Martin Rosenauer ist Diplom-Psychologe, Experte für aufdeckende Psychotherapie mit Hypnose sowie Unternehmer- und Führungskräfte-Coach. Im Gespräch erläutert Martin Rosenauer, welche biografischen Faktoren und Beziehungsmuster er gemeinsam mit seinen Klienten bei der Behandlung einer erektilen Dysfunktion betrachtet.
1. Welche Ursachen erkennen Sie als Therapeut und Coach hinter erektiler Dysfunktion?
Martin Rosenauer: Häufig liegt einer erektilen Dysfunktion eine nicht ausgelebte bzw. nicht durchlebte Pubertät zugrunde: Eine starke Bindung an eine vielleicht sehr anspruchsvolle Mutter kann dahinterstehen – wenn ein Mann als Kind beispielsweise die Rolle des „kleinen Prinzen“ verkörpert hat, vielleicht zudem unbewusst als Partnerersatz für die Mutter.
Es besteht die Möglichkeit, dass er später in seinen Sexualpartnerinnen die eigene Mutter anstelle einer gleichwertigen Partnerin sucht, ohne sich dessen bewusst zu sein. Als Erwachsener erlebt der Mann in seiner Rolle als Partner dann die Regression zum kleinen, niedlichen Jungen, der nicht potent ist und stattdessen in Abhängigkeit von seiner Partnerin lebt. Dies kann dazu führen, dass der impotente Mann in der Anwesenheit von attraktiven Frauen nicht an seine männlichen Energien herankommt. Ein schlaffes Glied ist die Folge
2. Heißt das, dass frühe Bindungsmuster sich in der Sexualität eines Erwachsenen widerspiegeln?
Martin Rosenauer: Ja, das erlebe ich in meinen Gesprächen mit meinen Klienten häufig. Männer beispielsweise, die wenig Liebe von der eigenen Mutter erfahren haben, sind im Beisein ihrer Partnerin dann selbst kaum in der Lage, Selbstliebe anzunehmen und auszudrücken. Stattdessen machen Sie sich Gedanken darüber, was ihre Partnerin von ihnen denkt und dadurch entsteht oft Druck bis hin zu irgendwann auch Erschöpfung, welche sich dann in Erektionsstörungen äußern kann. Oft glauben Männer auch fest, dass sie jederzeit „können müssten“ während sie ihren Partnerinnen alle ihre „Launen“ und die Alternative, „Nein zu sagen und keine Lust zu haben“ zustehen. Dass auch Männer emotionale Wesen sind und sexuelle Lust (statt „,müssen“) ein wichtiger Faktor in der Sexualität ist wurde vielen Männern nicht beigebracht.
3. Ist alleine die Beziehung zur Mutter entscheidend?
Martin Rosenauer: Auch in der unaufgearbeiteten Beziehung zum Vater lassen sich oft Ursachen für eine erektilen Dysfunktion finden, etwa wenn nicht ausgetragene Konflikte oder auch ein Konkurrenzverhältnis zum Vater bestehen. Der Vater wird unbewusst oder ganz offen als Gegner empfunden, anstatt eine Rolle als Vorbild und Unterstützer zu verkörpern.
Der Sohn kann bei diesem Beziehungsmuster eine Hochsensibilität und ein weniger ausgeprägtes dominantes Verhalten entwickeln. Dies kann das gesunde Durchsetzungsvermögen beeinflussen und so weit gehen, dass er eigene Aggressionen unterdrückt und eine erkektile Dysfunktion entsteht.
4. Ist es bei der Behandlung einer erektilen Dysfunktion also entscheidend, sich seiner persönlichen Beziehungsmuster bewusst zu werden?
Martin Rosenauer: Die psychischen Ursachen sind häufig komplex. Als Therapeut decke ich gemeinsam mit meinen Klienten ungelöste Konflikte wie frühe Bindungsmuster auf, derer sie sich nicht bewusst waren sodass sich diese verändern können. Viele meiner Klienten stehen erfolgreich im Leben und im Beruf und haben sich nie mit tiefliegenden Ängsten und dem diesen zugrundeliegenden fehlendem Urvertrauen befasst. Durch psychotherapeutische Ansätze kann es ihnen gelingen, diese zu lösen und ihre Sexualität wieder erfüllt zu leben.
Um verborgene, hinderliche Muster zu entdecken und zu lösen, wende ich Tranceverfahren wie die Hypnose an. Die aufdeckende Veränderungsarbeit mit Wach- und Tiefenhypnose hat sich in der Arbeit mit Männern mit erektiler Dysfunktion und weiteren bei unterschiedlichsten Themen seit vielen Jahren bewährt.
[1] Levine, Stephen B.: Intrapsychic and interpersonal aspects of impotence: psychogenic erectile dysfunction. In: Rosen, R., Leiblum, S. R. (Hrsg.): Erectile disorders. Assessment and Treatment. New York: Guilford, 1992, zitiert nach: Hartmann, Uwe: Serie: Sexuelle Funktionsstörungen – Psychosomatische Aspekte bei Erektionsstörungen, Deutsches Ärzteblatt (2000); 97(10): A-615 / B-534 / C-488
[1] Levine, Stephen B.: Intrapsychic and interpersonal aspects of impotence: psychogenic erectile dysfunction. In: Rosen, R., Leiblum, S. R. (Hrsg.): Erectile disorders. Assessment and Treatment. New York: Guilford, 1992, zitiert nach: Hartmann, Uwe: Serie: Sexuelle Funktionsstörungen – Psychosomatische Aspekte bei Erektionsstörungen, Deutsches Ärzteblatt (2000); 97(10): A-615 / B-534 / C-488