Das Herz der Unersetzlichen: Herzrhythmusstörungen ohne Befund bei Führungskräften

Wenn das Herz vor dem Board ruhig bleibt und am Sonntagabend stolpert, die Angst zu sterben kommt und der Kardiologe nichts findet: was dahintersteckt, was abgeklärt sein muss und warum es gerade Leistungsträger trifft

München | Hypnosetherapie, Körperpsychotherapie und Psychotherapie für Führungskräfte, Unternehmer und Selbstständige bei Herzstolpern, Herzrasen und Herzangst ohne organischen Befund

Inhalt dieses Artikels

Sonntagabend, kurz nach elf. Stefan R., 51, geschäftsführender Gesellschafter eines Maschinenbauers mit sechshundert Mitarbeitern, liegt im Bett. Die Woche war gut. Ein Großauftrag aus Asien ist unterschrieben, der Beirat zufrieden, am Montag um sieben steht die nächste Runde an. Seine Frau schläft schon. Das Haus ist still.

Dann spürt er es. Ein Schlag, der zu früh kommt. Eine Pause, in der das Herz stehen zu bleiben scheint. Und dann ein harter, dumpfer Schlag, als müsste es etwas nachholen. Er liegt ganz still und horcht. Zwei Minuten nichts. Dann wieder: Stolpern, Pause, Schlag. Und dann ein Gedanke, klar und kalt: Ich sterbe. Hier, jetzt, neben meiner schlafenden Frau.

Er greift nach der Uhr auf dem Nachttisch und startet eine EKG-Messung. Dreißig Sekunden, in denen er kaum atmet. Das Ergebnis: Sinusrhythmus. Er misst noch einmal. Wieder unauffällig. Nach zwei Uhr schläft er ein.

Drei Wochen später sitzt er beim Kardiologen. Ruhe-EKG, Ultraschall des Herzens, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG über 24 Stunden. Das Ergebnis passt auf eine Zeile: vereinzelte Extrasystolen, strukturell gesundes Herz, kein Handlungsbedarf. „Das hat fast jeder“, sagt der Kardiologe. „Machen Sie sich keine Sorgen.“

Stefan macht sich Sorgen. Er misst jetzt mehrmals täglich. Er merkt, dass es abends schlimmer ist, im Liegen, auf der linken Seite. Er merkt, dass es an Wochenenden häufiger kommt und im Urlaub am häufigsten. Und er merkt etwas, das ihn mehr beunruhigt als jeder Befund: Je genauer er hinhört, desto mehr hört er.

Wenn Sie diesen Artikel lesen, kennen Sie vermutlich eine Version davon. Das Stolpern, das Rasen, das Hämmern bis in den Hals. Die Angst, jetzt zu sterben. Den Befund, der beruhigen sollte, und die Angst, die trotzdem bleibt. Dieser Artikel nimmt beides ernst: das Herz und das, was es hört.

Er richtet sich vor allem an Führungskräfte, Unternehmer und Selbstständige. An Menschen, die beruflich unter Dauerlast stehen, die in Verhandlungen ruhig bleiben, wenn andere laut werden, und deren Herz sich ausgerechnet dann meldet, wenn der Druck nachlässt.

Er erklärt, was Ihr Herz in diesen Momenten tatsächlich tut, was ärztlich abgeklärt sein muss und woran Sie erkennen, wann es eilt. Und er beschreibt ein Muster, das ich bei Führungskräften und Unternehmern mit Herzbeschwerden ohne Befund sehr häufig sehe: ein Nervensystem, das unter der Woche funktioniert und sich in der Ruhe über das Herz meldet.

Der Kardiologe sagt, Ihr Herz ist gesund. Und trotzdem haben Sie Todesangst?

Wenn Ihr Herz kardiologisch ausreichend abgeklärt ist und Ihre Beschwerden als ungefährlich eingestuft wurden, darf die Suche eine neue Richtung nehmen. Dann müssen Sie nicht bei jedem Stolpern von vorn fragen, ob etwas übersehen wurde. Die Frage ist dann nicht mehr, was im Herzen nicht stimmt, sondern was die Angst am Laufen hält. Genau dort setze ich an.

Sie müssen das nicht länger allein tragen. Ein Anruf oder ein Klick genügt, alles Weitere klären wir gemeinsam. Für viele ist schon das erste Gespräch der Moment, in dem es zum ersten Mal leichter wird.

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Sind die Beschwerden jetzt gerade neu, anders als sonst oder mit Brustschmerz, Atemnot oder Ohnmacht verbunden: nicht buchen, sondern sofort den Notruf 112 wählen.

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Teil 1: Was Ihr Herz tatsächlich tut

Psychosomatik: Das Herz ist gesund, die Steuerung ist überlastet

Kurz gesagt: Bei Herzbeschwerden ohne organischen Befund liegt die Ursache nicht im Herzen, sondern in seiner Steuerung. Und diese Steuerung sitzt im Gehirn.

Psychosomatisch heißt nicht eingebildet. Die Beschwerden sind körperlich real. Sie entstehen nur nicht dort, wo sie sich zeigen.

Ein Bild, das Führungskräfte meist sofort verstehen: Das Herz ist die Maschine, das Nervensystem ist die Steuerung. Findet die Kardiologie eine intakte Maschine, die trotzdem stolpert oder rast, liegt das Problem nicht in der Hardware, sondern in der Software.

Diese Steuerung sitzt im Gehirn. Es bewertet fortlaufend und meist unbemerkt, ob eine Lage sicher oder bedrohlich ist, und gibt sein Urteil über Hirnstamm und vegetatives Nervensystem an das Herz weiter. Das Herz führt aus, was die Zentrale meldet.

Die eigentliche Ursache liegt deshalb in der Bewertung, und die ist geprägt: von Erfahrungen, früh gelernten Regeln und dem, was lange nicht gefühlt werden durfte. Eine Steuerung, die gelernt hat, auf Alarm zu stehen, kann auch wieder lernen herunterzufahren.

Das Herz hört mit

Kurz gesagt: Ihr Herz schlägt nicht im luftleeren Raum. Das vegetative Nervensystem verstellt Tempo und Kraft jedes Schlags, ständig, und reagiert auf jeden Gedanken, jede Sorge und jede Anspannung.

Das Herz hat einen eigenen Taktgeber, den Sinusknoten. Er würde auch ohne Gehirn schlagen. Aber er schlägt nie ohne Einfluss. Zwei Gegenspieler verstellen ihn ununterbrochen: der Sympathikus, der beschleunigt und die Kraft jedes Schlags erhöht, und der Vagus, der bremst und beruhigt.

Wer die Mail des Aufsichtsratsvorsitzenden liest, hat danach einen anderen Puls als davor. Wer an die Bankenrunde am Montag denkt, verändert seinen Herzschlag, ohne es zu merken. Das ist kein Fehler. Es ist die Aufgabe eines gesunden Herzens, sich an das anzupassen, was der Mensch gerade erlebt.

Deshalb gibt es kein Herz, das von der Psyche unabhängig wäre. Die Frage ist nicht, ob Anspannung auf das Herz wirkt, sondern wie stark und auf welchem Weg.

Wie beweglich diese Regelung ist, zeigt die Herzfrequenzvariabilität. Mehr dazu in Teil 3.

Das Stolpern, das fast jeder hat

Kurz gesagt: Extrasystolen sind Schläge, die zu früh kommen. Im Langzeit-EKG finden sie sich bei den meisten gesunden Erwachsenen. Gespürt werden sie vor allem in Ruhe, im Liegen und dann, wenn man auf das Herz achtet.

Eine Extrasystole ist ein Herzschlag außer der Reihe. Er entsteht nicht im Sinusknoten, sondern an anderer Stelle, in den Vorhöfen oder in den Kammern, und kommt etwas zu früh. Danach folgt meist eine kleine Pause, und der nächste reguläre Schlag ist kräftiger als sonst, weil die Herzkammer mehr Zeit hatte, sich mit Blut zu füllen.

Genau so wird es beschrieben: ein Stolpern, ein Aussetzer, dann ein harter Schlag, der bis in den Hals zu spüren ist. Viele sagen, das Herz sei kurz stehen geblieben. Das ist es nicht. Es hat einen Schlag vorgezogen und dann Luft geholt.

Warum spürt man es gerade abends im Bett? Dafür gibt es mehrere Gründe, die sich addieren. Im Liegen, besonders auf der linken Seite, liegt das Herz näher an der Brustwand, und jeder Schlag ist deutlicher zu spüren. In Ruhe schlägt das Herz langsamer, und einzelne Extrasystolen fallen im langsameren Grundrhythmus eher auf. Und vor allem: Tagsüber ist die Aufmerksamkeit woanders. Abends, wenn nichts mehr zu tun ist, richtet sie sich nach innen.

Extrasystolen sind in den meisten Fällen harmlos. Das heißt nicht, dass sie immer egal sind.

Treten sie sehr häufig auf, gehören sie kardiologisch beobachtet, weil eine sehr hohe Zahl über Jahre die Pumpfunktion des Herzens beeinflussen kann. Das zu beurteilen ist Aufgabe der Kardiologie, nicht dieses Artikels. Wenn Ihre Kardiologin oder Ihr Kardiologe Ihnen gesagt hat, Ihre Extrasystolen seien harmlos, dann gilt dieser Befund. Und dann stellt sich die Frage, warum Sie ihn nicht glauben können.

Herzrasen: wann es der Körper ist und wann der Rhythmus

Kurz gesagt: Herzrasen bei Anspannung ist meist ein beschleunigter, aber regelmäßiger Sinusrhythmus. Herzrasen, das schlagartig beginnt und schlagartig endet, kann eine eigenständige Rhythmusstörung sein und gehört abgeklärt.

Wenn Sie sich erschrecken, rast das Herz. Wenn Sie Angst haben, auch. Das ist ein beschleunigter Sinusrhythmus, der normale Taktgeber in einem höheren Gang. Er steigt allmählich an und fällt allmählich wieder ab, wie ein Motor, der hochdreht und ausläuft.

Davon zu unterscheiden sind anfallsartige Herzrhythmusstörungen, am häufigsten die sogenannten supraventrikulären Tachykardien. Sie beginnen typischerweise schlagartig, wie mit einem Schalter umgelegt, laufen gleichmäßig schnell und hören ebenso plötzlich wieder auf. Sie sind meist nicht gefährlich, aber belastend, und sie lassen sich heute oft dauerhaft behandeln, zum Beispiel durch eine Katheterablation.

Und es gibt das Vorhofflimmern. Hier schlägt das Herz unregelmäßig, ohne erkennbares Muster, oft schnell. Manche spüren es als Herzrasen, manche als Stolpern, manche gar nicht. Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung und erhöht unbehandelt das Risiko für einen Schlaganfall. Bei manchen Menschen tritt es bevorzugt in Ruhe, nachts oder nach Alkohol auf, also genau in den Situationen, um die es in diesem Artikel geht.

Deshalb steht in Teil 2 so ausführlich, was abgeklärt sein muss. Nicht jedes Herzrasen am Wochenende ist Stress. Aber wenn der Rhythmus sauber abgeklärt ist, lohnt der Blick auf das, was bleibt.

Wenn das Herz zur Bühne wird

Kurz gesagt: Wer einmal Angst um sein Herz hatte, hört genauer hin. Und wer genauer hinhört, hört mehr. Daraus kann ein eigener Kreislauf werden, den die Fachliteratur als Herzangst beschreibt.

Menschen mit Panik und Herzangst nehmen ihren Herzschlag nachweislich bewusster wahr und deuten ihn eher als bedrohlich. Das Herz schlägt dabei nicht unbedingt anders. Es wird anders gehört.

Der Kreislauf: ein Stolpern, der Gedanke „Was war das?“, Anspannung, ein deutlicherer nächster Schlag, wachsende Sorge. Messen, googeln und horchen richten die Aufmerksamkeit noch stärker auf das Organ, das man eigentlich vergessen möchte. Früher hieß das Herzneurose, heute spricht man von Herzangst oder funktionellen Herzbeschwerden. Die Beschwerden sind echt. Sie sind nur nicht gefährlich.

Die Angst zu sterben, obwohl der Arzt nichts gefunden hat

Kurz gesagt: Todesangst ist eines der häufigsten Gefühle bei Herzbeschwerden ohne Befund. Sie ist echt, und sie ist kein Beweis für eine Gefahr. Sie zeigt, dass das Alarmsystem anspringt, nicht dass das Herz versagt.

Fast alle, die mit Herzbeschwerden ohne Befund zu mir kommen, kennen diesen einen Moment. Das Herz stolpert oder rast, und für ein paar Sekunden oder Minuten ist da die sichere Überzeugung: Jetzt ist es so weit. Ich sterbe. Manche stehen nachts auf und setzen sich angezogen aufs Bett, damit sie schnell los können. Manche haben den Notarzt schon mehrmals gerufen. Und jedes Mal war es nicht das Herz.

Die Todesangst ist dabei kein Zeichen von Schwäche und keine Übertreibung. Sie ist das, was ein Alarmsystem tut, wenn es anspringt: Es meldet Lebensgefahr, mit voller Wucht, ohne Abstufung. Das Alarmsystem kann nicht unterscheiden, ob ein Herzinfarkt droht oder ob ein harmloser Extraschlag in einem angespannten Körper auf einen wachsamen Kopf trifft. Es schlägt in beiden Fällen gleich laut an.

Die Angst ist echt. Die Gefahr, die sie meldet, ist es nach einer sauberen Abklärung nicht.

Warum beruhigt der Befund dann nicht? Weil er beim Verstand ankommt und die Angst woanders sitzt. Der Kardiologe spricht mit dem Teil, der zuhört und versteht. Die Todesangst kommt aus einem Teil, der nicht zuhört, sondern reagiert. Deshalb hält die Beruhigung nach dem Arzttermin oft nur Stunden oder Tage. Dann kommt der nächste Abend, das nächste Stolpern und der alte Gedanke: Vielleicht hat er doch etwas übersehen.

Aus diesem Gedanken entsteht bei vielen ein zermürbender Kreislauf: der nächste Kardiologe, das nächste Langzeit-EKG, die nächste Entwarnung, die wieder nicht trägt. Wer das kennt, sucht längst nicht mehr nach einem Befund. Er sucht nach einem Gefühl von Sicherheit, das kein Befund geben kann.

Viele meiner Klienten beschreiben das erste Gespräch deshalb als Erleichterung, die sie so nicht erwartet hatten. Zum ersten Mal sagt niemand, es sei doch alles in Ordnung. Zum ersten Mal fragt jemand, woher die Angst kommt. Und zum ersten Mal müssen sie nicht mehr beweisen, dass etwas nicht stimmt.

Wenn Ihr Herz gründlich untersucht ist und die Todesangst trotzdem bleibt, ist das nicht das Ende der Suche. Es ist der Hinweis, wo sie weitergehen muss.

Sie haben lange genug gesucht. Ihr Herz ist abgeklärt, die Angst ist geblieben. Jetzt ist der Moment, an dem Sie die Last nicht mehr allein tragen müssen.

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Teil 2: Abgrenzung, damit nichts übersehen wird

Warum die Abklärung hier an erster Stelle steht

Kurz gesagt: Weil sich harmlose und behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörungen von innen gleich anfühlen können. Den Unterschied zeigt nur die Untersuchung.

Bei manchen psychosomatischen Beschwerden ist die ärztliche Abklärung eine Formalität, die man hinter sich bringt. Beim Herzen ist sie das nicht. Vorhofflimmern, anfallsartiges Herzrasen und Erkrankungen des Herzmuskels oder der Herzklappen können sich anfühlen wie Stress, und Stress kann sich anfühlen wie eine Herzerkrankung.

Eine vollständige kardiologische Abklärung ist deshalb die Voraussetzung dafür, dass wir sinnvoll an Herzbeschwerden arbeiten können. Nicht aus Misstrauen gegenüber den Befunden, die Sie mitbringen, sondern weil erst ein sauberer Befund den Raum öffnet, mit etwas anderem zu arbeiten.

Und umgekehrt gilt: Ein sauberer Befund ist keine Aufforderung, sich zusammenzureißen. Er ist der Moment, in dem die eigentliche Frage beginnt.

Das nützlichste Einzelkriterium: ein EKG im Moment der Beschwerden

Kurz gesagt: Entscheidend ist nicht, ob das Herz in der Praxis unauffällig ist, sondern was es in dem Moment tut, in dem Sie die Beschwerden spüren.

Viele Betroffene haben ein unauffälliges Ruhe-EKG und sind trotzdem nicht beruhigt. Zu Recht, denn ein Ruhe-EKG zeigt ein paar Sekunden. Die Beschwerden kommen selten genau dann, wenn die Elektroden kleben.

Aussagekräftig ist die Verbindung: Was zeigt der Herzrhythmus in genau dem Moment, in dem Sie das Stolpern oder Rasen spüren? Dafür gibt es Langzeit-EKGs über einen oder mehrere Tage, Event-Recorder, die Sie bei Beschwerden selbst auslösen, und bei seltenen Beschwerden kleine implantierbare Rekorder.

Auch Smartwatches mit EKG-Funktion können hier helfen. Eine Aufzeichnung im Moment der Beschwerden, die Sie zur Kardiologie mitnehmen, ist oft wertvoller als jede Beschreibung. Ersetzen kann sie die ärztliche Diagnostik nicht. Auch ein „Sinusrhythmus“ auf der Uhr ist keine vollständige Entwarnung: Die Geräte zeichnen nur eine einzelne Ableitung auf, und die Deutung gehört in ärztliche Hände. Wie die Uhr selbst zum Problem werden kann, steht in Teil 3.

Wenn im Moment der Beschwerden ein normaler Rhythmus oder vereinzelte Extrasystolen aufgezeichnet wurden, ist das eine der verlässlichsten Entwarnungen, die es gibt.

Was abgeklärt sein sollte

  • Ruhe-EKG und körperliche Untersuchung mit Blutdruckmessung.
  • Langzeit-EKG, bei seltenen Beschwerden ein Event-Recorder oder eine Aufzeichnung im Moment der Beschwerden.
  • Ultraschall des Herzens (Echokardiografie), um Herzmuskel und Herzklappen zu beurteilen.
  • Belastungs-EKG, vor allem wenn Beschwerden bei Anstrengung auftreten.
  • Blutwerte: Schilddrüse, Blutsalze wie Kalium und Magnesium, Blutbild und Eisenwerte.
  • Bei Schnarchen, Atemaussetzern in der Nacht oder starker Tagesmüdigkeit: eine Untersuchung auf Schlafapnoe.

Welche Untersuchungen im Einzelfall nötig sind, entscheidet die Kardiologie. Die Liste soll Ihnen helfen einzuschätzen, ob Ihre Abklärung vollständig ist.

Die sechs am häufigsten übersehenen Ursachen

Kurz gesagt: Bevor man an die Psyche denkt, lohnt ein Blick auf das, was im Alltag von Führungskräften oft einfach dazugehört.

  1. Koffein, Nikotin und Energydrinks. Der vierte Espresso vor der Vorstandssitzung ist bei manchen der Auslöser, nicht die Sitzung.
  2. Alkohol. Schon größere Mengen an einem Abend können Rhythmusstörungen auslösen, bis hin zu Vorhofflimmern. Weil das auffallend oft nach Wochenenden und Feiertagen beschrieben wurde, heißt es in der Fachliteratur Holiday-Heart-Syndrom.
  3. Schlafmangel und Schlafapnoe. Wer dauerhaft zu wenig schläft oder nachts Atemaussetzer hat, belastet sein Herz. Schlafapnoe ist ein anerkannter Risikofaktor für Vorhofflimmern und bleibt oft jahrelang unentdeckt.
  4. Die Schilddrüse. Eine Überfunktion beschleunigt den Puls und kann Rhythmusstörungen auslösen. Ein einfacher Bluttest klärt das.
  5. Medikamente und Stimulanzien. Abschwellende Nasensprays, manche Asthmasprays, zu hoch dosierte Schilddrüsenhormone, Medikamente gegen ADHS und leistungssteigernde Mittel. Sprechen Sie alles an, was Sie nehmen, auch das, was nicht verschrieben ist.
  6. Blutsalze und Blutarmut. Ein Mangel an Kalium oder Magnesium, etwa nach viel Schwitzen, Durchfall oder durch entwässernde Medikamente, begünstigt Extrasystolen. Bei Blutarmut und Eisenmangel schlägt das Herz schneller, um den Sauerstoffmangel auszugleichen.

Wer jahrelang sehr intensiv Ausdauersport treibt, sollte auch das ansprechen: Es ist mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern verbunden.

Warnzeichen, bei denen ärztliche Hilfe Vorrang hat

Kurz gesagt: Bei diesen Zeichen gilt nicht dieser Artikel, sondern der Notruf oder der zeitnahe Arzttermin.

Sofort den Notruf 112 wählen bei:

  • Brustschmerz, Druck oder Enge, die länger als wenige Minuten anhalten oder in Arm, Kiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlen.
  • plötzlicher Atemnot.
  • Bewusstlosigkeit oder dem Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden.
  • Herzrasen zusammen mit Schwindel, Benommenheit, Brustschmerz oder Atemnot.
  • Herzrasen, das nicht aufhört.

Zeitnah ärztlich abklären lassen bei:

  • Beschwerden, die bei körperlicher Anstrengung auftreten oder zunehmen.
  • Ohnmacht beim Sport.
  • einem unregelmäßigen Puls, der neu ist.
  • einem plötzlichen Herztod bei jüngeren Familienangehörigen.
  • einer bekannten Herzerkrankung, bei der sich die Beschwerden verändern.
  • geschwollenen Beinen mit zunehmender Luftnot.

Eine Besonderheit sei erwähnt, weil sie zeigt, wie eng Herz und Psyche tatsächlich verbunden sind. Die Stress-Kardiomyopathie, auch Takotsubo- oder Broken-Heart-Syndrom genannt, kann nach einem starken emotionalen Schock auftreten und fühlt sich an wie ein Herzinfarkt. Sie ist ein Notfall. Auch hier gilt: 112.

Die Warnzeichen eines Herzinfarkts und was im Notfall zu tun ist, fasst die Deutsche Herzstiftung zusammen.

Kurzer Selbsttest

Die folgenden Punkte gelten erst, wenn die Abklärung abgeschlossen ist und keinen behandlungsbedürftigen Befund ergeben hat.

  • Die Beschwerden kommen vor allem abends, im Liegen, am Wochenende oder im Urlaub, seltener mitten im Arbeitstag.
  • Sie messen Puls oder EKG mehrmals täglich, auch ohne Beschwerden.
  • Ein unauffälliger Befund beruhigt Sie für Stunden oder Tage, dann kommt die Sorge zurück.
  • Sie haben Sport, Sauna, Kaffee oder Sex eingeschränkt, ohne dass ein Arzt dazu geraten hat.
  • Sie wissen genau, wie sich Ihr Herz anfühlt, aber wenig darüber, wie es Ihnen geht.
  • In Verhandlungen, im Meeting und vor dem Board ist Ihr Herz ruhig. Es meldet sich, wenn der Druck nachlässt.
  • Im Unternehmen weiß niemand von Ihren Beschwerden.
  • Pausen fühlen sich unverdient an, und Ruhe macht Sie eher unruhig.
  • Kritik beschäftigt Sie deutlich länger als Anerkennung.

Mehrere Punkte treffen zu? Dann müssen Sie damit nicht länger allein bleiben. Termin unter 089/23068977, direkt online buchen oder über die Kontaktfunktion.

Teil 3: Das Muster dahinter

Sie funktionieren. Und das Herz hält mit

Kurz gesagt: Viele Führungskräfte mit Herzbeschwerden ohne Befund tragen dasselbe Muster wie Menschen mit Panik: einen Selbstwert, der an Leistung hängt, und ein Nervensystem, das dauerhaft auf Einsatz steht.

Stefan hat in seinem Leben selten etwas nicht geschafft. Abitur mit Auszeichnung, Studium in Rekordzeit, mit 38 Geschäftsführer, mit 44 Gesellschafter. Er ist der, den alle anrufen, wenn es brennt. Er ist auch der, der als Letzter das Licht ausmacht.

Als wir in der zweiten Sitzung darüber sprechen, was er fühlt, wenn ein großes Projekt abgeschlossen ist, denkt er lange nach. Dann sagt er: „Nichts. Ich schaue auf das nächste.“

Hinter dieser Antwort steht bei vielen meiner Klienten eine Regel, die früh gelernt und nie ausgesprochen wurde: Ich bin in Ordnung, solange ich etwas leiste. Sie ist der Motor vieler Karrieren. Und sie hat einen Preis, der selten auf dem Gehaltszettel steht, sondern im Körper. Wie diese Regel entsteht und warum sie so schwer zu erkennen ist, beschreibe ich ausführlich im Beitrag Panikattacken bei Führungskräften.

Wer seinen Wert jeden Tag neu verdienen muss, lebt in einem Zustand leiser Daueralarmbereitschaft. Nicht dramatisch, nicht sichtbar. Aber das Nervensystem kennt keinen Feierabend, wenn der Selbstwert keinen hat. Der Sympathikus bleibt im Vordergrund, der Vagus als beruhigender Gegenspieler kommt kaum zum Zug. Das Herz hält mit, wie es immer mitgehalten hat.

Das Herz, von dem niemand wissen darf

Kurz gesagt: Führungskräfte tragen Herzbeschwerden meist allein. Wer Souveränität verkörpern muss, zeigt keine Schwäche, und schon gar nicht am Herzen.

Stefan hat niemandem im Unternehmen von seinen Beschwerden erzählt. Den Termin beim Kardiologen hat seine Assistentin als „privat“ eingetragen. Das Langzeit-EKG trug er über ein Wochenende, damit niemand die Elektroden unter dem Hemd sieht. Die Uhr am Handgelenk hat er so eingestellt, dass sie keine Warnungen anzeigt, wenn jemand danebensitzt.

Dahinter steht eine Sorge, die viele Führungskräfte kennen: Ein Geschäftsführer mit Herzproblemen ist ein Risiko. Für die Bank, für den Beirat, für die Nachfolgeplanung. Also wird das Herz zur Privatsache, und die Angst gleich mit.

Das hat einen Preis. Wer seine Beschwerden verbirgt, trägt zusätzlich zur Angst auch noch die Tarnung. Und ein Nervensystem, das neben der Arbeit auch noch ein Geheimnis verwalten muss, kommt noch schwerer zur Ruhe.

Die Behandlung findet in einer Privatpraxis statt. Was Sie hier besprechen, bleibt hier.

Sonntagabend: das Herz meldet sich

Kurz gesagt: Unter der Woche halten Tempo und Anforderungen vieles auf Abstand. In der Ruhe wird spürbar, was geparkt war, und das Herz ist oft das Organ, über das es sich meldet.

Stefan hat es selbst bemerkt, bevor ich ihn danach frage: Am schlimmsten ist es sonntagabends. Im Urlaub am zweiten Tag. Unter der Woche, mitten in Verhandlungen, fast nie.

Das hat zum einen körperliche Gründe. In Ruhe übernimmt der Vagus, der Puls sinkt, und einzelne Extrasystolen fallen im langsameren Rhythmus eher auf. Bei manchen Menschen treten auch Rhythmusstörungen bevorzugt in Ruhe auf, weshalb die Abklärung in Teil 2 so wichtig ist.

Zum anderen hat es mit dem zu tun, was in der Ruhe zurückkommt. Unter der Woche ist für Gefühle schlicht kein Platz. Müdigkeit, Ärger, Kränkung, Traurigkeit werden geparkt, weil es weitergehen muss. Solange du funktionierst, musst du nicht fühlen. Fällt der Druck weg, wird oft spürbar, was geparkt war. Nicht als klarer Gedanke, sondern als Körpersignal. Und bei vielen ist das Herz das Organ, über das es sich meldet.

Die Forschung kennt ein verwandtes Phänomen. Der niederländische Psychologe Ad Vingerhoets hat mit Kollegen untersucht, warum manche Menschen regelmäßig am Wochenende oder im Urlaub krank werden, und dafür den Begriff Leisure Sickness geprägt. Untersucht wurden dort vor allem Kopfschmerzen, Erschöpfung und Infekte, nicht das Herz. Aufschlussreich ist aber, wer betroffen war: Menschen mit hoher Arbeitsbelastung, starkem Verantwortungsgefühl, hohem Leistungsbedürfnis und Mühe, sich zu entspannen.

Das Wochenende ist nicht die Ursache. Es ist der erste Moment, in dem Ihr Körper Sie erreicht.

Wenn Sie Ihren Sonntagabend darin wiedererkennen und die Abklärung abgeschlossen ist: Sie müssen ihn nicht länger allein aushalten. Buchen Sie direkt online oder rufen Sie an. Das Gespräch bleibt in der Praxis.

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Anspannung, Entladung, Einregulation: was die HRV zeigt

Kurz gesagt: Die HRV gibt Hinweise darauf, wie gut die Regulation Ihres Herzschlags zwischen Anspannung und Erholung wechselt. Bei vielen Führungskräften staut sich Anspannung über Wochen an und entlädt sich erst in der Ruhe, als Attacke oder als Nacht voller Stolpern. Gesünder wäre es, früher und leiser einzuregulieren.

Was die HRV zeigt

Das Herz eines entspannten Menschen schlägt nicht gleichmäßig. Zwischen zwei Schlägen liegen mal 850, mal 920 Millisekunden. Diese Schwankung heißt Herzfrequenzvariabilität, kurz HRV. Sie entsteht zu einem großen Teil durch den Vagus, der mit dem Atem mitschwingt: Beim Einatmen wird das Herz etwas schneller, beim Ausatmen etwas langsamer.

Eine hohe HRV in Ruhe gilt als Hinweis auf Beweglichkeit: Das System fährt hoch, wenn es gebraucht wird, und wieder herunter, wenn es vorbei ist. Eine dauerhaft niedrige HRV kann auf ein System hinweisen, das auf der Seite der Anspannung festsitzt. Bei Menschen mit Angststörungen ist sie im Mittel niedriger. Allerdings hängt die HRV auch von Alter, Fitness, Atmung, Tageszeit, Körperlage, Medikamenten, Erkrankungen, Schlaf und Alkohol ab. Einzelwerte der Uhr sind deshalb keine Diagnose. Aussagekräftig ist der Verlauf über Wochen unter vergleichbaren Bedingungen.

Die Attacke als Entladung: ein gesunder Prozess, der zu spät kommt

Was folgt, ist ein klinisches Erklärungsmodell aus meiner Praxis, keine Beschreibung einer kardiologisch belegten Entladungsreaktion. Vielen meiner Klienten nimmt es einen Teil des Schreckens.

Über Wochen steigt die Anspannung, still und unbemerkt. Die HRV sinkt, der Schlaf wird flacher, Gefühle werden geparkt. Dann, meist in einem Moment der Ruhe, entlädt sich das Ganze: als Panikattacke, als Welle von Herzrasen, als Nacht voller Stolpern. Danach sind viele erschöpft, manche weinen, und nicht selten schlafen sie tiefer als in den Nächten zuvor. Das System hat sich einreguliert, nur auf dem Umweg über einen Alarm.

Die Entladung ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass sie so spät kommt und so heftig sein muss.

Das Ziel: früher einregulieren, mehr fühlen, weniger Druck

Ein gesundes Nervensystem entlädt laufend und im Kleinen: ein tiefer Atemzug nach dem schwierigen Gespräch, Ärger, der am Abend noch einmal hochkommt und abklingt, Müdigkeit, die man zulässt. Wer gelernt hat, dass Gefühle erst Platz haben, wenn die Arbeit getan ist, hat diese Ventile verloren. An der Selbstregulation zu arbeiten heißt deshalb nicht, sich besser zu kontrollieren, sondern fast das Gegenteil.

  • Mehr im Fühlen bleiben. Wer Müdigkeit, Kränkung oder Ärger spürt, während sie entstehen, muss sie nicht parken, und der Pegel steigt gar nicht erst so hoch.
  • Weniger Druck erzeugen. Viel Anspannung kommt von der inneren Regel, sich den eigenen Wert jeden Tag neu verdienen zu müssen. Wo sie an Kraft verliert, sinkt der Grundpegel.
  • Früher herunterfahren. Ein Körper, der ausatmen und loslassen kann, reguliert sich nach Stress in Minuten oder Stunden ein, nicht erst am Wochenende und nicht erst über eine Attacke.

Auf der Uhr zeigt sich das oft als HRV, die nach harten Tagen schneller wieder ansteigt. Im Alltag zeigt es sich einfacher: Der Sonntagabend wird ruhig, der Urlaub beginnt am ersten Tag, und die Attacke verliert ihre Aufgabe, weil die Entladung längst unterwegs geschieht.

Die Uhr am Handgelenk

Kurz gesagt: Eine Smartwatch kann helfen, eine Rhythmusstörung zu erkennen. Bei Herzangst wird sie oft zum Teil des Problems.

Stefan hat seine Uhr gekauft, um sich zu beruhigen. Nach drei Monaten misst er zehnmal am Tag. Vor jeder Sitzung, nach jedem Treppenhaus, abends im Bett, nachts, wenn er aufwacht. Jede unauffällige Messung beruhigt ihn für eine Stunde. Jede Messung, bei der die Uhr keine eindeutige Aussage trifft, hält ihn den halben Abend wach.

Das ist kein Charakterfehler. Es ist genau das Muster, das ihn beruflich erfolgreich gemacht hat: Risiken erkennen, Daten sammeln, Kontrolle behalten. Nur funktioniert es hier nicht. Jede Messung sagt dem Nervensystem: Da ist etwas, das überwacht werden muss. Und jede Beruhigung von außen ersetzt die Beruhigung, die von innen kommen müsste.

Kontrolle ist bei Herzangst nicht die Lösung. Sie ist ein Teil des Problems.

Die Uhr selbst ist dabei nicht das Problem. Sinnvoll eingesetzt, nur im Moment echter Beschwerden und mit der Aufzeichnung für die Kardiologie, ist sie ein gutes Werkzeug. Wie das praktisch aussieht, steht in Teil 4.

Was Stress mit dem Herzen tatsächlich macht

Kurz gesagt: Anhaltender Stress ist ein anerkannter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. An Ihrer Anspannung zu arbeiten ist deshalb nicht nur Seelenpflege, sondern auch Herzschutz.

Es wäre bequem, Herzbeschwerden ohne Befund als „nur psychisch“ abzutun. Das wäre in zweifacher Hinsicht falsch. Die Beschwerden sind echt. Und die Anspannung, die sie begleitet, ist für das Herz nicht folgenlos.

In der großen internationalen INTERHEART-Studie mit Patientinnen und Patienten aus 52 Ländern war anhaltender psychosozialer Stress, etwa bei der Arbeit oder in finanziellen Dingen, mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko verbunden. Dauerstress treibt Blutdruck und Puls, verschlechtert den Schlaf und macht vieles wahrscheinlicher, was dem Herzen schadet: mehr Alkohol, weniger Bewegung, mehr Kaffee, weniger Erholung.

Wer an der Regel arbeitet, die ihn nicht zur Ruhe kommen lässt, arbeitet deshalb auch an seinem Herzen. Das ist kein Versprechen, sondern die nüchterne Konsequenz aus dem, was über Stress und Herz bekannt ist.

Teil 4: Was Sie selbst tun können

Was hilft

Kurz gesagt: Länger ausatmen, weniger messen, Auslöser reduzieren und dem Körper zeigen, dass Ruhe sicher ist.

  • Langsam atmen, mit langem Ausatmen. Etwa vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus, also rund sechs Atemzüge pro Minute, einige Minuten lang. In diesem Tempo schwingen Atmung und Herzschlag besonders stark mit, der Vagus wird aktiviert, die HRV steigt. Auf diesem Prinzip beruht das HRV-Biofeedback, das in Studien Stress und Angst verringert hat. Nicht als Pflichtübung, sondern als Einladung an den Körper, und am besten mehrmals am Tag, nicht erst am Wochenende.
  • Die HRV als Trend lesen, nicht als Alarm. Wenn Ihre Uhr die HRV misst, schauen Sie auf den Wochenverlauf, nicht auf die einzelne Nacht. Ein Einbruch nach einer harten Woche ist kein Befund, sondern ein Hinweis, früher herunterzufahren.
  • Schultern und Bauch loslassen. Viele halten den Bauch unbewusst fest. Das engt das Zwerchfell ein und macht die Atmung flach. Legen Sie eine Hand auf den Bauch und lassen Sie ihn beim Ausatmen weich werden.
  • Messen nach Regel statt nach Gefühl. Wenn Sie eine Uhr tragen: aufzeichnen nur bei deutlichen Beschwerden, als Material für die Kardiologie. Nicht zur Beruhigung, nicht vorsorglich, nicht nachts. Das Ergebnis erst am nächsten Morgen ansehen.
  • Auslöser ehrlich prüfen. Kaffee am Nachmittag, Alkohol am Wochenende, Schlaf unter sechs Stunden. Das ist keine Moralpredigt, sondern Diagnostik.
  • Bewegung zurückholen. Wenn die Kardiologie grünes Licht gegeben hat, ist regelmäßige, moderate Bewegung eines der besten Mittel für Herz und Nervensystem. Wer Sport aus Angst meidet, bestätigt dem Nervensystem, dass das Herz geschont werden muss.
  • Puffer in den Kalender legen. Zehn Minuten zwischen zwei Terminen, in denen nichts passiert, sind für das Nervensystem mehr wert als ein freier Nachmittag, der nie kommt. Wer seinen Kalender ohne Lücken plant, plant auch seine Anspannung ohne Lücken.
  • Den Übergang in die Ruhe gestalten. Der Sprung von der Sitzung auf das Sofa ist für viele zu abrupt. Ein Spaziergang, eine Stunde ohne Bildschirm, ein fester Abschluss des Arbeitstags helfen dem Nervensystem herunterzufahren.

Was nicht hilft und warum

  • Ständiges Messen. Es beruhigt kurz und hält die Aufmerksamkeit dauerhaft beim Herzen.
  • Symptome googeln. Man findet immer die schlimmste Möglichkeit und nie die Wahrscheinlichkeit.
  • Von Arzt zu Arzt gehen. Wer nach jedem unauffälligen Befund die nächste Meinung sucht, sucht eine Beruhigung, die kein Befund geben kann. Eine vollständige Abklärung bei einer Kardiologin oder einem Kardiologen Ihres Vertrauens ist mehr wert als fünf halbe.
  • Schonung ohne ärztlichen Grund. Kein Sport, keine Sauna, kein Kaffee, keine Aufregung. Das Leben wird kleiner, und die Angst wird größer.
  • Alkohol zur Beruhigung. Er beruhigt am Abend und stört Schlaf und Rhythmus in der Nacht.
  • Sich zusammenreißen. Wer die Beschwerden wegdrückt, drückt meist auch das weg, was sie auslöst.

Teil 5: Die Behandlung

Erste Methode: Aufdeckende Hypnose

Kurz gesagt: Die Regel, die das Nervensystem nicht zur Ruhe kommen lässt, ist im emotionalen Gedächtnis gespeichert. Dort setzt die aufdeckende Hypnose an.

Die meisten meiner Klienten wissen, dass ihr Herz gesund ist. Sie wissen es. Aber sie fühlen es nicht. Und sie wissen auch, dass ihr Wert nicht an der nächsten Zahl hängt, und fühlen es genauso wenig.

In der Trance tritt der kontrollierende Verstand ein Stück zurück. Das öffnet einen Zugang zu den Erfahrungen, in denen Sicherheit an Bedingungen geknüpft wurde. Gefühle, die damals keinen Raum hatten, können in der geschützten Situation der aufdeckenden Hypnose erlebt und verarbeitet werden. Damit verliert oft auch die alte Regel an Kraft.

Bei Stefan führte die Spur zu einem Vater, der nach einem Herzinfarkt mit 52 nie wieder ganz derselbe war. Stefan war damals vierzehn. Er hat seitdem funktioniert, für die Mutter, für die Firma, die der Vater nicht mehr führen konnte, später für die eigene. In der Hypnose kam etwas zurück, das er nie gefühlt hatte: die Angst des Vierzehnjährigen, den Vater zu verlieren, und die stille Entscheidung, stark zu sein, damit niemand merkt, wie groß diese Angst war.

Dass er selbst jetzt, mit 51, nachts auf sein Herz horcht, war ihm nie aufgefallen. Als es ihm auffiel, sagte er lange nichts.

Zweite Methode: Körperpsychotherapie und Atemtherapie

Kurz gesagt: Das Herz folgt dem Atem. Wer die Schutzspannung in Bauch und Brust löst, gibt dem beruhigenden Teil des Nervensystems wieder Raum.

Bei Menschen mit Herzbeschwerden ohne Befund finde ich sehr häufig dasselbe Muster: einen festgehaltenen Bauch, ein Zwerchfell, das gegen diese Spannung arbeitet, eine Atmung, die flach und hoch im Brustkorb sitzt. Das ist die Haltung, die unser Nervensystem bei Bedrohung einnimmt, und bei vielen Führungskräften ist sie über Jahre zum Grundzustand geworden.

In der Körperpsychotherapie erforschen wir mit kleinen, achtsamen Bewegungen und sanfter Berührung, wo Sie unbewusst festhalten. Wer die Spannung wieder spürt, kann sie loslassen, und die Atmung vertieft sich oft wie von selbst. Weil das Herz mit jedem Atemzug mitschwingt, merken viele das zuerst am Puls. Ziel ist nicht eine einzelne Übung, sondern ein Nervensystem, das nach Anspannung wieder von selbst herunterfährt, früh und ohne Umweg über einen Alarm.

Dazu: Gespräche

Damit Sie verstehen, was in Ihrem Körper passiert, und es einordnen können, gehören Gespräche dazu. Sie bekommen ein Modell davon, wie Ihre Beschwerden entstehen, an Ihrem Fall und nicht allgemein. Viele erleben schon das als Entlastung: zu verstehen, warum das Herz ausgerechnet am Sonntagabend stolpert.

Hilfe zur Selbsthilfe

Sie lernen Übungen, die Sie selbst anwenden können: die verlängerte Ausatmung, das Lösen der Bauchspannung, die Selbsthypnose. Und wir erarbeiten einen Umgang mit der Uhr am Handgelenk, der Ihnen die Kontrolle zurückgibt, statt sie Ihnen zu nehmen.

Ablauf, Dauer und Grenzen

Ablauf

  1. Erstgespräch. Wir gehen die Beschwerden durch, die vorliegenden Befunde und die Situation, in der es begonnen hat. Dabei schaue ich ausdrücklich auf das, was noch nicht abgeklärt ist.
  2. Körperliche Bestandsaufnahme: Atmung, Haltung, Muskelspannung.
  3. Einordnung. Sie bekommen ein Modell davon, wie Ihre Beschwerden entstehen, an Ihrem Fall und nicht allgemein.
  4. Arbeit an der Ursache mit aufdeckender Hypnose und Körperpsychotherapie.
  5. Schrittweise Rückgewinnung dessen, was vermieden wurde: Sport, Sauna, Ruhe, Urlaub.

Dauer

In der Regel sind es vier bis sechs Intensiveinheiten zuzüglich Erstberatung. Online-Termine sind auf Anfrage möglich.

Grenzen

  • Die kardiologische Abklärung fehlt, ist unvollständig oder ein Warnzeichen liegt vor. Dann gehört das zuerst geklärt.
  • Es liegt eine behandlungsbedürftige Rhythmusstörung oder Herzerkrankung vor. Dann gehört sie zuerst kardiologisch behandelt. Begleitende Arbeit an Anspannung und Angst kann danach sinnvoll sein, in Absprache mit der Kardiologie.
  • Sie nehmen verordnete Herzmedikamente. Setzen Sie diese nie eigenmächtig ab.
  • Es liegt eine schwere depressive Episode oder eine Suchterkrankung vor. Dann ist das der vorrangige Weg.
  • Sie befinden sich in einer akuten seelischen Krise. Dann wenden Sie sich bitte sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, an den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117), im Notfall an den Notruf 112 oder an die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, rund um die Uhr).
  • Sie suchen eine kassenfinanzierte Behandlung. Als Heilpraktiker für Psychotherapie rechne ich privat ab.

Ein Satz zur Einordnung: Für Herzangst und Herzbeschwerden ohne kardialen Befund ist kognitive Verhaltenstherapie das am besten untersuchte psychotherapeutische Verfahren. Wenn dieser Weg für Sie erreichbar ist und passt, ist er eine gute Wahl. Mein Ansatz richtet sich an Menschen, bei denen er nicht gegriffen hat, denen die Wartezeit zu lang ist oder die eine andere Arbeitsweise suchen.

Terminvereinbarung telefonisch oder über die Kontaktfunktion. Hilfreich für den ersten Kontakt sind drei Angaben: seit wann die Beschwerden bestehen, welche Untersuchungen gemacht wurden und in welchen Situationen die Beschwerden auftreten.

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Wo Stefan heute steht

Stefan kam über einige Monate in die Praxis. Die Extrasystolen sind nicht verschwunden, das hatte ihm sein Kardiologe auch nie versprochen. Aber sie sind seltener geworden, und vor allem haben sie ihre Bedeutung verloren. Wenn er nachts ein Stolpern spürt, dreht er sich auf die rechte Seite und schläft weiter.

Die Uhr trägt er noch. Die EKG-Funktion hat er seit Wochen nicht benutzt.

Im Sommer ist er zum ersten Mal seit Jahren drei Wochen am Stück in den Urlaub gefahren. Am zweiten Tag, dem Tag, an dem früher das Herz zu stolpern begann, saß er am Wasser und merkte, dass er an seinen Vater dachte. Nicht mit Angst. Mit Trauer, und mit etwas, das er erst später Dankbarkeit nannte.

„Ich dachte immer, ich müsste auf mein Herz aufpassen“, sagte er in einer der letzten Sitzungen. „Dabei hat es die ganze Zeit auf mich aufgepasst.“

Nicht jeder Verlauf ist so geradlinig. Manche brauchen länger, manche haben Rückschläge. Was ich bei Menschen mit diesem Muster immer wieder sehe: Wenn sich die Regel darunter verändert, verliert das Herz seine Rolle als Alarmanlage.

Teil 6: Fragen, Kontakt, Literatur

Häufige Fragen

Ich habe Todesangst, aber der Arzt findet nichts. Bilde ich mir das ein?

Nein. Die Angst ist echt, und die Beschwerden, die sie auslösen, sind es auch. Ein unauffälliger Befund bedeutet, dass die Gefahr nicht im Herzen liegt. Die Angst wird von etwas anderem am Laufen gehalten, und genau daran lässt sich arbeiten. Bei neuen oder veränderten Beschwerden gilt trotzdem immer: ärztlich abklären lassen, im Notfall 112.

Sind Extrasystolen gefährlich?

In den meisten Fällen nicht. Bei gesundem Herzen und unauffälligem Befund gelten vereinzelte Extrasystolen als harmlos. Sehr häufige Extrasystolen oder solche bei einer Herzerkrankung gehören kardiologisch beobachtet. Die Einschätzung für Ihren Fall trifft die Kardiologie.

Warum stolpert das Herz ausgerechnet abends im Bett?

Im Liegen, besonders auf der linken Seite, liegt das Herz näher an der Brustwand. In Ruhe schlägt es langsamer, und einzelne Extrasystolen fallen eher auf. Und abends richtet sich die Aufmerksamkeit nach innen.

Soll ich meine Smartwatch ablegen?

Nicht zwingend. Sinnvoll ist eine klare Regel: aufzeichnen nur bei deutlichen Beschwerden, als Material für die Kardiologie, nicht zur Beruhigung und nicht vorsorglich. Wer merkt, dass er ohne Uhr ruhiger ist, darf sie auch ablegen.

Darf ich trotz Herzstolpern Sport machen?

Das entscheidet die Kardiologie. Ist der Befund unauffällig, ist regelmäßige Bewegung in aller Regel erwünscht. Bei vielen Menschen werden harmlose Extrasystolen unter Belastung sogar seltener.

Was sagt meine HRV über mein Herz?

Die HRV sagt vor allem etwas über Ihr Nervensystem: wie gut es zwischen Anspannung und Erholung wechseln kann. Eine niedrige Zahl nach einer harten Woche ist kein Herzbefund. Über die Gesundheit Ihres Herzens entscheidet die kardiologische Untersuchung.

Kann Stress mein Herz wirklich schädigen?

Anhaltender psychosozialer Stress ist mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, an der Anspannung zu arbeiten.

Brauche ich Betablocker?

Das entscheidet die Kardiologie. Betablocker werden bei belastenden Extrasystolen oder Herzrasen manchmal verordnet. Setzen Sie verordnete Herzmedikamente nicht eigenmächtig ab.

Muss ich beruflich kürzertreten?

Nicht zwingend. Ziel ist nicht weniger Verantwortung, sondern ein Nervensystem, das nach Anspannung wieder herunterfährt. Manche entscheiden sich im Verlauf trotzdem, etwas zu ändern. Das ist dann ihre Entscheidung, nicht die Voraussetzung.

Muss ich über meine Kindheit sprechen?

Nicht zwingend und nicht am Anfang. Die Arbeit beginnt bei dem, was heute passiert: bei den Beschwerden und den Situationen, in denen sie auftreten. Wohin sie führt, entscheidet sich im Verlauf.

Erfährt mein Arbeitgeber davon?

Nein. Die Behandlung findet in einer Privatpraxis statt, es erfolgt keine Meldung an eine gesetzliche Krankenkasse, und es entsteht kein Eintrag, der an anderer Stelle sichtbar würde.

Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung?

Als Heilpraktiker für Psychotherapie rechne ich privat ab. Gesetzliche Kassen übernehmen das nicht. Private Kassen und Beihilfestellen erstatten je nach Tarif unterschiedlich.

Geht das auch online?

Ja, Online-Termine sind auf Anfrage möglich. English-speaking clients welcome.

Ist das dieselbe Hypnose, die man aus dem Fernsehen kennt?

Nein. Was dort gezeigt wird, ist Showhypnose. Sie sind durchgehend ansprechbar und erinnern sich hinterher an alles.

Über mich

Martin Rosenauer, Diplom-Psychologe (univ.), Heilpraktiker für Psychotherapie. Praxis in München. Erfahren in der Arbeit mit Geschäftsführern und Führungskräften. Klinische Schwerpunkte sind Angst-, Panik- und Schlafstörungen sowie psychosomatische Beschwerdebilder, darunter Herzbeschwerden ohne Befund und sexuelle Funktionsstörungen. Methodischer Schwerpunkt ist die aufdeckende Hypnose, ein selten angebotenes Verfahren, mit dem ich auch Traumatisierungen behandle. Vier Jahre wissenschaftliche Tätigkeit am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in der Forschungsgruppe von Gerd Gigerenzer.

Anmerkung und Literatur

Anmerkung

Stefan R., Thomas, Markus und Sabine sind aus mehreren Behandlungsverläufen zusammengesetzte Figuren. Namen, Branchen und alle erkennbaren Details sind verändert. Herzbeschwerden gehören kardiologisch abgeklärt. Dieser Artikel ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung und stellt kein Heilungsversprechen dar.

Literatur

  • Raviele, A. et al. (2011): Management of patients with palpitations: a position paper from the European Heart Rhythm Association. Europace, 13(7), S. 920-934.
  • Brugada, J. et al. (2020): 2019 ESC Guidelines for the management of patients with supraventricular tachycardia. European Heart Journal, 41, S. 655-720.
  • Rosengren, A. et al. (2004): Association of psychosocial risk factors with risk of acute myocardial infarction in 11119 cases and 13648 controls from 52 countries (the INTERHEART study). The Lancet, 364, S. 953-962.
  • Ettinger, P. O. et al. (1978): Arrhythmias and the „Holiday Heart“: alcohol-associated cardiac rhythm disorders. American Heart Journal, 95(5), S. 555-562.
  • Chalmers, J. A. et al. (2014): Anxiety disorders are associated with reduced heart rate variability: a meta-analysis. Frontiers in Psychiatry, 5, 80.
  • Goessl, V. C., Curtiss, J. E. & Hofmann, S. G. (2017): The effect of heart rate variability biofeedback training on stress and anxiety: a meta-analysis. Psychological Medicine, 47(15), S. 2578-2586.
  • Barsky, A. J. et al. (1994): Panic disorder, palpitations, and the awareness of cardiac activity. Journal of Nervous and Mental Disease, 182(2), S. 63-71.
  • Vingerhoets, A. J. J. M., van Huijgevoort, M. & van Heck, G. L. (2002): Leisure sickness: A pilot study on its prevalence, phenomenology, and background. Psychotherapy and Psychosomatics, 71(6), S. 311-317.
  • DKPM, DGPM, DEGAM et al. (2018): S3-Leitlinie Funktionelle Körperbeschwerden, AWMF-Registernummer 051-001.
  • Deutsche Herzstiftung: Was tun im Notfall? herzstiftung.de

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Kontakt und Terminvereinbarung

Für Menschen, die gewohnt sind, alles selbst zu lösen, ist der Schritt, sich Unterstützung zu holen, oft der schwerste. Gerade wenn der Kardiologe gesagt hat, es sei alles in Ordnung, fühlt es sich an, als dürfte man gar keine Hilfe mehr brauchen. Doch, Sie dürfen. Und für viele ist schon das erste Gespräch eine Erleichterung: endlich jemand, der die Angst nicht wegerklärt, sondern nach ihrem Ursprung fragt.

In einem ersten Gespräch klären wir, welche Befunde vorliegen, wie Ihre Beschwerden entstanden sind und welcher Weg für Sie sinnvoll ist. Diskret, ohne monatelange Wartezeit und in einem Rahmen, der zu einem vollen Kalender passt. Erfahrungsberichte finden Sie unter Empfehlungen.

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