Schwindel ganzheitlich mit Hypnose und Körperpsychotherapie therapieren

Für viele Arten von Schwindel finden Mediziner oft keine organische bzw. strukturelle Ursache wie etwa eine schlecht durchblutete und deswegen vernarbte Hirnstruktur oder ein beschädigtes Vestibularorgan (das Organ im Innenohr, das uns viele wichtige Informationen über die Lage des Kopfes und des Körpers im Raum liefert).

Meist werden dann Behelfs- oder Verlegenheitsdiagnosen gemacht: So werden beispielsweise verschiedene Symptome katalogmäßig gebündelt und dann meist gemeinsam als „Syndrom“ oder auch als „somatoform“ bezeichnet. Ein typisches Beispiel dafür bei Schmerzpatienten ist das Schulter-Nacken-Syndrom, bei Schwindel-Patienten der somatoforme Schwindel. Das heißt: Der Arzt ist dann meist ohne Befund, mit dem er etwas anfangen kann. Er lässt den Patienten mit der Diagnose „somatoform oder psychosomatisch“ ratlos zurück.

Im Folgenden erkläre ich Ihnen genau, was die Diagnose wirklich bedeutet und wie man diese Form des Schwindels mit hypnotischen und körperpsychotherapeutischen Methoden „psychosomatisch“ behandelt.

Bitte lesen Sie sich den Artikel vor einer Kontkaufnahme genau durch. Denn der Artikel wird Sie darüber aufklären, ob eine Kontaktaufnahme in Ihrem speziellen Fall sinnvoll sein kann.

Bedeutung des Begriffes somatoform und Entstehung von somatoformem Schwindel

Die Diagnose „somatoform“ ähnelt im Prinzip der Diagnose „psychosomatisch“. Beim Begriff „somatoform“ ist allerdings leider in Vergessenheit geraten, dass die Störung ihren möglichen Ursprung wahrscheinlich in der Psyche bzw. im Gehirn (genauer im zentralen Nervensystem, ZNS) des Patienten hat.

Während viele Mediziner allerdings – aus Verlegenheit – die Diagnose somatoform immer dann verwenden, wenn sie nicht mehr weiter wissen, nehme ich den Begriff für bare Münze. Ich leite daraus ab, dass es sich um Prozesse der Wechselwirkung zwischen Körper und Gehirn handeln muss, wenn sich keine andere Ursache für die entsprechende Störung finden lässt.

Was genau bedeutet das nun für Menschen mit Schwindel und/oder Gangunsicherheit? Wie also hängen körperliche Prozesse und die räumliche Koordination des Körpers, die größtenteils vom Gehirn gesteuert wird, miteinander zusammen? Und was bedeutet es genau, wenn die Integration von Sinnesinformationen – die im Gehirn stattfindet – aus dem Gleichgewicht geraten ist?

 

Sensorische Integration von Sinnesinformationen im Gehirn und motorische Steuerung des Gelenkapparats

Das menschliche Gehirn (genauer das zentrale Nervensystem, ZNS) erhält aus unterschiedlichen Teilen des Körpers Informationen über die Lage des Körperteils im Raum. Diese Informationen kommen vor allem aus dem Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan im Innenohr), aus den Muskeln (vor allem aus Hals-, Nacken- und Hüftmuskulatur), aber beispielsweise auch aus den Nieren. Diese unterschiedlichen Signale haben zum einen eine bestimmte Qualität: So sind beispielsweise Signale aus verspannten Muskeln ungenauer als Signale aus Muskeln, die nicht verspannt sind. Zudem müssen alle Informationen aus den genannten unterschiedlichen Körperbereichen ziemlich schnell aufgenommen, verarbeitet und dann integriert werden, um daraus einen Handlungsplan für die nächste Bewegung abzuleiten.

Rückkopplungsschleife zwischen Gehirn und Körper – Ist die Kommunikation gestört kann dies zu somatoformem Schwindel führen.

Kind Rückkopplungsschleife

Bei Schwindelpatienten ist zum einen die Fähigkeit der Verarbeitung all dieser Informationen verschlechtert: Das heißt, dass sich diese – meist durch fehlende oder ungünstige Bewegung, oft aber auch durch Stress – abgebaut hat. Ein wahrscheinlich noch wichtigerer Aspekt bei der Entstehung von somatoformem Schwindel ist die Ausprägung der sensomotorischen Amnesie (SMA) in der Muskulatur.

 

Sensomotorische Amnesie – stressbedingte Veränderung des Körperbildes im Gehirn

Die sensomotorische Amnesie (ausführlicher hier) ist stressbedingt. Folgender Mechanismus steckt dahinter:

In Stressphasen übernehmen die alten, tiefen Hirnstrukturen (das „Tierhirn“) die Kontrolle über den Körper (v.a. über die Muskulatur) und erhöhen den Grundtonus der Muskulatur. So bilden sich Muster im Körper aus („stressbedingte Verspannungen“) und der bewusste Zugang zur Muskulatur verschlechtert sich nach und nach, eben weil die tiefen Hirnstrukturen die Kontrolle übernommen haben. Eine Analogie für diesen Vorgang findet man beispielsweise in der Ingenieurstechnik: Ein System wird auf „Alarmmodus“ geschaltet, um die Grundversorgung aufrechtzuerhalten. Die genaue Feinsteuerung einzelner Teile des Systems rückt im Notfall in den Hintergrund. Der Unterschied zwischen Mensch und Maschine ist, dass sich die Maschine nach einer Notsituation meist wieder selbstregulierend in den Normalmodus zurückschaltet. Menschen dagegen haben oft verlernt, sich nach Stressphasen wieder komplett zu entspannen, wodurch eine irreversible Verschlechterung auftreten kann, wie beispielsweise bei der Steuerung des Bewegungsapparats.

Die folgende Grafik illustriert, wie die sensomotorische Amnesie beginnt, sich in Stressphasen zu entwickeln, um sich dann allmählich und ganz unbewusst weiter auszuprägen.

Was passiert bei der gestörten sensorischen Integration genau?

Das hinter der gestörten sensorischen Integration steckende Prinzip kann man sich wie bei einer Nachtwanderung vorstellen. Bei dieser Nachtwanderung leuchtet man sich mit Kerzen den Weg aus. Nun kommt ein plötzlicher Windstoß und pustet ein paar der Kerzen aus, sodass Sie weniger und ungenauer sehen. Genauso fühlt es sich für Ohren und Gehirn an, wenn durch die sensomotorische Amnesie bestimmte Bereiche des Körpers – v.a. die Hals-Nacken-Muskulatur (vgl. Grafik), die dem Gehirn viele wichtige Informationen über die Lage im Raum liefert – nicht mehr angemessen im Gehirn repräsentiert sind. Dementsprechend kommen im Gehirn auch weniger und zudem weniger präzise Informationen über die Lage im Raum an.

 

Die wahre Ursache von psychosomatischem oder auch somatoformem Schwindel liegt also in einer gestörten oder beeinträchtigten Rückkopplungsschleife zwischen Gehirn und Körper (Muskulatur und Gelenkapparat), bedingt durch Verspannungen und die hinter den Verspannungen liegende sensomotorische Amnesie.

Hypnose und Körperpsychotherapie bei Schwindel und Schwindelgefühlen

Hypnosetherapie bei Schwindel

Wenn die für den Schwindel verantwortlichen Verspannungen in der Muskulatur allein durch „schlechte Gewohnheiten“ entstanden sind, reichen meistens eine oder ein paar körperpsychotherapeutische Sitzungen aus, um den Schwindel zu therapieren. Wenn die Ursache dafür allerdings ein Trauma oder eine ungelöste Konfliktsituation ist (allgemeiner gesagt: Stress), sollte man die körperpsychotherapeutische Behandlung mit einer auflösenden Hypnosebehandlung ergänzen. Die Hypnoanalyse ist eine besonders geeignete Methode, um schnell und auf direktestem Wege an den Symptomauslöser zu gelangen und unbewusste Konflikte zu lösen.

Körperorientierte Hypnose zur Behandlung körperlicher Blockaden bei Schwindelpatienten

Die körperorientierte Hypnose ist bei der Arbeit mit Schwindelpatienten – neben der Körperpsychotherapie – das Mittel der Wahl zur Behandlung starker körperlicher Blockaden (vgl. auch der Artikel zur Sensomotorischen Amnesie). Ebenso lässt sie sich zur Optimierung von Bewegungsabläufen einsetzen. Durch die Hypnose erhält der Schwindelpatient einen ganz anderen Zugang zu seinem Körper und kann sich selbst bei allen Bewegungen, auch wenn sie noch so klein sind, „zuschauen“. Oft können meine Patienten genau feststellen, bei welchen Bewegungen der Schwindel auftritt, und zeigen dann auf bestimmte Muskeln, Muskelgruppen oder auch auf Körperbereiche (Angst im Bauchraum oder Brustkorb). An diesen körperlichen und psychosomatischen Blockaden (die Körperwahrnehmung findet im Gehirn statt) lässt sich dann auch direkt mit der körperorientierten Hypnose ansetzen.

Körperpsychotherapeutische Therapie bei Schwindel

Die erfolgreiche Therapie von somatoformem Schwindel kann also nur in einer Senkung des Grundmuskeltonus und in einer Verbesserung der Rückkopplungsschleife zwischen Körper und Gehirn liegen. Hierfür gibt es ein Sammelsurium von Methoden, die alle aus der sensomotorischen Körperpsychotherapie stammen. Diese Methoden werden im Folgenden ausführlicher beschrieben:

  1. Pandiculations nach Professor Thomas Hanna

Durch die Nutzung der sensomotorischen Rückkopplungsschleife zwischen Gehirn und Körper können Patienten – mit Hilfe ihres Therapeuten – lernen, unbewusst dauerverspannte Muskeln (Muskeln, die man bewusst nicht gut spürt und nicht entspannen kann, vgl. auch „sensomotorische Amnesie“) im ersten Schritt mehr anzuspannen, um sie dann nach und nach immer bewusster und kontrollierter zu entspannen. Der Patient lernt dadurch, die überflüssige Muskelspannung kontrolliert zurückzunehmen, sodass sich im Verlauf der Therapie der Muskeltonus in einzelnen Muskeln, Körperpartien und auch insgesamt absenkt.

Sollten die Pandiculations nach Professor Hanna für die Auflösung der Muskelverspannung und der Wahrnehmungseinschränkung („sensomotorische Amnesie“) des Patienten nicht ausreichen, lassen sich meist noch punktuelle Verspannungen in der Muskulatur finden:

  1. Aktive Triggerpunkt- oder Myogelosenbehandlung der Muskulatur

Bei dieser Art der Behandlung arbeitet der Therapeut punktuell an den betroffenen verhärteten, meist schmerzenden Muskelsträngen. Ebenso lässt sich diese Methode bei Verhärtungen des Bindegewebes (Faszien oder Unterhautbindegewebe) anwenden. Dadurch lösen sich die meisten Schmerzpunkte schnell auf. Die meisten Schmerzsyndrome verschwinden so typischerweise auch.

  1. Kinetisches Spiegeln nach Feldenkrais

Manche Muskeln sind so stark verspannt, dass ein Lösen der Verspannungen durch Methoden wie die Triggerpunkte-Behandlung oder das Pandiculieren gar nicht möglich ist. In diesem Fall kann man dem zentralen Nervensystem (Gehirn), das die Spannung in der Muskulatur erzeugt, die Arbeit durch kinetisches Spiegeln abnehmen. Wenn das Gehirn verstanden hat, dass zur Aufrechterhaltung des Schutzmusters nun „Hilfe von außen da ist“, löst es die Muskelspannung ein Stück weit. Anschließend lässt sich in der Therapie mit den anderen Methoden weiterarbeiten.

Durch die 3 genannten Methoden lassen sich in der Regel punktuell (direkt an verspannten Partien arbeitend) sehr schnell Verbesserungen erreichen, sodass der Schmerz schnell gelindert wird oder verschwindet. Damit die Schmerzen allerdings in Stress- und Belastungsphasen gar nicht mehr auftreten, bedarf es meist zusätzlich einer Verbesserung des Körperbewusstseins und einer Veränderung der Bewegungsorganisation:

  1. Sensomotorisches Lernen nach Feldenkrais und Körperbewusstseintraining

Ist die Spannung in der Muskulatur zunächst einmal punktuell gelöst, ist es natürlich für den Patienten wichtig, dass er nachhaltig etwas von der Therapie hat und nicht – durch die nächste Stresssituation oder alte Gewohnheiten –wieder in seinen Schmerzkreislauf zurückfällt. Durch sensomotorisches Lernen nach Feldenkrais und Körperbewusstseinstraining versteht der Patient nach und nach, wie er selbst zur Aufrechterhaltung dysfunktionaler (Bewegungs-)Muster beiträgt und was er tun kann, damit Schmerzen auch in Stresssituationen seltener oder gar nicht mehr auftreten.

  1. Integrative Atemtherapie

Bei der Arbeit mit Schmerzpatienten bringt häufig ein Lösen punktueller Verspannungen die zunächst größere Erleichterung. Wenn hinter dem Schwindel vor allem psychische Ursachen stecken, bevorzuge ich dagegen den Einsatz der integrativen Atemtherapie. Denn bei eigentlich allen psychischen Störungen lässt sich beobachten, dass unbewusst verspannte Muskeln den Atem behindern: Sie verhindern also, dass sich das Zwerchfell (der Hauptatemmuskel) beim Einatmen verkürzt und so die Lungenflügel öffnet, oder sich – beim Ausatmen – wieder bis auf das normale Spannungsniveau entspannt.

Bei der integrativen Atemtherapie erforsche ich gemeinsam mit meinem Patienten durch sanfte Berührungen und kleine, achtsame Bewegungen, wo die Muskeln liegen, die die Atmung einengen, und zwar in beide Richtungen. Wenn der Patient zunächst einmal wieder spürt, wo er unbewusst Spannung erzeugt, und dazu noch lernt, wie diese Spannung mit seiner Atmung zusammenhängt, öffnen sich diese Schutzmuster nach und nach und der Damm ist gebrochen. Der Atem kann wieder fließen. Der Körper und auch die Psyche kommen dadurch zwangsläufig wieder in ein verbessertes Gleichgewicht. Therapie ist hier also ein forschender, spielerischer Prozess. Er hat allen Patienten, mit denen ich bisher zusammengearbeitet habe, richtig Spaß gemacht. Denn er arbeitet mit der uns angeborenen kindlichen Neugierde und wirkt nicht „erzieherisch“. Dieses Vorgehen entspricht im Großen und Ganzen auch meiner Philosophie als Therapeut. Nicht der Patient hat sich meinen Mustern unterzuordnen, sondern ich versetze mich ganz in sein Thema hinein. Gemeinsam erarbeiten wir dann Lösungen für seine Anliegen.

Durch diese Verfahren löst das Nervensystem Spannung und die Muskeln liefern dem Gehirn wieder mehr sowie genauere Informationen über die Lage des Körpers im Raum. Dadurch verbessert sich zum einen die Verarbeitung der Sinnesinformationen. Zum anderen werden auch die aus diesen Informationen abgeleiteten Handlungsabläufe nach und nach wieder genauer, bis der Schwindel ausgeheilt ist.

Wenn Sie sich in meiner Aufklärung über Ihr Erkrankungsbild in meiner Beschreibung wiedergefunden haben sollten Sie jetzt Kontakt zu mir, Diplompsychologe Martin Rosenauer, aufnehmen.