Panikattacken und Panikstörung

Wenn der Körper Alarm schlägt, ohne dass Gefahr besteht: was während einer Attacke tatsächlich passiert, was zuerst ärztlich abgeklärt gehört und wie sich die Angst vor der Angst auflösen lässt

München | Hypnosetherapie, Körperpsychotherapie und Psychotherapie bei Panikattacken, Panikstörung und Agoraphobie

Inhalt dieses Artikels

Es beginnt ohne Vorwarnung. Sie stehen an der Kasse, sitzen im Zug, liegen im Bett, und plötzlich schlägt das Herz bis in den Hals. Die Brust wird eng. Die Hände kribbeln. Der Boden fühlt sich an, als sei er weiter weg als sonst. Und dann kommt der Gedanke, der alles verändert: Das ist ein Herzinfarkt. Oder: Ich sterbe gleich. Oder: Ich verliere den Verstand.

Zwanzig Minuten später ist es vorbei. Der Notarzt hat nichts gefunden, oder Sie sind gar nicht erst hingefahren. Sie sitzen da, zittrig und erschöpft, und wissen nicht, was das war. Was Sie aber sofort wissen: Sie wollen das nie wieder erleben.

Ab diesem Moment verändert sich etwas, das mit der Attacke selbst gar nichts mehr zu tun hat. Sie beginnen, auf Ihren Körper zu achten. Sie meiden den Ort, an dem es passiert ist. Sie prüfen vor jedem Termin, wo der Ausgang ist. Und Sie fürchten nicht mehr das, was Sie ursprünglich gefürchtet haben, sondern die nächste Attacke.

Genau an diesem Punkt wird aus einzelnen Panikattacken eine Panikstörung. Nicht die Attacke ist die Erkrankung. Die Angst vor ihr ist es.

Dieser Text ist für Menschen geschrieben, die zu diesem Thema bereits alles gelesen haben, was drei Absätze lang ist. Er erklärt, was während einer Attacke im Körper tatsächlich abläuft, warum sie sich wie Lebensgefahr anfühlt und keine ist, welche körperlichen Ursachen regelmäßig übersehen werden, was in einer Attacke hilft und was sie verlängert, und wie eine ursachenorientierte Behandlung aussieht.

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Teil 1: Was tatsächlich passiert

Panikattacke: Symptome und typischer Ablauf

Kurz gesagt: Eine Panikattacke ist eine vollständige Alarmreaktion des Körpers, die ohne reale Gefahr abläuft. Alles, was dabei geschieht, ist eine sinnvolle Vorbereitung auf Kampf oder Flucht. Der Körper tut nichts Falsches, er tut das Richtige zum falschen Zeitpunkt.

Der Körper hat ein Programm für Lebensgefahr. Es läuft in Sekundenbruchteilen ab und es fragt nicht nach. Adrenalin wird ausgeschüttet, das Herz schlägt schneller und kräftiger, die Atmung beschleunigt sich, Blut wird von den Eingeweiden und von der Haut in die großen Muskeln umgeleitet, die Pupillen weiten sich, die Verdauung wird abgeschaltet, die Muskeln spannen an.

Jedes einzelne Symptom einer Panikattacke lässt sich daraus ableiten. Das Herzrasen versorgt die Muskeln. Die Enge in der Brust kommt von der angespannten Atemmuskulatur. Das Kribbeln in Händen und Gesicht und der Schwindel kommen von der beschleunigten Atmung. Die Übelkeit kommt von der abgeschalteten Verdauung. Das Zittern ist Muskelspannung ohne Bewegung. Die kalten, feuchten Hände kommen vom umverteilten Blut.

Nichts davon ist ein Zeichen dafür, dass etwas kaputtgeht. Es sind die Zeichen dafür, dass etwas sehr gut funktioniert, nur ohne Anlass.

Der Verlauf einer Attacke

Panikattacken haben eine erstaunlich verlässliche Form. Sie steigen schnell an, erreichen nach wenigen Minuten ihren Höhepunkt und klingen dann ab. Sie halten sich nicht auf einem Plateau, und sie steigern sich nicht endlos.

Das hat einen körperlichen Grund: Adrenalin wird abgebaut. Der Körper kann diesen Zustand gar nicht beliebig lange aufrechterhalten, weil die Bremse des Nervensystems gegenregelt. Was sich über eine Stunde hinzieht, ist deshalb meist keine durchgehende Attacke, sondern eine Attacke und eine anschließende Phase hoher Anspannung, in der jederzeit die nächste kommen könnte.

Diese Information allein verändert bei vielen Patienten den Verlauf einer Attacke, weil sie die schlimmste Befürchtung entkräftet: dass es nicht mehr aufhört.

Warum es sich wie Lebensgefahr anfühlt

Weil es dieselbe Reaktion ist. Ihr Körper unterscheidet nicht zwischen einem Angreifer und einem Fehlalarm. Er stellt in beiden Fällen dasselbe zur Verfügung, und das fühlt sich in beiden Fällen gleich an.

Dazu kommt ein zweiter Punkt, der selten erklärt wird. Was Sie während der Attacke denken, ist nicht die Ursache, sondern ein Teil der Reaktion. Unter hoher Aktivierung arbeitet das Gehirn anders: Die Aufmerksamkeit verengt sich, die Bewertung wird schneller und gröber, die Abwägung fällt aus. Der Gedanke, dass Sie sterben, ist nicht ein Fehlschluss, den Sie besser hätten vermeiden können. Er ist das, was ein Alarmsystem produziert, wenn es Alarm schlägt.

Die Atmung: der am stärksten unterschätzte Teil

Die Atmung verdient einen eigenen Abschnitt, weil sie einen erheblichen Teil der Symptome erzeugt und weil sie der einzige Teil des Programms ist, den Sie direkt beeinflussen können.

Unter Anspannung atmen die meisten Menschen schneller und flacher, und zwar in den oberen Brustkorb statt in den Bauch. Wenn dabei mehr geatmet wird, als der Stoffwechsel gerade braucht, sinkt der Kohlendioxidgehalt im Blut. Der pH-Wert steigt leicht an, der Anteil des frei verfügbaren Kalziums verschiebt sich, und die Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen steigt.

Das erklärt die Symptome, die Betroffene am meisten erschrecken, weil sie sich am wenigsten nach Angst anfühlen: das Kribbeln in Händen, Füßen und um den Mund, die Benommenheit, das Gefühl von Unwirklichkeit, die Sehstörungen, das Muskelzucken. Der niedrige Kohlendioxidgehalt verengt zusätzlich die Gefäße im Gehirn, was den Schwindel und das Gefühl erklärt, gleich ohnmächtig zu werden.

Das Paradoxe dabei: Das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen, entsteht dadurch, dass zu viel geatmet wird. Wer darauf mit noch tieferem Einatmen reagiert, verstärkt genau den Zustand, den er loswerden will.

Hier liegt auch der Grund, warum viele Betroffene zwischen den Attacken nie ganz beschwerdefrei sind. Ein über Monate flaches, zu schnelles Atemmuster hält die Schwelle dauerhaft niedrig. Es braucht dann nur noch einen kleinen Anstoß, damit der Alarm anspringt.

Warum die Attacke oft aus dem Nichts kommt

Kurz gesagt: Viele Attacken haben keinen Auslöser in der Situation, in der sie auftreten. Sie kommen gehäuft in Ruhephasen, abends, am Wochenende, im Urlaub, nachts aus dem Schlaf. Dass kein Anlass erkennbar ist, spricht nicht gegen eine stress- oder regulationsbedingte Beteiligung.

Der häufigste Satz in meinem Erstgespräch lautet sinngemäß: Es war überhaupt nichts los. Ich saß auf dem Sofa. Das ist keine Ausnahme, sondern die Regel, und es ist einer der Gründe, warum Betroffene die Erklärung über Stress zurückweisen. Sie haben recht: In dem Moment war kein Stress.

Dafür gibt es zwei Erklärungen, die sich nicht ausschließen.

Die vegetative Seite

Fällt nach längerer Anspannung die Aktivierung ab, übernimmt die bremsende Seite des Nervensystems abrupt. Solche Umschwünge sind der Boden, auf dem der Alarm besonders leicht anspringt. Gleichzeitig ist in der Ruhe die Aufmerksamkeit frei, den eigenen Körper überhaupt zu bemerken. Beides addiert sich.

Die andere Erklärung, und hier arbeite ich mit einem Modell

Eine Alarmreaktion ist biologisch als Episode angelegt: Sie steigt an, sie führt zu einer Handlung, sie klingt ab, das System kehrt zurück. Bei Tieren lässt sich das gut beobachten. Die Reaktion wird zu Ende gebracht, die Spannung wird abgeschüttelt, danach ist die Sache erledigt.

Beim Menschen bleibt dieser Bogen häufig unvollständig. Es gibt Situationen, in denen weder Kampf noch Flucht möglich sind: als Kind gegenüber Erwachsenen, in einer Beziehung, aus der man nicht heraus kann, in einer beruflichen Lage ohne guten Ausweg, während einer langen Pflegesituation, nach einem Verlust, bei dem funktioniert werden musste. Dann wird die Aktivierung nicht abgearbeitet, sondern gehalten. Man reißt sich zusammen, man macht weiter, und das gelingt oft erstaunlich gut.

Weg ist sie deshalb nicht. Sie bleibt im System gebunden, sie hält die Atmung flach und die Grundspannung hoch. Und sie kommt zurück, wenn die Umstände es zulassen.

Entscheidend ist dabei ein Punkt, der oft falsch wiedergegeben wird: Was die Rückkehr auslöst, ist nicht in erster Linie das Nachlassen von Druck, sondern hinreichende Sicherheit. Deshalb kommen die Attacken im Urlaub, in einer neuen guten Beziehung, nach dem Ende einer belastenden Phase, manchmal ausgerechnet dann, wenn es das erste Mal seit Jahren besser geht.

Ich vergleiche das mit durchgefrorenen Händen. Solange sie taub sind, tun sie nicht weh. Sobald sie an die Heizung kommen, beginnt das Kribbeln, dann das Stechen, dann ein Schmerz, der kaum auszuhalten ist. Je kälter sie waren, desto heftiger sind die ersten Minuten im Warmen. Das ist kein Rückschritt. Es ist das Auftauen.

Weil die gehaltene Aktivierung im Bewusstsein keinen Inhalt mehr hat, kommt sie ohne Inhalt zurück. Kein Gedanke, kein Bild, keine Erinnerung, nur Physiologie. Das ist der Grund, warum Sie beim besten Willen keinen Auslöser benennen können.

Nächtliche Attacken

Aus dem Schlaf heraus aufzuwachen mit Herzrasen und Todesangst ist besonders erschreckend, weil jede Erklärung über Gedanken ausfällt. Man hat ja nicht gedacht, man hat geschlafen.

Nächtliche Panikattacken treten typischerweise im Übergang zum Tiefschlaf auf, nicht aus dem Traum heraus. Sie bestätigen damit eher als dass sie widerlegen, was oben steht: Der Alarm braucht keinen Gedanken. Er läuft auf einer Ebene ab, die vor dem Denken liegt.

Wichtig ist hier die Abgrenzung. Nächtliches Aufschrecken mit Luftnot gehört schlafmedizinisch abgeklärt, weil eine unerkannte schlafbezogene Atmungsstörung genau so aussehen kann. Mehr dazu in Teil 2.

Wie aus Attacken eine Störung wird

Kurz gesagt: Die Panikstörung entsteht nicht durch die Attacken, sondern durch das, was zwischen ihnen passiert. Erwartungsangst, Körperbeobachtung, Vermeidung und Sicherheitsverhalten halten das System dauerhaft in Alarmbereitschaft und machen die nächste Attacke wahrscheinlicher.

Der Vorgang läuft bei fast allen Betroffenen gleich ab.

  1. Eine erste Attacke tritt auf, meist heftig und ohne erkennbaren Anlass.
  2. Sie wird als Lebensgefahr erlebt und entsprechend gespeichert. Das ist keine Fehlbewertung, sondern die Funktionsweise eines Alarmsystems: Was einmal als gefährlich eingestuft wurde, bekommt Vorrang.
  3. Die Aufmerksamkeit richtet sich nach innen. Herzschlag, Atmung, Schwindel werden ab jetzt bemerkt, die Wahrnehmungsschwelle sinkt.
  4. Normale Körperempfindungen werden zu Vorboten. Ein schnellerer Puls nach der Treppe, ein Schwindel beim Aufstehen, ein Druck nach dem Essen lösen jetzt Alarm aus.
  5. Der Alarm erzeugt Adrenalin, das Adrenalin erzeugt die Symptome, die Symptome bestätigen den Alarm. Der Kreis schließt sich.
  6. Situationen werden gemieden. Zuerst die, in denen es passiert ist, dann alle, in denen Hilfe schwer erreichbar wäre.
  7. Jede Vermeidung senkt die Angst kurzfristig und bestätigt dem System langfristig, dass die Gefahr real war. Der Radius wird enger.

Sicherheitsverhalten: der Mechanismus, der alles zusammenhält

Sicherheitsverhalten sind die kleinen Dinge, mit denen man die Attacke zu verhindern versucht: die Tablette in der Tasche, die nie genommen wird. Der Sitzplatz in Gangnähe. Das Handy mit Empfang. Die Begleitperson. Das Wasser. Das Messen des Pulses. Das Vermeiden von Koffein, Sport, Hitze, Aufregung.

Jede dieser Handlungen wirkt für Minuten. Und jede von ihnen hält das System für Monate in Alarmbereitschaft, weil Ihr Nervensystem daraus nicht lernt, dass die Situation ungefährlich war. Es lernt, dass Sie sie überstanden haben, weil Sie vorgesorgt hatten.

Deshalb ist der entscheidende Satz über Sicherheitsverhalten nicht, dass es nichts nützt. Es nützt. Genau das ist das Problem.

Wenn der Radius enger wird

Aus der Vermeidung entwickelt sich bei vielen Betroffenen eine Agoraphobie: die Angst vor Situationen, aus denen ein Entkommen schwierig oder peinlich wäre. Öffentliche Verkehrsmittel, Schlangen, Kinos, Autobahnen, Aufzüge, große Plätze, manchmal das Alleinsein zu Hause.

Das ist nicht Angst vor dem Ort. Es ist Angst vor der Attacke an diesem Ort, und vor allem vor der Vorstellung, dort ausgeliefert zu sein. Deshalb hilft es auch nicht, sich zu sagen, dass in einem Supermarkt nichts passieren kann. Das wissen Sie. Das Alarmsystem weiß es nicht.

Teil 2: Abgrenzung, damit nichts übersehen wird

Dieser Teil steht bewusst vor der Behandlung. Eine psychosomatische Einordnung ist nur dann hilfreich, wenn sie zutrifft. Trifft sie nicht zu, ist sie der Grund, warum jemand jahrelang die falsche Behandlung bekommt. Bei Panikattacken ist diese Gefahr besonders groß, weil die Diagnose oft nach dem ersten unauffälligen EKG gestellt und danach nie wieder überprüft wird.

Was abgeklärt sein sollte

  • Schilddrüsenwerte einschließlich TSH. Eine Überfunktion erzeugt exakt das Bild aus Herzrasen, innerer Unruhe, Schlafstörung und Schwitzen
  • Blutbild und Ferritin. Ein ausgeprägter Eisenmangel verursacht Herzklopfen, Luftnot und Erschöpfung
  • Blutzucker. Unterzuckerungen können Attacken auslösen, besonders bei langen Essenspausen
  • EKG, bei anfallsartigem Herzrasen ein Langzeit-EKG oder ein Ereignisrekorder
  • Blutdruck, bei Verdacht als Langzeitmessung
  • Elektrolyte, Nierenwerte, Entzündungswerte
  • Medikamentenanamnese: Schilddrüsenpräparate, Asthmasprays, abschwellende Nasentropfen, Kortison, Stimulanzien, manche Antidepressiva, Nahrungsergänzungsmittel
  • Konsum von Koffein, Nikotin, Alkohol, Energydrinks, Cannabis und anderen Substanzen, einschließlich Entzugsphasen

Warnzeichen: wann Sie weiter ärztlich abklären lassen sollten

  • Das Herzrasen beginnt und endet schlagartig wie ein Schalter, nicht ansteigend und langsam abklingend
  • Der Puls liegt während der Episoden deutlich über 150 und ist dabei absolut regelmäßig oder völlig unregelmäßig
  • Sie werden während der Episoden tatsächlich bewusstlos. Das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden, gehört zur Panikattacke, die tatsächliche Ohnmacht nicht
  • Die Episoden treten unter körperlicher Belastung auf und nicht in Ruhe
  • Brustschmerz, der bei Belastung zunimmt und in Ruhe nachlässt
  • Es gibt begleitende neurologische Zeichen: Sprachstörungen, einseitige Schwäche, Sehausfälle, Erinnerungslücken für die Episode
  • Die Episoden beginnen immer mit demselben eigentümlichen Vorgefühl, etwa einem aufsteigenden Gefühl aus dem Bauch, einem Geruch oder einem Déjà-vu
  • Die Attacken haben sich in kurzer Zeit deutlich verändert oder verstärkt
  • Sie beginnen erstmals nach dem 45. Lebensjahr ohne erkennbaren Zusammenhang

Die beiden Punkte zu Erinnerungslücken und Vorgefühl sind wichtig, weil bestimmte Anfallsformen aus dem Schläfenlappen einer Panikattacke zum Verwechseln ähneln und neurologisch abzuklären sind.

Die neun am häufigsten übersehenen körperlichen Ursachen

1. Schilddrüsenüberfunktion

Auch eine leichte, subklinische Überfunktion mit noch normalen Hormonwerten kann Herzrasen, Unruhe, Schlafstörungen und Schwitzen verursachen. Ein einmal vor Jahren bestimmter Wert ist keine aktuelle Aussage. Bei Hashimoto kommen beide Richtungen vor.

2. Anfallsartige Herzrhythmusstörungen

Supraventrikuläre Tachykardien und anfallsartiges Vorhofflimmern fühlen sich exakt wie eine Panikattacke an und werden von einem einzelnen unauffälligen 24-Stunden-EKG regelmäßig verpasst. Wer seit Jahren wegen Panikattacken behandelt wird und dabei nie besser geworden ist, sollte an diese Möglichkeit denken. Beides ist kardiologisch gut behandelbar.

3. Eisenmangel

Wird häufig übersehen, weil im Blutbild nur der Hämoglobinwert betrachtet und das Ferritin nicht bestimmt wird. Betroffen sind vor allem Frauen mit starker Regelblutung und Menschen mit vegetarischer oder veganer Ernährung.

4. Unterzuckerung

Lange Essenspausen, kohlenhydratlastige Mahlzeiten mit anschließendem Abfall, Diäten. Die Symptome sind Zittern, Herzklopfen, Schwitzen, Konzentrationsstörungen und ein Gefühl von Panik. Wer Attacken typischerweise am späten Vormittag oder spätnachmittags bekommt, sollte das prüfen.

5. Schlafbezogene Atmungsstörungen

Bei einer obstruktiven Schlafapnoe kommt es nachts wiederholt zu Atemaussetzern, jeweils mit Sauerstoffabfall und Aktivierung des Nervensystems. Das Aufwachen mit Herzrasen und Luftnot ist dann keine nächtliche Panikattacke, sondern deren Nachahmung. Wer schnarcht, morgens unerholt aufwacht und tagsüber müde ist, gehört zur Polygraphie. Das gilt auch für schlanke Menschen.

6. Posturales Tachykardiesyndrom (POTS)

Eine Störung der Kreislaufregulation, bei der der Puls beim Aufstehen übermäßig ansteigt, ohne dass der Blutdruck abfällt. Herzrasen, Benommenheit, Konzentrationsstörungen, der Zwang sich hinzusetzen. Betroffen sind vor allem jüngere Frauen, häufig nach einer Virusinfektion. POTS wird regelmäßig als Angststörung fehlgedeutet. Ein orientierender Selbsttest ist der Schellong-Test, die Einordnung gehört in ärztliche Hand.

7. Hormonelle Umstellung

In der Perimenopause berichtet ein großer Teil der Frauen über Herzklopfen, innere Unruhe, Schlafstörungen und Attacken, oft zusammen mit Hitzewallungen. Der schwankende Östrogenspiegel macht das vegetative Nervensystem reizbarer. Auch nach der Geburt und bei ausgeprägtem prämenstruellem Syndrom treten gehäuft Attacken auf.

8. Substanzen, Medikamente und Entzug

Koffein in allen Formen, Energydrinks, Nikotin, Cannabis, Stimulanzien. Besonders unterschätzt ist Alkohol: Er wirkt kurzfristig dämpfend und erzeugt in der zweiten Nachthälfte und am Folgetag einen Rebound mit Unruhe, Herzklopfen und erhöhter Attackenneigung. Wer regelmäßig abends trinkt und morgens Attacken hat, hat hier den wahrscheinlichsten Zusammenhang. Auch das Absetzen von Benzodiazepinen und bestimmten Antidepressiva kann Attacken auslösen.

9. Störungen des Gleichgewichtsorgans

Schwindel ist ein Kernsymptom der Panikattacke und zugleich ein Leitsymptom von Erkrankungen des Innenohrs. Beide Richtungen kommen vor: Eine Gleichgewichtsstörung kann Panik auslösen, und eine Panikstörung kann sich vorwiegend als Schwindel äußern. Eine HNO-ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn Schwindel im Vordergrund steht.

Warum diese Liste kein Nebenschauplatz ist

Wer die Liste liest und sich in Punkt 5 oder 6 wiedererkennt, ruft nicht bei mir an, sondern beim Arzt. Das ist genau richtig so. Die Alternative wäre, jemanden über Monate psychotherapeutisch zu behandeln, dessen Attacken von einer unbehandelten Schlafapnoe oder einer Schilddrüsenfunktionsstörung herrühren. Das verzögert die richtige Behandlung und bestätigt dem Betroffenen, dass ihm nicht zu helfen ist.

Kurzer Selbsttest

Wenn Sie ärztlich abgeklärt sind, keines der Warnzeichen vorliegt und mehrere der folgenden Punkte zutreffen, sprechen mehrere Hinweise dafür, dass regulative und psychophysiologische Faktoren beteiligt sind und eine entsprechende Behandlung prüfenswert ist. Eine Diagnose ist das nicht.

  • Die Attacken erreichen nach wenigen Minuten ihren Höhepunkt und klingen danach ab.
  • Zwischen den Attacken fürchten Sie die nächste Attacke mehr als alles andere.
  • Sie achten mehrmals täglich auf Herzschlag, Atmung oder Schwindel.
  • Sie haben Situationen, Orte oder Tätigkeiten aufgegeben oder nur noch mit Vorkehrungen aufgesucht.
  • Sie führen etwas mit sich, das Sie beruhigt, und nehmen es selten oder nie.
  • Unter Ablenkung oder in Gesellschaft, die Sie vereinnahmt, sind die Beschwerden deutlich seltener.
  • Die Attacken kommen gehäuft in Ruhe, abends, am Wochenende oder im Urlaub.
  • Sie atmen flach in den oberen Brustkorb, seufzen häufig oder müssen gelegentlich bewusst tief durchatmen.
  • Die Beschwerden begannen in einer belastenden Lebensphase oder nachdem eine solche Phase vorbei war.
  • Sie gelten in Ihrem Umfeld als besonders belastbar.

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Teil 3: Wie sich das Beschwerdebild entwickelt

Die vier Phasen

Phase 1: Die erste Attacke

Ein einzelnes, meist heftiges Ereignis. Es folgt der erste Arzt- oder Notaufnahmebesuch mit unauffälligem Befund. Die Erleichterung hält einige Wochen. In dieser Phase ist die Weiche gestellt, aber noch nichts entschieden.

Phase 2: Die Erwartungsangst

Die Attacken kehren zurück. Damit beginnt die eigentliche Erkrankung: die Angst vor der Angst. Der Körper wird beobachtet, die ersten Suchbegriffe werden eingegeben, die Wahrnehmungsschwelle sinkt. Plötzlich sind Körperempfindungen spürbar, die vorher nie aufgefallen sind.

Phase 3: Die Vermeidung

Nach und nach werden Situationen gestrichen. Zuerst Kaffee und Alkohol, dann Sport, dann Reisen, dann Kino, Bahn, Autobahn, größere Entfernungen, manchmal das Alleinsein. Jede Streichung reduziert die Angst kurzfristig und schränkt das Leben dauerhaft ein. An diesem Punkt wird aus einem Symptom ein Krankheitsbild, und an diesem Punkt denken die meisten zum ersten Mal an Behandlung, meistens weil die Einschränkung inzwischen größer ist als die Angst.

Phase 4: Die Erschöpfung

Nach Jahren stellt sich eine Zermürbung ein. Die Betroffenen sind müde, gereizt, niedergeschlagen und zweifeln an sich selbst. Der Radius ist eng geworden, der Beruf leidet, Beziehungen leiden. Nicht selten kommt eine depressive Entwicklung hinzu. Diese Phase ist behandelbar wie die anderen, sie dauert nur länger, weil zusätzlich das wiederherzustellen ist, was verloren gegangen ist.

Drei typische Verläufe

Die erste Attacke im Urlaub

Eine Frau Anfang dreißig, anspruchsvoller Job, seit Monaten ein Projekt unter hohem Druck. Die erste Attacke kommt am zweiten Urlaubstag am Strand. Ihre eigene Schlussfolgerung: Mit mir stimmt etwas nicht, denn es ging mir doch gerade gut. Tatsächlich ist genau das die Bestätigung des Musters. Solange die Anspannung gebraucht wurde, hielt sie. Als zum ersten Mal seit Monaten Sicherheit da war, kam, was gehalten worden war.

Der Fehlbehandelte

Ein Mann Anfang dreißig, seit der Jugend anfallsartiges Herzrasen, das schlagartig beginnt und schlagartig endet, mit einem Puls um 180. Seit Jahren als Panikstörung behandelt, zwei Psychotherapien, ein Antidepressivum, keine nennenswerte Besserung. Die Schilderung passt nicht zu einer Panikattacke, sondern zu einer supraventrikulären Tachykardie. Meine Aufgabe ist hier, das zu benennen und zur elektrophysiologischen Abklärung zu schicken. Die Angst, die sich in Jahren aufgebaut hat, ist real und behandlungsbedürftig, aber sie ist die Folge und nicht die Ursache.

Die, bei der niemand nachgefragt hat

Eine Frau Ende vierzig, seit einem Jahr Attacken, überwiegend nachts und am frühen Morgen, dazu Schlafstörungen und Hitzewallungen. Zwei Ärzte haben Stress genannt, ohne weiter nachzufragen. Hier sind mehrere Dinge gleichzeitig wahr: die hormonelle Umstellung, eine Schlafsituation, die seit Monaten nicht erholsam ist, ein regelmäßiger Wein am Abend und eine familiäre Belastung durch die Pflege der Mutter, die sie für selbstverständlich hält und deshalb nie erwähnt hat. Der erste Schritt ist hier nicht die Hypnose, sondern die Vervollständigung der Abklärung.

Wenn Sie sich in einem dieser Verläufe wiedererkennen, ist das Erstgespräch der richtige nächste Schritt: 089/23068977 oder über die Kontaktfunktion.

Was Angehörige erleben

Angehörige geraten bei diesem Beschwerdebild regelmäßig in eine unmögliche Lage. Sie erleben jemanden, der nachts in die Notaufnahme fährt und gesund zurückkommt. Beim ersten Mal erschrecken sie. Beim fünften Mal reagieren sie genervt, und das merkt der Betroffene sofort. Sie werden um Beruhigung gebeten, geben sie, merken, dass sie nichts nützt, und geraten zwischen Mitgefühl und Ungeduld.

  • Wiederholte Beruhigung nützt nichts und schadet langfristig. Der Satz „Es ist doch nichts" wirkt für Minuten und verstärkt das Muster. Hilfreicher ist Anwesenheit ohne Kommentar.
  • Nicht die Vorkehrungen übernehmen. Wer für den Betroffenen den Sitzplatz auswählt, die Tablette einsteckt oder ihn überallhin begleitet, wird Teil des Systems, das die Störung aufrechterhält. Das heißt nicht, ihn allein zu lassen, sondern ihn nicht darin zu bestätigen, dass es ohne diese Vorkehrungen nicht ginge.
  • Die Beschwerden nicht anzweifeln. Der Satz „Du bildest dir das ein" trifft den wundesten Punkt und ist sachlich falsch. Die Reaktion ist real, nur ohne Anlass.
  • Und einer für Sie selbst: Diese Situation zehrt auch an Ihnen. Das anzuerkennen ist keine Illoyalität.

Teil 4: Was Sie selbst tun können

Während einer Attacke

Vorausgesetzt, Sie sind abgeklärt und es liegt keines der Warnzeichen aus Teil 2 vor.

  1. Nicht kämpfen. Der Versuch, die Attacke zu stoppen, ist selbst eine Alarmreaktion und verlängert sie. Die Haltung, die hilft, ist nicht Entspannung, sondern Zulassen: Es ist unangenehm, es geht vorbei, ich muss nichts dagegen tun.
  2. Länger ausatmen als einatmen. Etwa vier Sekunden ein, sechs bis acht Sekunden aus, ohne Anstrengung. Der häufigste Fehler ist, bewusst tief einzuatmen, weil das die Überatmung verstärkt. Es geht um das Ausatmen, nicht um das Einatmen.
  3. Bleiben, wo Sie sind. Wenn Sie den Ort verlassen, lernt Ihr System, dass es dadurch gut ausgegangen ist. Wenn es Ihnen möglich ist, bleiben Sie, bis die Welle abgeebbt ist, und gehen dann.
  4. Nicht messen. Kein Puls, keine Uhr, kein Blutdruckgerät. Der Wert verändert nichts und macht die Aufmerksamkeit auf dem Körper fest.
  5. Die Umgebung benennen. Nicht als Trick, sondern weil es die verengte Aufmerksamkeit wieder öffnet: was Sie sehen, was Sie hören, worauf Ihre Füße stehen.
  6. Sich innerlich auf das beziehen, was Sie bereits wissen: Wenn es das Ihnen bekannte, abgeklärte Muster ist, kennen Sie diese Episode. Sie wissen aus den bisherigen Verläufen, dass sie wieder abklingt.

Zur verbreiteten Empfehlung, in eine Papiertüte zu atmen: Davon rate ich ab. Sie wirkt bei reiner Überatmung, kann aber gefährlich werden, wenn den Beschwerden doch etwas anderes zugrunde liegt. Die verlängerte Ausatmung erreicht dasselbe ohne dieses Risiko.

Im Alltag

Atmung

Zwei Mal täglich fünf bis zehn Minuten langsame Atmung mit verlängerter Ausatmung, etwa sechs Atemzüge pro Minute. Wichtig ist die Regelmäßigkeit, nicht die Dauer, und der Verzicht auf Anstrengung. Das senkt über Wochen die Grundschwelle und ist die wirksamste Maßnahme, die Sie allein umsetzen können.

Bewegung

Regelmäßige Ausdauerbelastung ist eine der wirksamsten Maßnahmen bei Angststörungen und zugleich das erste, was gestrichen wird, weil das Herzklopfen unter Belastung an die Attacke erinnert. Genau darin liegt der Wert: Sie machen die Erfahrung, dass ein rasendes Herz nicht gefährlich ist. Voraussetzung ist die ärztliche Freigabe.

Schlaf

Feste Zeiten, kein Alkohol am Abend, kein spätes großes Essen. Schlafmangel senkt die Schwelle für Attacken am Folgetag zuverlässig.

Substanzen

Koffein und Alkohol probeweise für drei bis vier Wochen konsequent weglassen und beobachten, statt beides in Schüben zu reduzieren. Bei Alkohol den Zusammenhang mit der folgenden Nacht und dem Folgetag beachten.

Was Sie nicht zusätzlich tun sollten

Keine neuen Messgeräte, keine Tracking-Apps, keine Symptomtagebücher mit Häufigkeitszählung. Das Beobachten ist Teil des Problems, und jedes neue Werkzeug gibt ihm eine neue Beschäftigung. Wenn Sie etwas festhalten wollen, dann Situationen und Umstände, nicht Zahlen.

Was Sie beim nächsten Arztbesuch sagen sollten

  • Wie die Episode beginnt und endet: ansteigend und langsam abklingend oder schlagartig wie ein Schalter. Das ist die wichtigste einzelne Information.
  • Ob Sie währenddessen den Puls gefühlt haben und ob er regelmäßig war.
  • Zu welcher Tageszeit und in welcher Situation die Attacken auftreten, insbesondere ob in Ruhe oder unter Belastung.
  • Ob Sie schnarchen, morgens unerholt aufwachen oder tagsüber müde sind.
  • Ob Ihnen beim Aufstehen schwindlig wird oder das Herz rast.
  • Ob es Erinnerungslücken für die Episode gibt oder ein gleichbleibendes eigentümliches Vorgefühl.
  • Alle Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und Sprays, auch die, die Sie für harmlos halten.
  • Wie viel Alkohol tatsächlich, nicht gerundet.

Und ein Hinweis, der unfair klingt und trotzdem stimmt: Wer im Untersuchungszimmer damit beginnt, er habe wohl Panikattacken, bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit keine vollständige Abklärung mehr. Schildern Sie zuerst die Beobachtung, dann erst Ihre Einordnung.

Was nicht hilft und warum

Wiederholte Rückversicherung

Der zwölfte unauffällige Befund wirkt kürzer als der elfte. Die Beruhigung nutzt sich ab, und die Suche danach verstärkt das Muster.

Vermeidung und Schonung

Der naheliegendste Weg und der schädlichste. Jede vermiedene Situation macht die nächste schwerer, und die körperliche Dekonditionierung verstärkt genau die Symptome, vor denen man sich schützen wollte.

Beruhigungsmittel aus der Benzodiazepin-Gruppe als Dauerlösung

Sie wirken schnell und zuverlässig, und genau darin liegt das Problem. Sie bestätigen dem System, dass die Attacke ohne Hilfsmittel nicht zu überstehen gewesen wäre, sie bergen ein Abhängigkeitsrisiko, und das Absetzen kann selbst Attacken auslösen. Über Verordnung, Dosierung und Absetzen entscheidet ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Setzen Sie nie eigenmächtig ab.

Reine Aufklärung

Zu verstehen, was passiert, ist notwendig und allein nicht ausreichend. Fast alle meine Patienten wissen bei Behandlungsbeginn sehr genau, dass eine Panikattacke ungefährlich ist. Sie wissen es und erleben trotzdem das Gegenteil.

Reine Entspannungsverfahren

Autogenes Training und progressive Muskelentspannung sind wirksame Verfahren und für viele Menschen hilfreich. Bei einem Teil der Betroffenen reichen sie allein nicht aus. Und bei manchen mit stark ausgeprägter Körperbeobachtung lösen sie Attacken aus, weil die nach innen gerichtete Aufmerksamkeit genau das trainiert, was ohnehin zu stark ist. Wenn Sie dazugehören, ist das kein Zeichen dafür, dass Sie es falsch machen.

Wenn Sie das meiste davon bereits versucht haben: Genau an diesem Punkt beginnt die Behandlung. Terminvereinbarung unter 089/23068977.

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Teil 5: Die Behandlung

Ein Satz vorweg, den Sie auf Anbieterseiten selten lesen: Für die Panikstörung ist die kognitive Verhaltenstherapie das am besten untersuchte Verfahren. Wenn Sie einen Kassenplatz bekommen und dieser Weg für Sie passt, ist er eine gute Wahl. Mein Ansatz ist ein anderer und richtet sich an Menschen, bei denen dieser Weg nicht gegriffen hat, denen die Wartezeit zu lang ist oder die ihn ergänzen wollen.

Aus dem bisher Beschriebenen ergibt sich die Aufgabe. Es geht darum, die gehaltene Aktivierung zu Ende zu bringen, dem Atem seinen Spielraum zurückzugeben und die Vorkehrungen abzubauen, die das System oben halten. Dafür setze ich zwei Behandlungsmethoden ein: die aufdeckende Hypnose und die Körperpsychotherapie einschließlich der Atemtherapie. Dazu kommen Gespräche, die nicht eine dritte Methode sind, sondern eine klar umrissene Aufgabe haben.

Erste Methode: Aufdeckende Hypnose

Die aufdeckende Hypnose, auch auflösende Hypnose oder Hypnoanalyse genannt, setzt an dem Punkt an, an dem die Aktivierung nicht zu Ende geführt werden konnte. Sie sucht nicht Entspannung, sondern den Zugang zu der Situation, in der die Reaktion liegen geblieben ist, und bringt sie dort zu Ende. Fachlich heißt das Abreagieren: Es werden emotional belastende Erfahrungen und Reaktionsmuster bearbeitet, die bislang nicht ausreichend verarbeitet wurden.

Aufdeckend und zudeckend: der entscheidende Unterschied

Die zudeckende Hypnose arbeitet symptomorientiert mit Suggestionen. Dem Patienten wird in Trance gesagt, er sei ruhig und sicher. Das kann wirksam sein, und für manche Menschen und manche Situationen ist es das Mittel der Wahl. Es setzt an der Symptomebene an und nicht an dem, was zu der anhaltenden Aktivierung beiträgt.

Mein Schwerpunkt liegt auf der aufdeckenden Arbeit. Typische Werkzeuge sind die direkte Regression, mit der ein Patient in das ursprüngliche Erleben zurückgeführt wird, das Abreagieren der dort nicht verarbeiteten Emotionen und die Arbeit mit dem inneren Kind, bei der die damalige Situation das bekommt, was ihr gefehlt hat.

Ich beschreibe das so ausführlich, damit Sie wissen, worauf Sie sich einlassen, und nicht, um ein Verfahren gegen ein anderes auszuspielen. Dass die aufdeckende Variante der suggestiven bei Panikstörungen überlegen wäre, ist nicht belegt, und ich behaupte es nicht. Was ich sagen kann, ist, womit ich arbeite und warum.

Und ich sage offen, wie sich das anfühlt. Wenn eine gehaltene Aktivierung im Erleben ankommt, steigt kurzfristig die Anspannung. Bei Menschen, deren ganzes Problem die Angst vor genau diesem Zustand ist, ist das kein Nebenaspekt. Deshalb erkläre ich vorher jeden Schritt, arbeite dosiert und sorge dafür, dass Sie in jedem Moment wissen, was gerade geschieht. Was danach eintritt, ist regelmäßig das Gegenteil.

Zweite Methode: Körperpsychotherapie und Atemtherapie

Die zweite Methode setzt direkt an der Atmung und an der Muskelspannung an. Bei Panikattacken sind die Beugemuskeln und das Zwerchfell fast immer dauerhaft angespannt. Die meisten Betroffenen atmen hektisch und hoch, statt langsam auszuatmen und erst nach einer kleinen Pause wieder einzuatmen.

Der erste Schritt ist einfach und für die meisten trotzdem neu: Ich lasse den Patienten zeigen, wo das Druck- oder Engegefühl im Körper am stärksten ist. Betroffen sind meist die an den unteren Rippen ansetzende Atemmuskulatur, die tiefen Zwerchfellschenkel am unteren Rücken und Teile der Brustmuskulatur.

Warum Sie nicht einfach anders atmen können

An dieser Stelle kommt bei fast jedem Patienten derselbe Einwand: Wenn es an der Atmung liegt, warum atme ich dann nicht einfach anders. Thomas Hanna hat für das, was hier geschieht, den Begriff der sensomotorischen Amnesie geprägt. Er stammt aus seinem Ansatz und ist keine neurologische Diagnose, beschreibt aber gut, was sich in der Arbeit zeigt: Muskeln, die über lange Zeit unbewusst angespannt gehalten werden, verschwinden aus der Wahrnehmung. Was Sie im Wachzustand nicht spüren, können Sie auch nicht willentlich entspannen.

In der integrativen Atemtherapie erforsche ich gemeinsam mit dem Patienten durch sanfte Berührungen und kleine, achtsame Bewegungen, welche Muskeln die Atmung blockieren. Erst kommt die Wahrnehmung zurück, dann die Kontrolle. Ergänzend arbeite ich mit sensomotorischen Methoden an der Muskelspannung selbst und am Körperbewusstsein.

Die beiden Verfahren sind dabei keine zwei Zuständigkeiten, sondern zwei Zugänge zu derselben Sache. Ein Atemmuster lässt sich auch in der Hypnose umlernen, weil es nicht bewusst gesteuert wird. Welcher Zugang im Vordergrund steht, entscheidet sich am Patienten.

Dazu: Gespräche, die helfen, Gewohnheiten zu verändern

Wenn die gehaltene Aktivierung aufgelöst und die Atmung wieder frei ist, ist die Ursache behandelt. Was dann noch übrig bleibt, sind die Gewohnheiten der Jahre davor, und die verschwinden nicht mit der Ursache. Die Tablette bleibt in der Tasche, der Blick sucht weiter den Ausgang, die Bahnfahrt wird weiter gemieden. Solange das so bleibt, hält es einen Teil der Aufmerksamkeit auf dem Körper fest.

Die Gespräche haben deshalb drei Aufgaben. Erstens das Verstehen des Vorgangs, und zwar so gut, dass Sie ihn im Moment des Auftretens erkennen. Zweitens das Auflösen der Vorkehrungen, nicht durch Verbote, sondern indem wir uns anschauen, was jede einzelne leisten soll und was sie tatsächlich bewirkt. Drittens die Rückgewinnung dessen, was Sie eingeschränkt haben, in kleinen vorher besprochenen Schritten und nicht nach Tagesform.

Hilfe zur Selbsthilfe

Ein Teil meines Vorgehens besteht immer darin, Ihnen Mittel in die Hand zu geben, mit denen Sie sich künftig selbst helfen können. Bei Panikattacken ist das kein Zusatz, sondern ein tragender Teil des Ergebnisses: Wer weiß, dass er selbst etwas tun kann, verliert einen erheblichen Teil der Erwartungsangst, und die Erwartungsangst ist der Motor der Störung.

Zwei Dinge lernen meine Patienten in der Regel: die Selbsthypnose, mit der sich der vegetative Zustand willentlich verändern lässt, und die körperpsychotherapeutische Selbstbehandlung der Atemmuskulatur. Beides setzt voraus, dass die Wahrnehmung für diese Muskeln vorher zurückgewonnen wurde. Eine Übung, die an Muskeln vorbeigeht, die Sie nicht spüren, bleibt wirkungslos.

Ablauf, Dauer und Grenzen

Ablauf

  1. Erstgespräch. Wir gehen Ihre Attacken, die vorliegenden Befunde und die Lebenssituation durch, in der sie begonnen haben. Dabei schaue ich ausdrücklich auf das, was noch nicht abgeklärt ist.
  2. Körperliche Bestandsaufnahme. Ich sehe mir Ihre Atmung, Ihre Haltung und Ihre Muskelspannung an. Für die meisten Patienten ist das der Moment, in dem sie zum ersten Mal sehen, dass ihre Attacken eine körperliche Entsprechung haben, die man anfassen kann.
  3. Einordnung. Sie bekommen ein Modell davon, wie Ihre Attacken entstehen, nicht allgemein, sondern an Ihrem Fall.
  4. Arbeit an der Ursache mit den beiden Verfahren.
  5. Nacharbeit im Gespräch: Auflösen der Vorkehrungen, Rückgewinnung des Radius.
  6. Selbsthilfe: Selbsthypnose und Selbstbehandlung der Atemmuskulatur.

Dauer

Die Auflösung der gehaltenen Aktivierung geht häufig deutlich schneller, als Betroffene erwarten. Der Abbau der über Jahre eingeübten Vorkehrungen braucht erfahrungsgemäß länger. Wie lange, hängt davon ab, in welcher der vier Phasen Sie sich befinden und wie weit die Vermeidung fortgeschritten ist. Ich sage nach dem Erstgespräch, wie ich das in Ihrem Fall einschätze.

Grenzen des Verfahrens

Ich halte es für ein Qualitätsmerkmal, das zu benennen.

  • Die Abklärung ist unvollständig oder eines der Warnzeichen aus Teil 2 liegt vor. Dann gehört das zuerst geklärt.
  • Es besteht eine behandlungsbedürftige körperliche Ursache. Diese gehört zuerst behandelt. Danach kann sich zeigen, dass ohnehin nichts mehr übrig ist.
  • Es liegt eine schwere depressive Episode, eine akute Suchterkrankung oder eine Erkrankung vor, die eine ärztliche oder Richtlinienbehandlung erfordert. Dann ist das der vorrangige Weg, und ich sage das im Erstgespräch.
  • Sie suchen ausdrücklich eine kassenfinanzierte Behandlung. Als Heilpraktiker für Psychotherapie rechne ich privat ab. Gesetzliche Kassen übernehmen das nicht, private und Beihilfestellen je nach Tarif unterschiedlich.

Und noch einmal der Punkt vom Anfang dieses Teils: Wenn ein Kassenplatz für eine Verhaltenstherapie erreichbar ist und dieser Weg für Sie passt, ist er eine sehr gute Wahl, und ich sage Ihnen das auch so.

Terminvereinbarung unter 089/23068977 oder über die Kontaktfunktion. Hilfreich für den ersten Kontakt sind drei Angaben: seit wann die Attacken auftreten, welche Untersuchungen bereits stattgefunden haben und was Sie inzwischen meiden.

Anrufen: 089/23068977 Kontaktformular

Teil 6: Fragen, Glossar, Kontakt

Häufige Fragen

Kann ich an einer Panikattacke sterben?

Nein. Eine Panikattacke ist eine Alarmreaktion, keine Erkrankung des Herzens oder der Lunge. Sie ist extrem unangenehm und ungefährlich. Das setzt voraus, dass die körperlichen Ursachen abgeklärt sind, die sich genauso anfühlen können, und genau darum geht es in Teil 2.

Kann ich dabei ohnmächtig werden?

Das Gefühl gehört fast immer dazu, die tatsächliche Ohnmacht so gut wie nie. Bei einer Panikattacke steigt der Blutdruck, und Ohnmacht entsteht, wenn er fällt. Wenn Sie tatsächlich bewusstlos werden, gehört das ärztlich abgeklärt, denn dann ist es vermutlich etwas anderes.

Kann ich dabei verrückt werden oder die Kontrolle verlieren?

Nein. Das Gefühl von Unwirklichkeit, das viele erschreckt, ist eine Folge der veränderten Atmung und der hohen Aktivierung. Es ist eine der am zuverlässigsten reversiblen Erscheinungen des ganzen Bildes.

Wie lange dauert eine Panikattacke?

Der Höhepunkt ist meist nach wenigen Minuten erreicht, danach klingt sie ab. Was sich über eine Stunde hinzieht, ist in der Regel eine Attacke plus eine anschließende Phase hoher Anspannung.

Warum kommen die Attacken, wenn nichts los ist?

Weil in Ruhe die vegetative Umstellung stattfindet und weil dann die Aufmerksamkeit frei ist. Und weil gehaltene Aktivierung eher zurückkehrt, wenn genug Sicherheit da ist, nicht wenn der Druck am größten ist.

Warum ausgerechnet im Urlaub?

Aus demselben Grund. Der Urlaub ist nicht die Ursache, sondern die erste Gelegenheit.

Ich habe doch gar keinen Stress. Wie kann es dann psychisch sein?

Diese Frage kommt fast immer und sie ist berechtigt. Es geht nicht um den Stress, den Sie heute bewusst erleben. Menschen, die sich für belastbar halten und die funktionieren, sind hier eher über- als unterrepräsentiert, weil gerade sie es gut können.

Heißt das, es ist alles nur psychisch?

Nein, das Gegenteil. Die veränderte Atemmechanik, die Verschiebung des Kohlendioxidgehalts, die Muskelspannung und die Adrenalinausschüttung sind körperlich und messbar. Sie haben nur eine andere Ursache als die, nach der gesucht wurde.

Bedeutet eine Panikattacke, dass ich ein Trauma habe?

Nein. Aus einem Symptom lässt sich keine Ursache ableiten. Bei einem Teil der Betroffenen führt die Spur weiter zurück, bei einem anderen Teil nicht. Das klärt sich im Verlauf.

Sind nächtliche Attacken gefährlicher?

Nein, sie sind nur erschreckender, weil jede Erklärung über Gedanken ausfällt. Wichtig ist die Abgrenzung gegen eine schlafbezogene Atmungsstörung.

Ich nehme ein Antidepressivum. Kann ich trotzdem kommen?

Ja. Über Verordnung, Dosierung und Absetzen entscheidet ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Setzen Sie nie eigenmächtig ab, gerade bei diesen Präparaten kann das selbst Attacken auslösen.

Hilft Sport, oder ist er gefährlich?

Nach ärztlicher Freigabe hilft er, und zwar erheblich. Der schnelle Puls unter Belastung ist dabei kein Nebeneffekt, sondern ein Teil der Wirkung: Sie machen die Erfahrung, dass ein rasendes Herz ungefährlich ist.

Was ist mit Koffein?

Bei einem Teil der Betroffenen ein klarer Auslöser, bei anderen weniger als vermutet. Ein sauberer Test ist konsequentes Weglassen über drei bis vier Wochen. Alkohol ist in der Praxis der häufigere Auslöser, wirkt aber zeitversetzt.

Ist das dieselbe Hypnose, die man aus dem Fernsehen kennt?

Nein. Was dort gezeigt wird, ist Showhypnose. Und auch die verbreitete Suggestionshypnose ist nicht das, womit ich arbeite. Sie sind durchgehend ansprechbar und erinnern sich hinterher an alles.

Muss ich über meine Kindheit sprechen?

Nicht zwingend, und vor allem nicht am Anfang. Die Arbeit beginnt bei dem, was heute im Körper passiert. Wohin sie führt, entscheidet sich im Verlauf und nicht vorab.

Was ist, wenn während der Behandlung doch etwas Körperliches auffällt?

Dann schicke ich Sie zum Arzt. Ich behandle keine akuten Beschwerden und ersetze keine ärztliche Betreuung.

Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung?

Als Heilpraktiker für Psychotherapie rechne ich privat ab. Gesetzliche Kassen übernehmen das nicht. Private Kassen und Beihilfestellen erstatten je nach Tarif unterschiedlich.

Glossar

  • Agoraphobie: Angst vor Situationen, aus denen ein Entkommen schwierig oder peinlich wäre. Entsteht bei Panikstörungen meist als Folge der Vermeidung.
  • Erwartungsangst: die Angst vor der nächsten Attacke zwischen den Attacken. Der eigentliche Motor der Störung.
  • Hypokapnie: zu niedriger Kohlendioxidgehalt im Blut, Folge von zu viel Atmung.
  • Interozeption: Wahrnehmung des eigenen Körperinneren.
  • Panikattacke: abrupter Anstieg intensiver Angst oder intensiven Unbehagens mit einer Reihe körperlicher Begleitsymptome, mit Höhepunkt nach wenigen Minuten.
  • Panikstörung: wiederkehrende Panikattacken zusammen mit anhaltender Sorge vor weiteren Attacken oder deutlicher Verhaltensänderung deswegen.
  • Sensomotorische Amnesie: Begriff von Thomas Hanna für den Verlust der bewussten Wahrnehmung und Steuerbarkeit dauerhaft angespannter Muskeln. Ein Modell aus der Körperarbeit, keine neurologische Diagnose.
  • Sicherheitsverhalten: Vorkehrungen, die eine Attacke verhindern sollen und die Störung aufrechterhalten.
  • Vegetatives Nervensystem: der nicht willentlich steuerbare Teil des Nervensystems, der Organe, Kreislauf und Stoffwechsel reguliert.

Über mich

Martin Rosenauer, Diplom-Psychologe (univ.), Heilpraktiker für Psychotherapie. Praxis in München. Über 5.000 klinische Sitzungen. Klinische Schwerpunkte sind Angst-, Panik- und Schlafstörungen sowie psychosomatische Beschwerdebilder. Methodischer Schwerpunkt ist die aufdeckende Hypnose, ein selten angebotenes Verfahren, mit dem ich auch Traumatisierungen behandle. Vier Jahre tätig am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in der Forschungsgruppe von Gerd Gigerenzer. Ich bilde außerdem andere Behandler aus.

Anmerkung und Literatur

Anmerkung

Lassen Sie Ihre Beschwerden immer klassisch medizinisch abklären. Akute Beschwerden gehören in die Hände der Schulmedizin. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Diagnose und keine ärztliche Behandlung und stellt kein Heilungsversprechen dar.

Literatur

  • Bandelow, B. et al. (2021): S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, 2. Auflage. AWMF-Registernummer 051-028.
  • Clark, D. M. (1986): A cognitive approach to panic. Behaviour Research and Therapy, 24, S. 461-470.
  • Meuret, A. E. & Ritz, T. (2010): Hyperventilation in panic disorder and asthma. Empirical evidence and clinical strategies. International Journal of Psychophysiology, 78, S. 68-79.
  • Sammito, S., Thielmann, B. & Böckelmann, I. (2024): Update: factors influencing heart rate variability. A narrative review. Frontiers in Physiology, 15:1430458.
  • Lehrer, P. M. & Gevirtz, R. (2014): Heart rate variability biofeedback. How and why does it work? Frontiers in Psychology, 5:756.
  • Sheldon, R., Grubb, B., Olshansky, B. et al. (2015): 2015 Heart Rhythm Society expert consensus statement on the diagnosis and treatment of postural tachycardia syndrome, inappropriate sinus tachycardia, and vasovagal syncope. Heart Rhythm, 12, S. e41-e63.
  • DKPM, DGPM, DEGAM et al. (2018): S3-Leitlinie Funktionelle Körperbeschwerden. AWMF-Registernummer 051-001.
  • Morschitzky, H. (2007): Somatoforme Störungen. Diagnostik, Konzepte und Therapie bei Körpersymptomen ohne Organbefund. Springer, Wien.

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