3:07 Uhr. Katrin W., 47, Finanzvorständin eines regionalen Energieversorgers, ist wach. Nicht langsam, nicht dösend, sondern mit einem Schlag hellwach, als hätte jemand in ihrem Kopf das Licht angeknipst. Das Haus ist still. Ihr Mann atmet ruhig neben ihr.
Dann kommen die Gedanken, in der Reihenfolge, in der sie immer kommen. Die Abweichung im Quartalsbericht, die sie noch niemandem erklärt hat. Der Satz des Aufsichtsratsvorsitzenden in der letzten Sitzung, halb scherzhaft, halb nicht. Die Mail an die Bank, die sie heute früh noch schreiben muss. Und dann der Gedanke, der alle anderen überlagert: Wenn ich jetzt nicht sofort wieder einschlafe, habe ich noch drei Stunden zwanzig.
Sie dreht sich auf die andere Seite. Sie atmet bewusst langsam. Sie rechnet. Um 3:40 Uhr sind es noch zwei Stunden fünfundvierzig. Ihr Herz klopft jetzt spürbar, und sie ist wacher als um drei. Um kurz vor sechs schläft sie ein. Um 6:25 Uhr klingelt der Wecker.
Die Vorstandssitzung um neun läuft gut. Niemand merkt etwas. Das ist seit vierzehn Monaten so. Der Hausarzt hat ihr ein Schlafmittel verschrieben, „für die schlimmsten Nächte“. Inzwischen sind die schlimmsten Nächte häufiger, als sie zugeben würde.
Wenn Sie diesen Artikel lesen, kennen Sie vermutlich Ihre eigene Version dieser Nacht. Die Uhrzeit, zu der Sie aufwachen, ist so zuverlässig wie Ihr Wecker. Der Tag funktioniert. Die Nacht nicht. Und der Schlaf ist der einzige Bereich Ihres Lebens, den Sie nicht durch Anstrengung verbessern können.
Dieser Artikel richtet sich vor allem an Führungskräfte, Unternehmer und Selbstständige: an Menschen, die tagsüber Verantwortung tragen und nachts nicht mehr loslassen können.
Er erklärt, was um drei Uhr in Ihrem Körper passiert, was ärztlich abgeklärt sein sollte und warum Schlafmittel das Problem selten lösen. Und er beschreibt ein Muster, das ich bei Führungskräften mit Durchschlafstörungen sehr häufig sehe: ein Nervensystem, das tagsüber funktioniert und nachts Wache hält.
Jede Nacht um drei wach, und Schlafmittel helfen nur kurz?
Dann liegt das Problem vermutlich nicht an der fehlenden Tablette, sondern an einem Nervensystem, das nicht mehr loslassen kann. Genau dort setze ich an.
Sie müssen nicht noch eine Nacht allein mit dem Kopf verbringen, der nicht aufhört. Ein Anruf oder ein Klick genügt, alles Weitere klären wir gemeinsam. Für viele ist schon das erste Gespräch der Moment, in dem es leichter wird.
Terminvereinbarung mit Diplom-Psychologe Martin Rosenauer: telefonisch unter 089/23068977, direkt online oder über die Kontaktfunktion. Diskret, in einer Privatpraxis. Online-Termine auf Anfrage.
Teil 1: Was nachts um drei passiert
Psychosomatik: Der Körper ist müde, die Zentrale hält Wache
Kurz gesagt: Schlaf ist kein Tun, sondern ein Loslassen. Wer um drei hellwach ist, hat meist keinen Körper, der nicht schlafen kann, sondern ein Gehirn, das die Wache nicht abgibt.
Psychosomatisch heißt nicht eingebildet. Die Müdigkeit ist echt, das Herzklopfen um drei ist echt, die Erschöpfung am Nachmittag auch. Sie entstehen nur nicht dort, wo sie sich zeigen.
Ein Bild, das Führungskräfte meist sofort verstehen: Einschlafen und Durchschlafen setzen voraus, dass das Gehirn die Lage als sicher bewertet und den Nachtwächter nach Hause schickt. Tief liegende Regionen, die für Alarm und Wachheit zuständig sind, fahren herunter, und erst dann darf der Körper in den Tiefschlaf sinken.
Bei vielen meiner Klienten geht dieser Nachtwächter nie ganz nach Hause. Er döst ein, und beim ersten Geräusch, beim ersten Gedanken, beim ersten leichten Schlafmoment ist er sofort wieder da. Die Schlafforschung beschreibt das als Übererregung, im Englischen Hyperarousal: ein Nervensystem, das auch nachts auf einer höheren Stufe läuft, als es für Schlaf gut ist.
Die eigentliche Ursache liegt deshalb meist nicht im Bett, nicht im Kissen und nicht im fehlenden Schlafmittel, sondern in der Art, wie Ihr Gehirn die Lage bewertet. Und diese Bewertung ist geprägt: von Erfahrungen, früh gelernten Regeln und dem, was tagsüber keinen Platz hatte.
Warum gerade drei Uhr
Kurz gesagt: Kurzes Aufwachen in der zweiten Nachthälfte ist normal. Das Problem ist nicht das Aufwachen, sondern dass der Kopf anspringt und nicht wieder loslässt.
Schlaf verläuft in Zyklen von etwa neunzig Minuten. Der tiefe Schlaf liegt vor allem in der ersten Nachthälfte. Danach wird der Schlaf leichter, die Traumphasen länger, und zwischen den Zyklen wachen wir kurz auf. Mehrmals pro Nacht, bei den meisten Menschen, ohne dass sie sich morgens daran erinnern.
Gleichzeitig beginnt in den frühen Morgenstunden der Körper, sich auf den Tag vorzubereiten. Das Stresshormon Cortisol steigt an und erreicht nach dem Aufwachen seinen Höhepunkt. Das ist gesund und gewollt. Bei einem Nervensystem, das ohnehin auf einer höheren Stufe läuft, kann es aber genügen, um aus einem kurzen Aufwachen ein vollständiges Wachwerden zu machen.
Um drei Uhr trifft ein leichter Schlaf auf ein wachsames Gehirn. Das ist die Stunde, in der der Nachtwächter am leichtesten aufschreckt.
Ob Sie danach wieder einschlafen, entscheidet sich in den ersten Sekunden. Wer wach wird und nichts denkt, dämmert zurück. Wer wach wird und sofort an den Quartalsbericht denkt, ist verloren.
Der Kopf springt an: warum nachts alles größer ist
Kurz gesagt: Nachts wirken Probleme größer, dringlicher und auswegloser als am Tag. Das liegt weniger an den Problemen als an dem Zustand, in dem man sie denkt.
Viele meiner Klienten beschreiben dasselbe: Um drei Uhr ist die Abweichung im Bericht eine Katastrophe. Um neun Uhr ist sie ein Punkt auf der Agenda. Nachts fehlt die Perspektive, die tagsüber selbstverständlich ist: die Erfahrung, dass man schon ganz andere Dinge gelöst hat, die Kollegin, die man anrufen könnte, der Kaffee und das Licht.
Dazu kommt, dass das nächtliche Denken selten ein Lösen ist. Es ist ein Kreisen. Dieselben drei Sätze, dieselbe Mail, dasselbe Gespräch, immer wieder, ohne Ergebnis. Führungskräfte sind geübt darin, Probleme zu bearbeiten. Nachts bearbeitet das Problem sie.
Das Grübeln um drei ist kein Arbeiten. Es ist Wachdienst in Gedankenform.
Rechnen statt schlafen: wenn das Bett zum Kampfplatz wird
Kurz gesagt: Wer nachts auf die Uhr schaut und den Restschlaf ausrechnet, macht aus der Nacht eine Prüfung. Und Prüfungen halten wach.
„Noch drei Stunden zwanzig.“ Kaum ein Satz ist bei Führungskräften mit Durchschlafstörungen so verbreitet. Die Restschlaf-Arithmetik folgt einer inneren Logik: Wenn ich weiß, wie viel Zeit bleibt, kann ich planen. Aber Schlaf ist kein Projekt mit Deadline. Jeder Blick auf die Uhr sagt dem Nervensystem: Es geht um etwas. Und wo es um etwas geht, bleibt der Nachtwächter wach.
Dazu kommt die Sorge um den nächsten Tag. Wie soll ich die Sitzung schaffen? Was, wenn ich müde wirke? Diese Sorge ist verständlich, aber sie verschiebt das Problem: Aus einer schlechten Nacht wird die Angst vor der schlechten Nacht.
Nach einigen Monaten verknüpft das Gehirn das Bett selbst mit Wachsein. Viele kennen das: auf dem Sofa fallen die Augen zu, im Bett ist man plötzlich hellwach. Die Schlafmedizin nennt das konditionierte Übererregung. Das Bett ist vom Ort der Ruhe zum Kampfplatz geworden.
Teil 2: Abgrenzung, damit nichts übersehen wird
Warum die Abklärung zuerst kommt
Kurz gesagt: Hinter nächtlichem Aufwachen stecken nicht immer Stress und Grübeln. Einige Ursachen sind gut behandelbar und dürfen nicht übersehen werden.
Die wichtigsten Kandidaten, die ärztlich angeschaut werden sollten:
- Schlafapnoe. Atemaussetzer in der Nacht, oft mit lautem Schnarchen. Hinweise sind Tagesmüdigkeit trotz ausreichender Bettzeit, morgendliche Kopfschmerzen, nächtliches Wasserlassen und Beobachtungen des Partners. Die Schlafapnoe ist häufig, gerade bei Männern mittleren Alters, bei Übergewicht und nach Alkohol, und sie ist gut behandelbar.
- Depression. Frühes Erwachen, oft zwei oder drei Stunden vor dem Wecker, gehört zu den typischen Zeichen einer Depression, besonders wenn es mit Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit und einem Morgentief einhergeht. Dann gehört die Depression selbst behandelt.
- Unruhige Beine. Ein Kribbeln oder Ziehen in den Beinen, das in Ruhe und abends zunimmt und mit Bewegungsdrang einhergeht, kann auf ein Restless-Legs-Syndrom hinweisen.
- Nächtlicher Harndrang, Sodbrennen, Schmerzen. Alles, was nachts regelmäßig weckt, gehört angesprochen.
- Schilddrüse und Hormone. Eine Überfunktion kann den Schlaf stören, ebenso hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren.
- Medikamente. Manche Blutdruckmittel, Kortison, bestimmte Antidepressiva und Asthmamittel können den Schlaf beeinträchtigen.
Welche Untersuchungen nötig sind, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, bei Verdacht auf eine Schlafapnoe mit einer Untersuchung im Schlaflabor oder einem ambulanten Messgerät.
Sechs typische Auslöser im Alltag von Führungskräften
Kurz gesagt: Manche Durchschlafstörung hat Ursachen, die im Kalender stehen und nicht in der Psyche.
- Alkohol am Abend. Das Glas Wein hilft beim Einschlafen und stört die zweite Nachthälfte. Wenn der Alkohol abgebaut ist, wird der Schlaf unruhig und flach, und viele wachen genau dann auf, gegen drei.
- Koffein nach dem Mittag. Koffein wirkt deutlich länger nach, als die meisten annehmen. Der Espresso nach dem Business-Lunch ist um drei Uhr nachts oft noch nicht ganz abgebaut.
- Mails bis ins Bett. Wer um 23 Uhr noch das Postfach öffnet, gibt dem Gehirn das Signal, dass der Arbeitstag nicht vorbei ist. Das Licht des Bildschirms ist dabei das kleinere Problem, der Inhalt das größere.
- Reisen und Zeitzonen. Häufige Flüge, wechselnde Hotels und Zeitverschiebung bringen die innere Uhr aus dem Takt, und bei manchen findet sie nie ganz zurück.
- Schlafmittel selbst. Viele Schlafmittel verlieren bei regelmäßiger Einnahme an Wirkung, und beim Absetzen kann der Schlaf vorübergehend schlechter werden als vorher. Das hält viele in der Einnahme fest.
- Der Schlaftracker. Wer jeden Morgen seine Schlafwerte prüft, macht den Schlaf zur Kennzahl. Mehr dazu in Teil 3.
Kurzer Selbsttest
Die folgenden Punkte gelten, wenn körperliche Ursachen ausgeschlossen sind.
- Sie wachen fast jede Nacht zur selben Zeit auf, meist zwischen zwei und vier Uhr.
- Nach dem Aufwachen springt der Kopf sofort an, meist mit Arbeitsthemen.
- Sie rechnen nachts aus, wie viel Schlaf Ihnen noch bleibt.
- Auf dem Sofa werden Sie müde, im Bett sind Sie plötzlich wach.
- Tagsüber funktionieren Sie, oft sogar gut, und niemand merkt etwas.
- Im Urlaub schlafen Sie in den ersten Tagen besonders schlecht.
- Pausen fühlen sich unverdient an, und Ruhe macht Sie eher unruhig.
Mehrere Punkte treffen zu? Dann müssen Sie damit nicht länger allein bleiben. Termin unter 089/23068977, direkt online buchen oder über die Kontaktfunktion.
Teil 3: Das Muster dahinter
Sie funktionieren. Nachts nicht
Kurz gesagt: Viele Führungskräfte mit Durchschlafstörungen tragen dasselbe Muster wie Menschen mit Panik oder Herzbeschwerden ohne Befund: einen Selbstwert, der an Leistung hängt, und ein Nervensystem, das nie ganz Feierabend hat.
Katrin war mit 36 die jüngste Bereichsleiterin in der Geschichte ihres Unternehmens. Sie ist die, die vorbereitet in jede Sitzung geht, die jede Zahl kennt und nie eine Frist verpasst. Als wir in der zweiten Sitzung darüber sprechen, wann sie zuletzt einen Tag ohne Pflichten hatte, schweigt sie lange. Dann sagt sie: „Ich wüsste nicht, was ich damit anfangen sollte.“
Hinter dieser Antwort steht bei vielen meiner Klienten eine Regel, die früh gelernt und nie ausgesprochen wurde: Ich bin in Ordnung, solange ich etwas leiste. Wie diese Regel entsteht und warum sie so schwer zu erkennen ist, beschreibe ich ausführlich im Beitrag Panikattacken bei Führungskräften.
Wer seinen Wert jeden Tag neu verdienen muss, kann nachts nicht einfach loslassen. Denn Schlaf verlangt genau das, was diese Regel verbietet: die Kontrolle abgeben, nichts leisten, sich einem Zustand überlassen, in dem man nichts im Griff hat.
Was um drei Uhr zurückkommt
Kurz gesagt: Tagsüber ist für Gefühle kein Platz. Nachts, wenn nichts mehr zu tun ist, kommt zurück, was geparkt wurde.
Tagsüber läuft das System im Einsatzmodus. Ärger über den Vorstandskollegen, die Kränkung in der Sitzung, die Traurigkeit über das Wochenende, das wieder nicht stattfand: Das alles wird geparkt, weil es weitergehen muss. Solange du funktionierst, musst du nicht fühlen.
Nachts funktioniert niemand. Der leichte Schlaf der zweiten Nachthälfte ist ein Zustand, in dem das Geparkte am leichtesten nach oben drängt, als Unruhe, als Herzklopfen, als Grübeln über ein Thema, das eigentlich für etwas anderes steht. Viele meiner Klienten grübeln um drei über die Mail an die Bank. Und merken in der Praxis, dass es eigentlich um etwas ganz anderes ging.
Das ist derselbe Mechanismus, der bei manchen Menschen am Sonntagabend Herzstolpern auslöst, den ich im Beitrag Herzrhythmusstörungen ohne Befund beschreibe. Bei Durchschlafstörungen kommt er nicht am Wochenende, sondern jede Nacht.
Um drei Uhr meldet sich nicht nur die Arbeit. Es meldet sich alles, wofür tagsüber keine Zeit war.
Der Schlaf, den man nicht erarbeiten kann
Kurz gesagt: Je mehr man sich um Schlaf bemüht, desto wacher wird man. Das ist für Menschen, die alles durch Anstrengung erreicht haben, die vielleicht verwirrendste Erfahrung überhaupt.
Führungskräfte gehen mit Schlaflosigkeit meist so um, wie sie mit jedem Problem umgehen: Sie analysieren, optimieren, strengen sich an. Neue Matratze, Verdunkelung, Magnesium, Schlafmaske, Meditations-App, Einschlafroutine nach Plan. Manches davon ist vernünftig. Aber es übersieht, dass Schlaf das Gegenteil von Anstrengung ist.
Die Schlafforschung spricht von Schlafanstrengung: dem Versuch, Schlaf herbeizuführen. Sie gilt als einer der Faktoren, die Schlafstörungen aufrechterhalten. Wer schlafen will, bleibt wach, weil Wollen ein Wachzustand ist.
Kontrolle ist bei Durchschlafstörungen nicht die Lösung. Sie ist ein Teil des Problems.
Das ist für viele Führungskräfte der eigentliche Wendepunkt: zu erkennen, dass die Strategie, die sie erfolgreich gemacht hat, ausgerechnet hier gegen sie arbeitet. Und dass Schlaf nicht verdient werden muss, sondern zugelassen werden darf.
Der Schlaftracker: wenn Schlaf zur Kennzahl wird
Kurz gesagt: Schlaftracker können interessant sein. Bei Menschen mit Leistungsmuster machen sie den Schlaf oft zu einer weiteren Zahl, die man verbessern muss.
Viele meiner Klienten tragen einen Ring oder eine Uhr, die ihnen morgens einen Schlafwert anzeigt. Bei einem schlechten Wert beginnt der Tag mit einer Niederlage. Bei einem guten Wert fragt man sich, warum man sich trotzdem müde fühlt. Und am Abend geht man mit dem Ziel ins Bett, den Wert zu verbessern.
Schlafforscher haben für das Phänomen einen eigenen Begriff geprägt: Orthosomnie, das perfektionistische Streben nach optimalem Schlaf auf Basis von Trackerdaten, das den Schlaf selbst verschlechtert. Hinzu kommt, dass Tracker die Schlafphasen nur schätzen und dabei deutlich ungenauer sind als eine Messung im Schlaflabor.
Teil 4: Was Sie selbst tun können
Was hilft
Kurz gesagt: Feste Aufstehzeit, das Bett nur zum Schlafen, aufstehen statt wach liegen und den Tag vor dem Bett beenden.
- Eine feste Aufstehzeit, auch am Wochenende. Sie ist wichtiger als die Zubettgehzeit. Die innere Uhr orientiert sich am Morgen.
- Das Bett nur zum Schlafen. Keine Mails, keine Serien, kein Grübeln im Bett. Das Gehirn soll das Bett wieder mit Schlaf verbinden, nicht mit Wachsein.
- Aufstehen statt wach liegen. Wer länger wach liegt und sich ärgert, steht besser auf, geht in einen anderen Raum mit gedämpftem Licht und kommt erst zurück, wenn die Müdigkeit wieder da ist. Das fühlt sich anfangs falsch an und ist einer der wirksamsten Schritte.
- Die Uhr aus dem Blick. Wecker umdrehen, Handy außer Reichweite. Wer die Uhrzeit nicht kennt, kann nicht rechnen.
- Den Tag am frühen Abend abschließen. Eine Viertelstunde mit Papier: Was ist offen, was ist der nächste Schritt, wann kümmere ich mich darum. Was aufgeschrieben ist, muss nicht nachts bewacht werden.
- Den Übergang gestalten. Eine Stunde vor dem Schlafen ohne Arbeit. Ein Spaziergang, ein Buch, ein Gespräch. Der Sprung vom Postfach ins Bett ist für das Nervensystem zu abrupt.
- Länger ausatmen als einatmen. Wenn Sie nachts wach sind: vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus, Bauch und Kiefer loslassen. Nicht um einzuschlafen, sondern um den Körper wissen zu lassen, dass keine Gefahr besteht.
- Alkohol und Koffein ehrlich prüfen. Kein Kaffee nach dem Mittag, kein Alkohol als Einschlafhilfe. Das ist keine Moralpredigt, sondern Diagnostik.
Was nicht hilft und warum
- Früher ins Bett gehen. Wer mehr Zeit im Bett verbringt, als er schlafen kann, verlängert vor allem das Wachliegen.
- Am Wochenende ausschlafen. Es verschiebt die innere Uhr und macht die Nacht auf Montag schwerer.
- Schlafmittel als Dauerlösung. Die üblichen Schlafmittel sind nur für kurze Zeit empfohlen, weil sie bei längerer Einnahme an Wirkung verlieren und abhängig machen können. Setzen Sie verordnete Schlafmittel aber nicht eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie das Absetzen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
- Mehr Kontrolle. Noch eine App, noch eine Routine, noch ein Präparat. Die Anstrengung hält wach.
- Nachts Probleme lösen wollen. Um drei Uhr werden keine guten Entscheidungen getroffen. Was sich nachts aufdrängt, bekommt einen Termin am Tag.
- Sich zusammenreißen. Wer die Erschöpfung wegdrückt, drückt meist auch das weg, was sie auslöst.
Teil 5: Die Behandlung
Erste Methode: Aufdeckende Hypnose
Kurz gesagt: Die Regel, die nachts nicht loslassen lässt, ist im emotionalen Gedächtnis gespeichert. Dort setzt die aufdeckende Hypnose an.
Die meisten meiner Klienten wissen, dass um drei Uhr nachts keine Mail geschrieben werden muss. Sie wissen es. Aber ihr Nervensystem weiß es nicht. Es hält Wache, weil es irgendwann gelernt hat, dass Loslassen gefährlich ist.
In der Trance tritt der kontrollierende Verstand ein Stück zurück. Das öffnet einen Zugang zu den Erfahrungen, in denen Sicherheit an Bedingungen geknüpft wurde. Gefühle, die damals keinen Raum hatten, können in der geschützten Situation der aufdeckenden Hypnose erlebt und verarbeitet werden. Damit verliert oft auch die alte Regel an Kraft.
Bei Katrin führte die Spur zu einer Kindheit, in der nachts gestritten wurde. Sie lag als Mädchen oft wach und horchte, ob es unten laut wurde, um im richtigen Moment hinunterzugehen und zu schlichten. Sie war zehn. Sie hat seitdem nachts nie mehr ganz abgeschaltet.
Als sie das in der Hypnose wiedererlebte, sagte sie danach nur: „Ich halte seit siebenunddreißig Jahren Nachtwache.“
Zweite Methode: Hypnose für den Schlaf
Kurz gesagt: Hypnose kann dem Gehirn helfen, in einen Zustand zu gleiten, der dem Einschlafen sehr ähnlich ist. Sie lernen sie so, dass Sie sie nachts selbst anwenden können.
Trance und Schlaf haben vieles gemeinsam: Die Aufmerksamkeit wird weit, das Denken langsamer, der Körper schwer. In einer Studie der Universitäten Zürich und Fribourg verlängerte eine kurze Hypnose vor einem Mittagsschlaf bei gesunden jungen Frauen den Tiefschlaf deutlich. Das lässt sich nicht einfach auf Führungskräfte mit Durchschlafstörungen übertragen, aber es zeigt, dass hypnotische Suggestionen den Schlaf selbst beeinflussen können.
In der Praxis lernen Sie eine Selbsthypnose, die auf Sie zugeschnitten ist. Sie ist kein Einschlafprogramm, das man abspielt, sondern ein innerer Weg, den Sie um drei Uhr gehen können, statt zu rechnen.
Dritte Methode: Körperpsychotherapie und Atemtherapie
Kurz gesagt: Der Körper hält fest, was der Kopf nicht loslassen kann. Wer die Spannung in Bauch, Kiefer und Schultern löst, gibt dem Schlaf wieder Raum.
Bei Menschen mit Durchschlafstörungen finde ich sehr häufig dasselbe Muster: einen festgehaltenen Bauch, einen angespannten Kiefer, hochgezogene Schultern, eine flache Atmung. Viele knirschen nachts mit den Zähnen oder wachen mit verspanntem Nacken auf. Das ist die Haltung der Wachsamkeit, und sie endet nicht, wenn man sich hinlegt.
In der Körperpsychotherapie erforschen wir mit kleinen, achtsamen Bewegungen, wo Sie unbewusst festhalten. Wer die Spannung wieder spürt, kann sie loslassen, und genau dieses Loslassen ist die Fähigkeit, die der Schlaf braucht.
Dazu: Gespräche und bewährte Schlafregeln
Damit Sie verstehen, was nachts in Ihrem Körper passiert, gehören Gespräche dazu. Sie bekommen ein Modell davon, warum Sie um drei Uhr aufwachen, an Ihrem Fall und nicht allgemein. Dazu kommen bewährte Elemente aus der Schlafmedizin wie eine feste Aufstehzeit, ein bewusster Umgang mit der Bettzeit und das Aufstehen bei längerem Wachliegen, die wir auf Ihren Kalender abstimmen.
Ablauf, Dauer und Grenzen
Ablauf
- Erstgespräch. Wir gehen Ihre Nächte durch, die bisherigen Befunde, Ihre Medikamente und die Situation, in der es begonnen hat. Dabei schaue ich ausdrücklich auf das, was noch nicht abgeklärt ist.
- Ein Schlaftagebuch über ein bis zwei Wochen, auf Papier und ohne Tracker.
- Einordnung. Sie bekommen ein Modell davon, warum Sie nachts aufwachen, an Ihrem Fall.
- Arbeit an der Ursache mit aufdeckender Hypnose und Körperpsychotherapie.
- Selbsthypnose und Schlafregeln für die Nacht, abgestimmt auf Ihren Alltag und Ihre Reisen.
Dauer
In der Regel sind es vier bis sechs Intensiveinheiten zuzüglich Erstberatung. Online-Termine sind auf Anfrage möglich.
Grenzen
- Es gibt Hinweise auf eine Schlafapnoe, ein Restless-Legs-Syndrom oder eine andere körperliche Ursache, die noch nicht abgeklärt ist. Dann gehört das zuerst geklärt.
- Es liegt eine schwere depressive Episode vor. Dann ist ihre Behandlung der vorrangige Weg.
- Alkohol oder Schlafmittel sind zur Dauerlösung geworden und lassen sich nicht mehr ohne Weiteres weglassen. Dann gehört das Absetzen ärztlich begleitet.
- Sie befinden sich in einer akuten seelischen Krise. Dann wenden Sie sich bitte sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, an den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117), im Notfall an den Notruf 112 oder an die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, rund um die Uhr).
- Sie suchen eine kassenfinanzierte Behandlung. Als Heilpraktiker für Psychotherapie rechne ich privat ab.
Ein Satz zur Einordnung: Für chronische Schlafstörungen ist die kognitive Verhaltenstherapie der Insomnie die am besten untersuchte Behandlung und in der Leitlinie als erste Wahl empfohlen. Wenn dieser Weg für Sie erreichbar ist und passt, ist er eine gute Wahl. Mein Ansatz richtet sich an Menschen, bei denen er nicht gegriffen hat, denen die Wartezeit zu lang ist oder die eine andere Arbeitsweise suchen.
Terminvereinbarung direkt online, telefonisch oder über die Kontaktfunktion. Hilfreich für den ersten Kontakt sind drei Angaben: seit wann Sie nachts aufwachen, was ärztlich abgeklärt wurde und ob Sie Schlafmittel nehmen.
Wo Katrin heute steht
Katrin kam über einige Monate in die Praxis. Sie wacht noch manchmal nachts auf. Aber sie schaut nicht mehr auf die Uhr, und meistens dämmert sie nach ein paar Minuten wieder weg. Das Schlafmittel hat sie in Absprache mit ihrem Hausarzt über mehrere Wochen ausgeschlichen.
Was sie selbst am meisten überrascht hat: Die Mail an die Bank, der Satz des Aufsichtsratsvorsitzenden, der Quartalsbericht sind nicht verschwunden. Sie sind nur wieder dort, wo sie hingehören, auf den Tag.
„Ich dachte immer, ich müsste nachts aufpassen, damit tagsüber nichts schiefgeht“, sagte sie in einer der letzten Sitzungen. „Dabei ist tagsüber nie etwas schiefgegangen. Ich habe nur nie geschlafen.“
Nicht jeder Verlauf ist so geradlinig. Manche brauchen länger, manche haben Rückschläge, besonders in Phasen hoher Belastung. Was ich bei Menschen mit diesem Muster immer wieder sehe: Wenn sich die Regel darunter verändert, darf der Nachtwächter nach Hause gehen.
Sie müssen nicht noch ein Jahr lang um drei Uhr wach liegen. Der erste Schritt ist ein Gespräch.
Teil 6: Fragen, Kontakt, Literatur
Häufige Fragen
Warum wache ich immer um drei Uhr auf?
In der zweiten Nachthälfte ist der Schlaf leichter, und kurzes Aufwachen zwischen den Schlafzyklen ist normal. Gleichzeitig beginnt der Körper, sich auf den Tag vorzubereiten. Ist das Nervensystem ohnehin angespannt, wird aus dem kurzen Aufwachen ein vollständiges Wachwerden, und der Kopf springt an.
Sind Schlafmittel eine Lösung?
Für kurze Zeit können sie entlasten. Als Dauerlösung sind die üblichen Schlafmittel nicht empfohlen, weil sie an Wirkung verlieren und abhängig machen können. Welche Medikamente für Sie infrage kommen, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Setzen Sie verordnete Mittel nicht eigenmächtig ab.
Hilft ein Glas Wein beim Schlafen?
Beim Einschlafen ja, beim Durchschlafen nein. Wenn der Alkohol abgebaut ist, wird der Schlaf in der zweiten Nachthälfte unruhig und flach.
Soll ich meinen Schlaftracker ablegen?
Wenn Sie merken, dass Sie morgens zuerst auf Ihren Schlafwert schauen und sich davon den Tag bestimmen lassen: ja, zumindest für einige Wochen. Tracker schätzen die Schlafphasen nur und sind deutlich ungenauer als eine Messung im Schlaflabor.
Wie viel Schlaf brauche ich wirklich?
Das ist individuell verschieden. Aussagekräftiger als die Stundenzahl ist, ob Sie sich tagsüber leistungsfähig fühlen. Viele Menschen mit Schlafstörungen unterschätzen, wie viel sie tatsächlich schlafen.
Muss ich beruflich kürzertreten?
Nicht zwingend. Ziel ist nicht weniger Verantwortung, sondern ein Nervensystem, das nachts loslassen kann. Manche entscheiden sich im Verlauf trotzdem, etwas zu ändern. Das ist dann ihre Entscheidung, nicht die Voraussetzung.
Muss ich über meine Kindheit sprechen?
Nicht zwingend und nicht am Anfang. Die Arbeit beginnt bei dem, was heute passiert: bei Ihren Nächten und den Situationen, in denen sie schlecht werden. Wohin sie führt, entscheidet sich im Verlauf.
Erfährt mein Arbeitgeber davon?
Nein. Die Behandlung findet in einer Privatpraxis statt, es erfolgt keine Meldung an eine gesetzliche Krankenkasse, und es entsteht kein Eintrag, der an anderer Stelle sichtbar würde.
Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung?
Als Heilpraktiker für Psychotherapie rechne ich privat ab. Gesetzliche Kassen übernehmen das nicht. Private Kassen und Beihilfestellen erstatten je nach Tarif unterschiedlich.
Geht das auch online?
Ja, Online-Termine sind auf Anfrage möglich. English-speaking clients welcome.
Ist das dieselbe Hypnose, die man aus dem Fernsehen kennt?
Nein. Was dort gezeigt wird, ist Showhypnose. Sie sind durchgehend ansprechbar und erinnern sich hinterher an alles.
Über mich
Martin Rosenauer, Diplom-Psychologe (univ.), Heilpraktiker für Psychotherapie. Praxis in München. Erfahren in der Arbeit mit Geschäftsführern und Führungskräften. Klinische Schwerpunkte sind Angst-, Panik- und Schlafstörungen sowie psychosomatische Beschwerdebilder, darunter Herzbeschwerden ohne Befund und sexuelle Funktionsstörungen. Methodischer Schwerpunkt ist die aufdeckende Hypnose, ein selten angebotenes Verfahren, mit dem ich auch Traumatisierungen behandle. Vier Jahre wissenschaftliche Tätigkeit am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in der Forschungsgruppe von Gerd Gigerenzer.
Anmerkung und Literatur
Anmerkung
Katrin W., Frank, Michael und Jan sind aus mehreren Behandlungsverläufen zusammengesetzte Figuren. Namen, Branchen und alle erkennbaren Details sind verändert. Anhaltende Schlafstörungen gehören ärztlich abgeklärt. Dieser Artikel ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung und stellt kein Heilungsversprechen dar.
Literatur
- Riemann, D. et al. (2017): S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen, Kapitel Insomnie bei Erwachsenen. Somnologie, 21, S. 2-44.
- Riemann, D. et al. (2010): The hyperarousal model of insomnia: a review of the concept and its evidence. Sleep Medicine Reviews, 14(1), S. 19-31.
- Baron, K. G. et al. (2017): Orthosomnia: are some patients taking the quantified self too far? Journal of Clinical Sleep Medicine, 13(2), S. 351-354.
- Cordi, M. J., Schlarb, A. A. & Rasch, B. (2014): Deepening sleep by hypnotic suggestion. Sleep, 37(6), S. 1143-1152.
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Kontakt und Terminvereinbarung
Für Menschen, die gewohnt sind, alles selbst zu lösen, ist der Schritt, sich Unterstützung zu holen, oft der schwerste. Gerade beim Schlaf, den man doch eigentlich einfach können müsste. Doch, Sie dürfen Hilfe brauchen. Und für viele ist schon das erste Gespräch eine Erleichterung: endlich jemand, der nicht zum nächsten Schlafmittel rät, sondern fragt, was Sie nachts wach hält.
In einem ersten Gespräch klären wir, welche Befunde vorliegen, wie Ihre Nächte aussehen und welcher Weg für Sie sinnvoll ist. Diskret, ohne monatelange Wartezeit und in einem Rahmen, der zu einem vollen Kalender passt. Erfahrungsberichte finden Sie unter Empfehlungen.
Online-Terminbuchung über jameda. Alternativ telefonisch unter 089/23068977 oder über die Kontaktseite.