetzt ein wichtiger Moment ist, und was Sie tun können, damit aus diesem Schreck keine dauerhafte Angst wird.

Lassen Sie sich Zeit beim Lesen. Es ist länger geworden, und das mit Absicht: Damit Sie verstehen, was geschieht, und mit jedem Abschnitt ein bisschen ruhiger werden. Sie müssen nichts auf einmal aufnehmen. Lesen Sie einfach weiter, in Ihrem Tempo.

Ich weiß, wie echt sich das angefühlt hat

Eine Panikattacke ist eine der heftigsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann. Eben war noch alles normal – und im nächsten Moment raste das Herz, die Luft blieb weg, der Brustkorb wurde eng.

Vielleicht dachten Sie: Ich bekomme einen Herzinfarkt. Ich falle gleich um. Ich verliere den Verstand. Ich sterbe.

Das ist kein Drama und keine Einbildung. So fühlt sich eine Attacke an. Der ganze Körper schlägt Alarm, als ginge es um Leben und Tod. Und genau deshalb ist es so verwirrend, wenn hinterher alle sagen, es sei „nichts“ gewesen.

Lassen Sie mich Ihnen kurz erzählen, wie so ein erstes Mal oft aussieht – vielleicht erkennen Sie sich wieder.

Ein junger Mann steht an der Supermarktkasse. Schlange vor ihm, Schlange hinter ihm. Plötzlich wird ihm heiß, das Herz stolpert, der Boden scheint zu schwanken. Er lässt den Einkaufswagen stehen und flüchtet nach draußen, an die frische Luft. Erst dort, nach Minuten, lässt es nach. Zurück bleibt ein Schrecken – und die bange Frage: Was war das?

Wenn Sie etwas Ähnliches erlebt haben, dann wissen Sie, wie tief so ein Moment sitzt. Und genau deshalb fangen wir mit dem Wichtigsten an.

Das Wichtigste zuerst: Es ist nicht gefährlich

So überwältigend sich eine Panikattacke anfühlt – sie ist in aller Regel nicht lebensgefährlich.

Was da Alarm schlägt, ist kein krankes Herz. Es ist ein uraltes Notprogramm, „Kampf oder Flucht“, das eigentlich Leben rettet. Nur ist es diesmal losgegangen, obwohl weit und breit keine Gefahr war – wie ein Rauchmelder, der schon beim Toast Alarm schlägt.

Ihr Körper meint es also gut. Er hat nur überreagiert.

Eine Attacke erreicht nach wenigen Minuten ihren Höhepunkt und ebbt dann von selbst wieder ab. Sie haben das gerade überstanden. Sie sitzen hier und lesen. Sie sind in Sicherheit.

Atmen Sie an dieser Stelle ruhig einmal aus. Langsam, bis zum Ende. Und lassen Sie den nächsten Atemzug von allein kommen.

Warum sich jedes einzelne Symptom erklären lässt

Vieles an einer Panikattacke wirkt so bedrohlich, weil man nicht versteht, was da passiert. Sobald Sie es verstehen, verliert es einen großen Teil seines Schreckens. Gehen wir es also einmal durch.

Wenn das Alarmprogramm anspringt, schüttet der Körper Stresshormone aus, vor allem Adrenalin. Und alles, was dann folgt, hat einen Sinn – nur eben für eine Gefahr, die gar nicht da ist.

  • Das Herz rast, um die Muskeln mit Blut für Kampf oder Flucht zu versorgen.
  • Die Atmung wird schnell, um mehr Sauerstoff zu holen. Atmen Sie zu schnell, kippt das Gleichgewicht – daher Schwindel und Kribbeln.
  • Der Brustkorb wird eng, weil die Atemmuskeln sich anspannen.
  • Sie schwitzen, weil der Körper sich fürs Rennen vorkühlt.
  • Ihnen wird flau im Magen, weil die Verdauung kurz heruntergefahren wird – Energie wird woanders gebraucht.
  • Alles wirkt unwirklich oder fern, weil die Wahrnehmung sich auf die vermeintliche Gefahr verengt.

Sehen Sie? Kein einziges dieser Symptome ist ein Zeichen, dass etwas kaputt ist. Es sind alles Zeichen eines Körpers, der – fälschlich – glaubt, er müsse Sie retten.

Vielleicht fragen Sie sich gerade …

Nach einer ersten Attacke tauchen fast immer dieselben Fragen auf. Vielleicht ist eine davon auch Ihre. Hier sind die ruhigen Antworten:

„War das ein Herzinfarkt?“ – Es fühlt sich oft so an, ist aber typisch für Panik. Lassen Sie es einmal ärztlich abklären, dann haben Sie Gewissheit.

„Werde ich verrückt?“ – Nein. Das Gefühl, neben sich zu stehen, ist ein harmloses Begleitsymptom der Stressreaktion – kein Zeichen, den Verstand zu verlieren.

„Verliere ich die Kontrolle und tue etwas Schlimmes?“ – Auch das passiert nicht. In einer Attacke will der Körper fliehen oder erstarren, nicht außer Kontrolle geraten.

„Bleibt das jetzt für immer?“ – Nein. Gerade jetzt, früh, lässt es sich gut auflösen. Genau darum geht es in diesem Text.

Spüren Sie, wie es ein wenig leichter wird, wenn die Fragen eine ruhige Antwort bekommen?

Bitte einmal ärztlich abklären

Eines möchte ich Ihnen trotzdem ans Herz legen: Wenn das neu für Sie ist, lassen Sie bitte einmal ärztlich abklären, ob körperlich alles in Ordnung ist.

Auch Dinge wie die Schilddrüse, der Kreislauf oder das Herz können ähnliche Wellen auslösen. Ist das ausgeschlossen, fällt schon ein Stein vom Herzen – und wir wissen sicher, dass wir es mit Panik zu tun haben. Diese Sicherheit ist Gold wert, denn sie nimmt dem Grübeln über „vielleicht ist es doch etwas Ernstes“ den Boden.

Panikattacke, ständige Sorge oder etwas anderes?

Es hilft, Begriffe auseinanderzuhalten – auch das beruhigt.

Eine Panikattacke ist eine kurze, heftige Welle: Sie schießt hoch, gipfelt in Minuten und ebbt wieder ab. Eine ständige Sorge oder Anspannung ist eher ein Dauerzustand auf niedrigerer Flamme, ohne diesen Gipfel. Beide hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe.

Wichtig ist vor allem: Beides ist behandelbar, und beides ist nicht gefährlich. Wenn Sie unsicher sind, was genau Sie erleben, ist das kein Problem – das ordnen wir im Erstgespräch gemeinsam ein.

Eine einzelne Attacke ist noch keine Krankheit

Atmen Sie hier ruhig noch einmal aus.

Fast jeder Mensch erlebt im Lauf seines Lebens einmal so einen Moment, in dem das Nervensystem überschießt – nach zu viel Stress, zu wenig Schlaf, einer großen Belastung. Eine einzelne Panikattacke ist noch keine Erkrankung.

Sie sind also nicht „kaputt“. Und Sie sind mit dieser Erfahrung in bester Gesellschaft.

Woher die erste Attacke oft kommt

Selten kommt die erste Attacke wirklich aus dem Nichts. Meist ist im Vorfeld etwas zusammengekommen.

Eine Phase mit zu viel Druck. Ein Umzug, eine Trennung, ein Jobwechsel, eine Geburt, ein Verlust. Monate, in denen Sie funktioniert haben, ohne zu spüren, wie voll der innere Eimer schon war.

Die Attacke ist dann oft nur der Tropfen, der ihn überlaufen lässt – nicht die eigentliche Ursache. Das ist eine wichtige Spur, der wir gleich noch nachgehen.

Doch zuerst kommt der entscheidende Punkt. Denn was Sie in den nächsten Tagen und Wochen tun, hat großen Einfluss darauf, wohin die Reise geht.

Hier teilt sich der Weg

Stellen Sie sich eine Weggabelung vor.

Auf dem einen Weg bleibt die Panikattacke eine einmalige, unangenehme Episode. Eine Geschichte, die Sie irgendwann fast vergessen.

Auf dem anderen Weg beginnt sie, sich festzusetzen. Aus einer Attacke werden mehrere. Aus „das war schlimm“ wird „hoffentlich passiert es nicht wieder“. Und nach und nach beginnt die Angst, das Leben zu bestimmen.

Welchen Weg es nimmt, entscheidet sich oft genau jetzt. Und die gute Nachricht ist: Sie stehen noch an der Gabelung. Sie können mitbestimmen.

Zwei Dinge sind es vor allem, die einen Menschen auf den zweiten, schwierigen Weg ziehen. Diese beiden schauen wir uns jetzt in Ruhe an – denn wer sie kennt, kann ihnen den Wind aus den Segeln nehmen.

Die Angst vor der Angst – der erste und wichtigste Mechanismus

Das hier ist der Kern. Wenn Sie heute nur eine Sache mitnehmen, dann diese.

Nach einer heftigen Attacke verändert sich etwas Feines, aber Entscheidendes. Bisher hatten Sie vielleicht Angst vor bestimmten Dingen – vor Spinnen, vor Höhe, vor einer Prüfung. Jetzt kommt eine neue Angst dazu: die Angst vor der Angst selbst. Fachleute nennen das Phobophobie.

Das klingt harmlos, ist aber der eigentliche Motor. Denn diese Angst braucht keinen äußeren Auslöser mehr. Sie genügt sich selbst.

Schauen wir, wie sie arbeitet:

Sie spüren eine ganz normale Körperempfindung – das Herz klopft etwas schneller, weil Sie eine Treppe gestiegen sind. Früher hätten Sie das gar nicht bemerkt. Jetzt aber zuckt ein Gedanke durch Sie hindurch: Oh nein, geht es wieder los?

Dieser Gedanke ist selbst ein kleiner Alarm. Er lässt das Herz tatsächlich schneller schlagen. Das wiederum bestätigt die Angst: Siehst du, es geht los! Und schon dreht sich die Spirale.

So entsteht ein Kreis, der sich aus dem Nichts speist: harmlose Empfindung → ängstlicher Gedanke → mehr Empfindung → mehr Angst. Der Körper macht Alarm über den Alarm.

Das Tückische daran: Man kann dieser Angst nicht ausweichen, indem man bestimmte Orte meidet. Denn sie kommt ja von innen. Genau das macht sie so zermürbend – und genau deshalb ist es so wichtig, sie früh zu verstehen, solange sie noch jung und schwach ist.

Das Gedankenkreisen – wenn der Kopf nicht mehr aufhört

Dicht neben der Angst vor der Angst sitzt ihr Zwilling: das Gedankenkreisen.

Nach den ersten Attacken fängt der Kopf an zu arbeiten. Pausenlos. Was war das? Was, wenn es im Auto passiert? Was, wenn ich in der Besprechung sitze und nicht raus kann? Was, wenn keiner mir hilft?

Das Denken meint es gut. Es will eine Lösung finden, will Kontrolle, will Sicherheit. Aber bei der Angst funktioniert das nicht. Im Gegenteil.

Denn jedes durchgespielte Schreckensszenario fühlt sich für den Körper an wie das echte Erlebnis. Wer sich zehnmal am Tag ausmalt, wie die nächste Attacke sein wird, hat den Körper zehnmal in Alarm versetzt. Das Grübeln erzeugt die Anspannung, die es eigentlich verhindern will.

Und es hat noch eine zweite Wirkung. Das ständige In-sich-Hineinhorchen – Schlägt das Herz nicht eben schneller? War das Schwindel? – macht überempfindlich. Sie nehmen jede kleinste Regung wahr und deuten sie als Gefahr. Der Körper wird zum Minenfeld, das Sie ununterbrochen absuchen.

Vielleicht kennen Sie das vom Einschlafen: Sie liegen wach, der Kopf rattert, und je mehr Sie sich Ruhe wünschen, desto lauter wird er. Genauso ist es mit dem Gedankenkreisen rund um die Angst. Man kann es nicht weggrübeln. Man muss ihm anders begegnen – dazu kommen wir noch.

Atmen Sie hier ruhig einmal aus. Sie müssen das gerade nicht lösen. Verstehen genügt für den Moment.

Wie aus einer Attacke Schritt für Schritt eine Störung wird

Fassen wir zusammen, wie sich beides – Angst vor der Angst und Gedankenkreisen – zu einem festen Muster verkettet. Keine Sorge: Verstehen nimmt der Sache schon einen Teil des Schreckens.

Schritt eins: die Angst vor der Angst. Aus „das war schlimm“ wird „hoffentlich passiert es nicht wieder“.

Schritt zwei: das Beobachten und Grübeln. Sie horchen ständig in sich hinein und spielen Szenarien durch. Das macht empfindlich und meldet Daueralarm.

Schritt drei: das Vermeiden. Sie machen einen Bogen um den Ort der ersten Attacke. Kurz fühlt sich das nach Erleichterung an. Aber jedes Ausweichen flüstert dem Nervensystem zu: Siehst du, es war doch gefährlich. Und die Angst wächst.

Schritt vier: die Sicherheiten. Sie nehmen immer eine Wasserflasche mit, sitzen nur am Gang, halten das Handy fest umklammert. Auch das bestätigt: Hier lauert Gefahr.

Schritt fünf: der Körper spannt sich. Schultern hoch, Atem flach, Bauch fest. Diese Daueranspannung wird zur Gewohnheit – und hält die Angst von selbst am Köcheln.

So schließt sich, Runde um Runde, ein Kreis. Noch ist er jung. Noch ist er nicht eingefahren. Und genau deshalb lässt er sich jetzt noch viel leichter öffnen als später.

(Stehen Sie noch ganz am Anfang und hatten erst Ihre ersten Attacken? Dann lesen Sie meinen Beitrag Die ersten Panikattacken: Jetzt handeln, bevor eine Panikstörung daraus wird – dort geht es darum, früh gegenzusteuern.)

Kurze Geschichten von der Weggabelung

Vielleicht machen ein paar Beispiele es greifbarer. Die folgenden sind anonymisiert und in den Details verändert; sie sollen typische Verläufe zeigen, kein Versprechen auf denselben Ausgang. Lesen Sie sie ruhig.

Die junge Mutter. Ihre erste Attacke kam beim Autofahren, das Baby auf der Rückbank. Danach ein einziger Gedanke: Was, wenn es wieder passiert, während ich fahre? Sie begann, Fahrten zu meiden, dann ganz aufs Auto zu verzichten. Nicht das Autofahren war das Problem – sondern die Angst vor der Angst beim Fahren. Hätte sie früh gegengesteuert, wäre ihr ein Jahr der Enge erspart geblieben.

Der Student. Eine Attacke mitten in einer Prüfung. Seitdem saß bei jeder Prüfung die Frage im Nacken: Was, wenn ich wieder Panik bekomme und alle es sehen? Er meldete sich von Klausuren ab, dann von Vorlesungen. Der Kern war nicht der Stoff, sondern die Scham und die Angst, vor anderen die Kontrolle zu verlieren.

Der Mann mit den nächtlichen Wellen. Seine Attacken kamen nachts, aus dem Schlaf heraus. Bald hatte er Angst vorm Einschlafen – aus Angst, die Angst könnte kommen. Er lag wach, der Kopf kreiste, und genau diese Anspannung machte die nächste Welle wahrscheinlicher. Ein Teufelskreis aus Angst vor der Angst und Gedankenkreisen, wie aus dem Lehrbuch.

Der Mann im Fitnessstudio. Auf dem Laufband schoss sein Puls hoch, der Kopf wurde leicht – und er war sicher, sein Herz spiele verrückt. Seitdem mied er jede Anstrengung, aus Angst, sie könne eine Attacke auslösen. Dabei war es nur ein erschöpfter Körper gewesen, der einmal Alarm geschlagen hatte.

Die Frau vor der Präsentation. Kurz vor einem Vortrag spürte sie zum ersten Mal die Welle. Danach kreiste alles um die eine Frage: Was, wenn es wiederkommt, während alle mich ansehen? Sie gab Präsentationen ab – und merkte nicht, dass nicht das Reden das Problem war, sondern die Angst davor.

In all diesen Fällen sehen Sie dasselbe Muster – und in jedem hätte ein früher, kleiner Schritt viel ersparen können.

Woran Sie merken, dass es sich gerade festsetzt

Lesen Sie die folgenden Punkte ruhig durch. Erkennen Sie sich in mehreren wieder, ist das kein Grund zur Panik – aber ein guter Grund, jetzt zu handeln:

  • Sie denken oft an die nächste mögliche Attacke.
  • Ihr Kopf spielt „Was wäre, wenn“-Szenarien durch, besonders abends oder nachts.
  • Sie beobachten Ihren Körper genauer als früher – Puls, Atem, Schwindel.
  • Sie meiden zunehmend bestimmte Orte oder Situationen.
  • Sie ändern Wege, Pläne oder Gewohnheiten, um „auf Nummer sicher“ zu gehen.
  • Sie tragen etwas bei sich, das beruhigt (Wasser, Tabletten, das Handy fest in der Hand).
  • Sie schlafen schlechter, weil der Kopf nicht abschaltet.
  • Sie fühlen sich häufiger angespannt, ohne genauen Grund.

Je mehr davon zutrifft, desto stärker hat der Kreislauf schon begonnen, sich zu drehen. Und desto klarer ist: Warten macht es nicht besser, sondern fester.

Drei Mythen, die alles schwerer machen

Über Panikattacken kursieren ein paar Halbwahrheiten, die die Angst unnötig füttern. Räumen wir sie aus.

Mythos 1: „Eine Panikattacke ist gefährlich.“ Sie fühlt sich gefährlich an, ist es aber nicht. Nach ärztlicher Abklärung dürfen Sie sich darauf verlassen.

Mythos 2: „Ich muss meine Auslöser meiden.“ Das Gegenteil stimmt. Vermeidung füttert die Angst. Der Weg führt nicht ums Vermeiden herum, sondern durch das Auflösen der Ursache.

Mythos 3: „Das geht nie wieder weg.“ Doch. Besonders früh ist Panik gut behandelbar. Was sich gelernt hat, lässt sich wieder verlernen.

Meist steckt etwas darunter

Erinnern Sie sich an den überlaufenden Eimer? Hier wird er wichtig.

Eine Panikattacke kommt selten aus dem absoluten Nichts. Unter der Oberfläche stauen sich häufig alte, nie wirklich verarbeitete Gefühle – Anspannung, die sich über Jahre angesammelt hat. Der letzte Tropfen war vielleicht harmlos. Der Eimer aber war längst randvoll.

Genau deshalb hilft es so wenig, sich nur „zusammenzureißen“. Der Eimer bleibt ja voll. Und genau deshalb hilft auch reines Wegdenken nicht: Das Gefühl sitzt tiefer als der Verstand.

Die gute Nachricht: Diesen Stau kann man lösen. Und je früher, desto leichter, weil noch nicht so viel obendrauf gekommen ist.

👉 Schon länger betroffen? Wenn Ihre Angst sich bereits zu einer ausgewachsenen Panikstörung entwickelt hat, lesen Sie meinen weiterführenden Beitrag Panikstörung verstehen und an der Wurzel behandeln – dort gehe ich auf die tieferen Ursachen, das Gedankenkreisen und die Behandlung viel genauer ein.

Warum jetzt so viel leichter ist als später

Vielleicht spüren Sie beim Lesen schon, dass Ihr Atem ein wenig ruhiger geworden ist. Halten Sie diesen Gedanken fest, denn er ist der Kern dieses Beitrags:

Frühes Handeln ist um ein Vielfaches einfacher als spätes.

Noch ist der Angstkreis nicht tief eingefahren. Noch hat sich Ihr Körper nicht dauerhaft in die Anspannung „eingefroren“. Noch ist Ihre Welt nicht klein geworden, noch haben sich nicht zwanzig Vermeidungen angesammelt. Was sich jetzt in wenigen Schritten lösen lässt, kann nach Jahren der Verfestigung deutlich mehr Geduld brauchen.

Sie haben gerade etwas Wertvolles: einen frühen Zeitpunkt.

Für den Moment: Ihre Anker

Sollte noch einmal eine Welle kommen, haben Sie ab jetzt etwas in der Hand. Diese Anker ersetzen keine Behandlung – aber sie nehmen der Attacke die Wucht:

  1. Sagen Sie sich: Das ist nicht gefährlich, und es geht vorbei. (Vorausgesetzt, ein Arzt hat körperliche Ursachen ausgeschlossen.) Dieser eine Satz nimmt der Angst schon Kraft.
  2. Machen Sie das Ausatmen lang. Nicht das Einatmen ist das Problem. Atmen Sie langsam und ganz aus, halten Sie kurz inne – und lassen Sie das Einatmen dann von selbst kommen.
  3. Lösen Sie die Schreckhaltung. Schultern fallen lassen, Bauch weich, Brust auf. So sagt der Körper dem Kopf: keine Gefahr.
  4. Kommen Sie zurück ins Hier. Benennen Sie still drei Dinge, die Sie sehen, zwei, die Sie hören, eines, das Sie spüren.
  5. Bleiben Sie, wenn es geht, wo Sie sind. Und erleben Sie, wie die Welle ganz von selbst wieder abebbt.

Üben Sie das ruhige Ausatmen ruhig auch an guten Tagen. Dann ist es da, wenn Sie es brauchen.

Ein erstes Werkzeug gegen das Gedankenkreisen

Gegen das Grübeln hilft kein Dagegen-Ankämpfen – das macht es nur lauter. Es hilft, dem Gedanken seinen Schrecken zu nehmen und ihn ziehen zu lassen.

Versuchen Sie es so: Wenn ein „Was, wenn“-Gedanke auftaucht, schieben Sie ihn nicht weg. Sagen Sie innerlich freundlich: „Ah, da ist wieder der Sorgengedanke.“ Sie benennen ihn, statt mit ihm zu verschmelzen. Und dann lenken Sie die Aufmerksamkeit ganz bewusst zurück – auf Ihren Atem, auf Ihre Füße am Boden, auf das, was Sie gerade wirklich tun.

Der Gedanke darf da sein. Sie müssen ihm nur nicht hinterherlaufen. Wie eine Wolke, die vorbeizieht, wenn man sie nicht festhält.

Ein erstes Werkzeug gegen die Angst vor der Angst

Hier liegt der Schlüssel in einem Perspektivwechsel: Die Körperempfindungen sind nicht Ihr Feind.

Das Herzklopfen, das Kribbeln, die Enge – das ist Ihr Körper, der zu viel des Guten tut, nicht zu wenig. Es ist Kraft, die fehlgeleitet wurde, kein Defekt.

Wenn also das nächste Mal eine harmlose Empfindung den Gedanken „Geht es wieder los?“ auslöst, probieren Sie, ihr innerlich zuzunicken: „Aha, da ist Aufregung. Die darf da sein. Sie ist nicht gefährlich.“ Sie nehmen der Empfindung damit die Bedeutung „Alarm“ – und ohne diese Bedeutung verpufft die Welle viel schneller.

Das braucht Übung, und es gelingt nicht von heute auf morgen allein. Aber es zeigt die Richtung: nicht bekämpfen, sondern entdramatisieren.

Ein ruhiges Wort zu Beruhigungsmitteln

Manche bekommen nach den ersten Attacken ein beruhigendes Medikament verschrieben. Für akute Ausnahmesituationen kann das seinen Sinn haben – das entscheiden Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Bedenken Sie nur: Bestimmte schnell wirksame Beruhigungsmittel können bei häufiger Einnahme abhängig machen, und sie lösen die Ursache nicht. Sie nehmen die Spitze, während der Stau darunter bleibt. Gerade deshalb lohnt es sich, früh auch an der Wurzel anzusetzen, statt die Angst nur zu dämpfen.

Warten Sie nicht, bis es selbstverständlich wird

Das sage ich Ihnen nicht, um Ihnen Angst zu machen – sondern weil ich es immer wieder erlebe: Viele Menschen warten zu lange. Sie hoffen, dass es von allein verschwindet, arrangieren sich, weichen aus. Und kommen oft erst, wenn die Angst ihr Leben schon spürbar verkleinert hat.

Dabei ist genau jetzt der leichteste Zeitpunkt.

Sich früh Unterstützung zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist klug. Es ist dasselbe, wie einen kleinen Riss zu reparieren, bevor daraus ein großer Schaden wird.

Wie frühe Hilfe aussieht

Die gute Nachricht: Wird eine beginnende Panikneigung früh angegangen, geht das meist schnell.

Ich verbinde dafür zwei Wege. Mit der auflösenden Hypnose kommen wir an das, was sich unter der Angst gestaut hat, und lösen es – ruhig und in geschütztem Rahmen. Mit der Arbeit am Atem und am Körper lösen wir die Anspannung, die die Angst am Leben hält. Und ich zeige Ihnen Werkzeuge für den Alltag, mit denen Sie dem Gedankenkreisen und der Angst vor der Angst selbst begegnen können.

Weil noch nicht viel verfestigt ist, genügen in einem frühen Stadium oft schon wenige Einheiten, damit sich spürbar etwas verändert.

Eine Geschichte, wie es ausgehen kann

Zum Schluss noch eine, die Mut macht – wieder anonymisiert.

Eine Frau kam zu mir nach zwei Attacken in der U-Bahn. Sie hatte gerade begonnen, die Bahn zu meiden, und ertappte sich abends beim Grübeln. Aber sie kam früh.

Wir schauten, was im Vorfeld zu viel geworden war – eine lange Phase, in der sie für alle stark sein musste und ihre eigene Erschöpfung übergangen hatte. In der Hypnose durfte dieses übergangene Gefühl endlich Raum bekommen. Dazu lernte sie, ruhig auszuatmen und ihren kreisenden Gedanken nicht mehr hinterherzulaufen.

Nach wenigen Einheiten fuhr sie wieder Bahn. Nicht verkrampft, sondern beiläufig, während sie aufs Handy schaute. Die Angst war nie groß geworden – weil sie ihr früh den Boden entzogen hatte.

Stellen Sie sich vor, wie es sein könnte

Atmen Sie noch einmal in Ruhe aus, und stellen Sie sich für einen Moment vor:

Sie steigen in die U-Bahn, ohne vorher den Fluchtweg zu suchen. Sie stehen an der Kasse, und das Herz bleibt ruhig. Sie liegen abends im Bett, und der Kopf wird still. Die Angst, die heute so groß scheint, ist nur noch eine ferne Erinnerung.

Das ist kein Wunschdenken. Das ist genau das, wofür es sich lohnt, jetzt den ersten Schritt zu tun.

Nehmen Sie Kontakt auf

Sie müssen das nicht allein durchstehen – und Sie müssen nicht warten, bis es schlimmer wird.

Lassen Sie uns in einem ruhigen Erstgespräch gemeinsam schauen, was Ihre Angst ausgelöst hat und wie Sie ihr früh den Boden entziehen. Das Sekretariat erreichen Sie werktags zwischen 9 und 19 Uhr.

Hier gelangen Sie zum Kontaktformular.

Dipl.-Psych. Martin Rosenauer

c/o sinnvoll – Zentrum für Gesundheit

Menzinger Straße 68, 80992 München-Obermenzing

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E-Mail: kontakt@praxis-rosenauer.de

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Und jetzt, zum Schluss: ein letztes Mal langsam ausatmen. Sie haben den ersten Schritt schon getan – Sie haben sich informiert.

Wenn es Ihnen akut sehr schlecht geht oder Sie sich in einer seelischen Notlage befinden, wenden Sie sich bitte umgehend an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, an den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder im Notfall an den Notruf 112. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111 sowie 0800 111 0 222 erreichbar.

Wichtiger Hinweis zum Heilmittelwerbegesetz: Diese Seite dient ausschließlich der allgemeinen Information. Sie stellt keine medizinisch-psychologische Beratung dar und ersetzt diese nicht. Bei keinem der genannten Verfahren soll der Eindruck eines Heilungsversprechens erweckt werden. Aus den Ausführungen kann nicht abgeleitet werden, dass Linderung oder Verbesserung garantiert oder versprochen wird. Von einer Eigentherapie wird ausdrücklich abgeraten.