Sie sitzen zum wiederholten Mal in der Notaufnahme. Das EKG läuft, das Blut ist abgenommen, der Puls ist längst wieder normal. Nach zwei Stunden kommt jemand herein und sagt Ihnen dasselbe wie beim letzten Mal: Ihr Herz ist in Ordnung, es liegt nichts vor, Sie können nach Hause gehen. Vielleicht fällt noch das Wort Stress. Vielleicht schwingt die Andeutung mit, Sie hätten sich das eingebildet.
Sie fahren nach Hause und wissen genau zwei Dinge. Erstens: Sie haben es nicht eingebildet. Sie haben gespürt, wie das Herz gestolpert ist, wie es ausgesetzt hat, wie es ohne Anlass auf 140 hochgeschossen ist. Zweitens: Es wird wiederkommen, und Sie wissen nicht wann.
Zwischen diesen beiden Punkten leben inzwischen sehr viele Menschen. Sie tragen ein Langzeit-EKG mit sich herum, das genau an dem Tag nichts aufzeichnet, an dem nichts passiert. Sie legen abends beim Einschlafen die Hand auf die Brust. Sie meiden Sport, Kaffee, Alkohol, Aufregung, manche auch das Alleinsein. Sie haben eine Liste von Ärzten abgearbeitet, und jeder von ihnen hat gesagt, dass alles in Ordnung ist.
Sie kennen die Ausfahrt zur Klinik auswendig. Sie wissen, in welchem Stock die Kardiologie liegt und wie lange die Anmeldung braucht. Sie haben einen Ordner mit Befunden, der von Jahr zu Jahr dicker wird und in dem kein einziger Satz steht, der erklärt, warum Ihr Herz vorgestern Abend gestolpert ist. Zwölf unauffällige Befunde ergeben zusammen keine einzige Erklärung.
Sie haben sich das Beschreiben abgewöhnt und wieder angewöhnt. Im Wartezimmer legen Sie sich zurecht, wie Sie es diesmal sagen, damit es ernst genommen wird und trotzdem nicht übertrieben klingt. Das ist eine Falle ohne Ausgang: Sagen Sie es eindringlich, gelten Sie als ängstlich. Sagen Sie es sachlich, klingt es nach nichts. In beiden Fällen gehen Sie mit demselben Satz nach Hause.
Und Sie merken, wie sich der Ton verändert. Beim ersten Mal war da Sorge. Beim vierten Mal ist da Geduld. Irgendwann kommt der Punkt, an dem Sie sich fast dafür entschuldigen, wieder da zu sein. Sie bedanken sich für die Untersuchung, gehen hinaus und fühlen sich schlechter als vorher, ohne genau sagen zu können, warum.
Warum, lässt sich sagen: Sie waren nicht wegen einer weiteren Untersuchung dort. Sie waren wegen eines Satzes dort, der zu dem passt, was Sie spüren. Und den haben Sie wieder nicht bekommen.
Zwischen dem, was Ihr Körper meldet, und dem, was auf dem Papier steht, liegt ein Raum, in dem Sie ziemlich allein stehen. Angehörige fragen irgendwann nicht mehr nach. Kollegen wissen nichts davon. Und Sie selbst beginnen zu zweifeln, ob mit Ihnen etwas anderes nicht stimmt als das Herz.
Dieser Zustand ist weder ein Versagen der Medizin noch Ihre Einbildung. Er entsteht, weil auf eine Frage geantwortet wird, die Sie nicht gestellt haben. Die Ärzte beantworten die Frage nach der Gefahr, und sie beantworten sie zuverlässig. Ihre Frage lautet, warum Sie Ihr Herz spüren. Das ist eine andere Frage, und sie ist beantwortbar.
Dieser Text ist bewusst lang. Er ist für Menschen geschrieben, die zu diesem Thema bereits alles gelesen haben, was drei Absätze lang ist, und denen das nicht weitergeholfen hat. Er erklärt, was bei diesen Beschwerden tatsächlich verändert ist, warum es im EKG nicht sichtbar wird, welche körperlichen Ursachen regelmäßig übersehen werden, warum die Episoden ausgerechnet in Ruhe kommen, was in einer Episode hilft und was sie verlängert, und wie eine ursachenorientierte Behandlung aussieht.
Terminvereinbarung mit Diplom-Psychologe Martin Rosenauer: telefonisch unter 089/23068977 oder über die Kontaktfunktion.
Teil 1: Was tatsächlich verändert ist
Was „ohne Befund“ tatsächlich bedeutet
Kurz gesagt: „Ohne Befund“ heißt, dass die durchgeführten Untersuchungen keinen Hinweis auf die Erkrankung ergeben haben, nach der gesucht wurde. Es heißt nicht, dass nichts vorliegt, und es heißt vor allem nicht, dass Sie sich die Beschwerden einbilden. Untersucht wurde das Organ. Aus dem Gleichgewicht geraten kann seine Regulation sein, und die wird im Standardprogramm nicht untersucht.
Der Satz „Wir haben nichts gefunden“ wird fast immer falsch verstanden, weil er zwei sehr verschiedene Dinge heißen kann.
Gemeint ist: Die durchgeführte Diagnostik hat keinen Hinweis auf die Erkrankung ergeben, nach der gesucht wurde. Was damit ausgeschlossen ist, hängt davon ab, was tatsächlich untersucht wurde. Ein unauffälliges EKG, eine unauffällige Echokardiographie und ein unauffälliges Langzeit-EKG sprechen gegen eine strukturelle Herzerkrankung und gegen die dabei erfassten Rhythmusstörungen. Über die Herzkranzgefäße sagen sie nichts, wenn danach nicht eigens gesucht wurde. Mit einem unauffälligen Ergebnis ist aus kardiologischer Sicht die wichtigste Frage beantwortet, nämlich die nach der akuten Gefahr.
Verstanden wird dagegen: Es ist nichts da, also bilde ich mir das ein. Das ist die falsche Schlussfolgerung, und sie ist der Grund, warum so viele Betroffene in eine Endlosschleife geraten. Ein Extraschlag ist ein realer Extraschlag. Ein Herzrasen mit 130 Schlägen ist ein reales Herzrasen mit 130 Schlägen. Die Enge im Brustkorb ist eine reale Enge.
Untersucht wurde das Organ. Wenn dort nichts gefunden wurde, lohnt sich der Blick auf die Regulation, also auf das Zusammenspiel, das den Herzschlag von Moment zu Moment anpasst. Eine der Größen, die darauf Einblick geben kann, ist die Herzratenvariabilität. Im normalen Kardiologiebefund taucht sie nicht auf.
Das ist der Kern dieses Artikels: Nicht das Herz muss krank sein, damit Sie es spüren. Die Regulation kann aus dem Gleichgewicht sein, und daran lässt sich arbeiten.
Warum Sie trotzdem wieder hingehen
Von außen sieht das unvernünftig aus, und Ihnen selbst geht es genauso. Sie wissen, was herauskommen wird. Sie können die Sätze mitsprechen. Und Sie fahren trotzdem hin.
Das hat einen einfachen Grund. Ein unauffälliger Befund beantwortet die Frage, ob Sie in Gefahr sind. Er beantwortet nicht die Frage, was Sie da gespürt haben. Solange die zweite Frage offen bleibt, bleibt eine Lücke, und in eine Lücke wandert Angst. Also gehen Sie wieder hin, in der Hoffnung, dass diesmal jemand etwas findet, das die Lücke schließt. Nicht weil Sie krank sein wollen, sondern weil eine Erklärung erträglicher wäre als keine.
Hier entsteht der Vorwurf, den diese Patienten am häufigsten hören und der am tiefsten trifft: dass sie übertreiben. Dabei tun sie nur das, was jeder Mensch tut, wenn sein Körper Alarm schlägt und niemand den Alarm erklären kann. Sie suchen weiter. Die Wiederholung ist keine Schwäche, sie ist die einzige Handlung, die überhaupt zur Verfügung steht.
Der Preis steht auf einem anderen Blatt und wird selten benannt. Es sind Urlaubstage, die für Termine draufgehen. Es ist Geld, wenn Untersuchungen privat bezahlt werden. Es ist die Erschöpfung, jedes Mal wieder zu hoffen und jedes Mal mit demselben Satz herauszukommen. Und es ist das langsame Schrumpfen des eigenen Lebens: erst der Sport, dann die Reisen, dann die Abende allein, dann das Zutrauen in den eigenen Körper.
Was bis dahin fehlt, ist nichts Medizinisches. Es fehlt eine Erklärung, die erfasst, was Sie erlebt haben, ohne Sie zum Simulanten zu machen und ohne Ihnen eine Krankheit anzudichten, die Sie nicht haben. Dieser Artikel ist der Versuch, sie zu geben.
Die Begriffe, die Ihnen begegnen werden
Wer zu diesem Thema recherchiert, stößt auf ein Dutzend Bezeichnungen, die teils dasselbe meinen und teils Verschiedenes. Eine kurze Einordnung, weil Begriffsverwirrung bei diesem Beschwerdebild selbst ein Belastungsfaktor ist.
- Palpitationen: der Oberbegriff für das bewusste Spüren des eigenen Herzschlags, gleich ob als Stolpern, Klopfen, Flattern oder Rasen. Palpitationen sind ein Symptom, keine Diagnose.
- Extrasystolen: zusätzliche Herzschläge außerhalb des regulären Rhythmus. Supraventrikuläre Extrasystolen (SVES) entstehen in den Vorhöfen, ventrikuläre (VES) in den Herzkammern. Bei strukturell gesundem Herzen gelten vereinzelte Extrasystolen in aller Regel als gutartig. Entscheidend ist neben der Herzstruktur die Häufigkeit, die sogenannte Extrasystolenlast.
- Die typische Wahrnehmung ist übrigens nicht der Extraschlag selbst, sondern die Pause danach und der darauffolgende, kräftigere Schlag. Was Sie als Aussetzer spüren, ist der Moment, in dem sich die Kammer länger als sonst gefüllt hat.
- Tachykardie: ein beschleunigter Herzschlag über 100 Schläge pro Minute. Das ist eine Beschreibung, keine Ursache.
- Funktionelle Herzbeschwerden: Beschwerden ohne strukturelles Korrelat. Der neutralste und zutreffendste Begriff.
- Herzangst, Herzphobie, Kardiophobie: die auf das Herz bezogene Angst, die sich als Folge der Beschwerden entwickelt.
- Herzneurose, Da-Costa-Syndrom, Effort-Syndrom, neurozirkulatorische Asthenie: historische Bezeichnungen für dasselbe Beschwerdebild. Das Da-Costa-Syndrom wurde im 19. Jahrhundert an Soldaten beschrieben, die nach langer Anspannung Herzrasen, Brustschmerz und Erschöpfung entwickelten, ohne dass sich etwas finden ließ. Das ist keine Randnotiz, sondern ein Hinweis: Das Beschwerdebild ist seit über 150 Jahren bekannt und trat schon damals gehäuft nach langen Belastungsphasen auf.
- F45.30: die heutige Verschlüsselung als somatoforme autonome Funktionsstörung des kardiovaskulären Systems.
Ich verwende in diesem Text bewusst keinen dieser Diagnosebegriffe als Hauptbezeichnung. Sie ordnen ein, aber sie erklären nichts, und die meisten von ihnen tragen einen abwertenden Beiklang, den die Betroffenen sofort hören.
Die Herzratenvariabilität: die Größe, um die es geht
Ein gesundes Herz schlägt nicht gleichmäßig. An diesem Punkt scheitern die meisten Erklärungen, weil er dem Alltagsverständnis widerspricht. Wir stellen uns einen guten Herzschlag als regelmäßigen Takt vor, als Metronom. Tatsächlich ist ein gesundes Herz nicht vollkommen metronomisch.
Zwischen zwei aufeinanderfolgenden Herzschlägen liegen bei einem gesunden Menschen ständig unterschiedliche Abstände, im Bereich von Millisekunden. Das Herz beschleunigt beim Einatmen und verlangsamt beim Ausatmen. Es reagiert auf Lagewechsel, auf Temperatur, auf einen Gedanken, auf ein Geräusch im Nachbarzimmer, auf jede Anforderung, die gerade gestellt wird. Diese Schwankung heißt Herzratenvariabilität, kurz HRV.
Die HRV ist ein gut untersuchter Marker der kardialen autonomen Regulation. Sie zeigt, wie flexibel sich die Abstände zwischen den Herzschlägen verändern. Hohe Variabilität spricht dafür, dass das System anpassen kann: Es fährt hoch, wenn etwas ansteht, und wieder herunter, wenn es vorbei ist. Niedrige Variabilität kann dafür sprechen, dass diese Beweglichkeit eingeschränkt ist.
Ein diagnostischer Test ist sie nicht, und ich stelle damit auch keine Diagnose. Die HRV wird von Alter, Trainingszustand, Körperlage, Atemfrequenz, Medikamenten, Alkohol, Schlaf und Messdauer erheblich beeinflusst, und methodische Übersichtsarbeiten warnen ausdrücklich davor, einzelne Werte zu spezifisch zu deuten. Sie ist kein Beweis, sondern ein Fenster auf etwas, das im Standardbefund nicht vorkommt.
Worum es bei diesem Beschwerdebild geht, ist deshalb nicht ein bestimmter Messwert, sondern eine Fähigkeit: die des Organismus, nach einer Belastung wieder herunterzukommen. Diese Fähigkeit wird im kardiologischen Standardprogramm nicht untersucht, weil sie für die Gefahrenabschätzung nicht gebraucht wird.
Warum ein starres System leichter stolpert
Das hat eine unmittelbare Konsequenz für die Rhythmusereignisse selbst. Der Herzmuskel wird über zwei Nervensysteme gegenläufig reguliert. Der Sympathikus stellt Energie bereit, beschleunigt und erhöht die elektrische Erregbarkeit der Herzmuskelzelle. Der Parasympathikus, am Herzen vor allem über den Nervus vagus, bremst, verlangsamt und dämpft die Erregbarkeit.
In einem gut regulierten System arbeiten beide fein gegeneinander, Schlag für Schlag. Ist der Sympathikus über Monate dominant und die vagale Bremse schwach, steigt die Erregbarkeit des Herzmuskels dauerhaft an. Ein zusätzlicher Reiz, der in einem flexiblen System folgenlos verpufft, löst dann einen Extraschlag aus. Nicht weil das Herz krank wäre, sondern weil seine Reizschwelle abgesenkt ist.
Deshalb ist die Frage, die Sie seit Monaten beschäftigt, in gewisser Weise falsch gestellt. Sie lautet meistens: Was ist mit meinem Herzen los. Die produktive Frage lautet: Warum kommt mein System seit einer bestimmten Zeit nicht mehr herunter.
Extraschläge hat jeder
Kurz gesagt: Vereinzelte Extrasystolen sind bei strukturell gesundem Herzen in aller Regel gutartig und kommen bei sehr vielen beschwerdefreien Menschen vor. Entscheidend ist neben der Herzstruktur die Häufigkeit. Eine hohe Extrasystolenlast gehört im Langzeit-EKG beurteilt, weil sie auf Dauer auch ein zunächst unauffälliges Herz belasten kann.
Extrasystolen sind bei Herzgesunden ausgesprochen häufig. Legt man beliebigen beschwerdefreien Personen ein Langzeit-EKG an, findet man bei einem großen Teil von ihnen Extraschläge, von denen sie nie etwas bemerkt haben. Manche Menschen haben sehr viele davon und spüren keinen einzigen. Andere spüren jeden.
Eine Einschränkung gehört dazu, und sie ist keine Formalie: Bei sehr hoher Extrasystolenlast kann auch ein zunächst unauffälliges Herz auf Dauer Schaden nehmen, in Form einer durch die Extraschläge verursachten Herzmuskelschwäche. Deshalb gehört im Langzeit-EKG nicht nur festgestellt, dass Extrasystolen vorkommen, sondern wie viele. Diese Einschätzung trifft Ihre Kardiologin oder Ihr Kardiologe, und sie gehört zu dem, was vor einer psychotherapeutischen Behandlung geklärt sein muss.
Der Unterschied zwischen diesen Menschen und Ihnen liegt also oft nicht in der Zahl der Extraschläge, sondern darin, ob sie wahrgenommen und wie sie bewertet werden. Das ist keine Verharmlosung, sondern ein therapeutisch wichtiger Punkt: Es gibt hier zwei Stellschrauben. Die eine ist die Häufigkeit der Ereignisse, die über die Regulation tatsächlich beeinflussbar ist. Die andere ist die permanente innere Beobachtung des eigenen Herzens, die sich ebenfalls auflösen lässt.
Warum das nicht im Befund steht
Die HRV wird in der Sportmedizin, in der Diabetologie und in der Forschung regelmäßig erhoben. Im kardiologischen Standardprogramm ist sie nicht vorgesehen, und das ist aus kardiologischer Sicht auch richtig: Für die Frage, ob eine gefährliche Herzerkrankung vorliegt, trägt sie wenig bei. Für die Frage, warum Sie seit zwei Jahren Ihr Herz spüren, ist sie einer der wenigen verfügbaren Ansatzpunkte.
Das ist der Grund für die Lücke, in der Sie sich befinden. Sie sind nicht durch ein Raster gefallen, weil jemand geschlampt hätte. Sie sind durch ein Raster gefallen, weil das Raster für eine andere Frage gebaut wurde als für Ihre.
Zur Smartwatch
Viele Betroffene tragen inzwischen ein Gerät, das die HRV misst. Dazu vier Anmerkungen, die ich in der Praxis ständig wiederhole.
Erstens lassen sich die Absolutwerte verschiedener Menschen nicht sinnvoll vergleichen. Die Spanne zwischen völlig gesunden Personen ist enorm, sie hängt von Alter, Trainingszustand und Konstitution ab. Ein Wert, der bei einem 30-jährigen Ausdauersportler niedrig wäre, ist bei einem 55-Jährigen unauffällig. Aussagekräftig ist ausschließlich Ihr eigener Verlauf über Wochen.
Zweitens reagiert die Messung auf Alkohol am Vorabend, auf schlechten Schlaf, auf einen beginnenden Infekt oder auf einen harten Trainingstag mindestens so stark wie auf Ihre seelische Lage. Ein einzelner schlechter Wert bedeutet nichts.
Und drittens, das ist der Punkt, den kaum jemand kennt: Extrasystolen können HRV-Messungen erheblich verfälschen, wenn sie nicht erkannt und bei der Auswertung entsprechend behandelt werden. Ein Extraschlag mit der folgenden Pause erzeugt genau die Art von Abstandssprung, die sonst als Variabilität zählt. Eine saubere HRV-Analyse verlangt deshalb, ektope Schläge zu erkennen und je nach Art entweder zu korrigieren oder die betroffenen Abschnitte auszuschließen. Ob und wie gut ein Konsumentengerät das leistet, ist meist nicht nachvollziehbar. Ausgerechnet bei Ihrem Beschwerdebild ist die Zahl auf dem Display also mit besonderer Vorsicht zu lesen.
Viertens, und das ist der wichtigste Punkt: Bei den meisten Patienten, die ich sehe, ist der tägliche Blick auf den Wert längst Teil des Problems geworden. Ein Gerät, das Ihnen jeden Morgen eine Zahl zu Ihrem Nervensystem liefert, gibt der Selbstbeobachtung, die Sie eigentlich loswerden wollen, einen neuen Gegenstand. Ich rate den meisten Patienten während der Behandlung dazu, die entsprechende Funktion für einige Wochen abzuschalten.
Wie die Variabilität verloren geht
Vier Wege führen dahin, dass ein System seine Anpassungsfähigkeit einbüßt. In der Praxis wirken sie nie einzeln, sondern verstärken einander.
Erstens: die Daueraktivierung, die nicht mehr abfällt
Eine Belastungsreaktion ist biologisch als Episode angelegt. Sie steigt an, sie erfüllt ihren Zweck, sie klingt ab. Das Abklingen ist der Teil, der bei Dauerbelastung verloren geht. Das System bleibt auf einem erhöhten Grundniveau, weil es nie ein verlässliches Signal bekommen hat, dass die Lage vorbei ist.
In der HRV kann sich das widerspiegeln: Die vagale Bremse verliert an Kraft, die Schwankung zwischen den Schlägen wird kleiner, die Erholung nach Belastungen dauert länger. Die Betroffenen beschreiben das übereinstimmend und ohne jede Kenntnis der Physiologie. Ich fahre nicht mehr runter. Ich schlafe ein und bin um drei wach. Ich merke im Urlaub erst am fünften Tag, dass ich angespannt war. Ich bin ständig in Habachtstellung, ohne zu wissen wovor.
Zweitens: die Atmung
Der am stärksten unterschätzte Faktor, weil niemand danach schaut, und derjenige, über den sich am schnellsten etwas verändern lässt.
Die HRV entsteht ganz wesentlich über den Atemrhythmus. Beim Einatmen wird die vagale Bremse kurz gelockert und das Herz beschleunigt, beim Ausatmen greift sie wieder und das Herz verlangsamt. Diese respiratorische Sinusarrhythmie ist der größte einzelne Beitrag zur Variabilität überhaupt. Wer flach, schnell und in den oberen Brustkorb atmet, nutzt diesen Mechanismus kaum noch. Die Atemzüge sind zu kurz, um eine nennenswerte Schwankung zu erzeugen. Atemfrequenz und Atemtiefe gehören deshalb zu den stärksten Einflussgrößen auf die gemessene Variabilität überhaupt.
Umgekehrt lässt sich die HRV über eine verlangsamte, vertiefte Ausatmung innerhalb von Minuten messbar anheben. Das ist der Grund, warum die Atemarbeit in der Behandlung eine zentrale Rolle spielt und warum sie oft die schnellste spürbare Veränderung bringt.
Dazu kommt ein zweiter, härterer Effekt. Wer über Monate zu viel und zu flach atmet, atmet mehr Kohlendioxid ab, als der Stoffwechsel produziert. Der Kohlendioxidgehalt im Blut sinkt, der pH-Wert steigt leicht an. Dadurch verschiebt sich der Anteil des frei verfügbaren Kalziums, und Kalium wandert in die Zellen. Beides erhöht die elektrische Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen. Der Herzmuskel ist ein Muskel.
Eine eingeschliffene Fehlatmung kann damit über zwei Wege zur Symptomatik beitragen: Sie nimmt dem Herzen einen wesentlichen Teil seiner Variabilität und erhöht zugleich die Erregbarkeit der Muskelzelle.
Sie erklärt außerdem die Begleiterscheinungen, die fast jeder Betroffene kennt und die niemand mit dem Herzen in Verbindung bringt: Benommenheit, Schwindel, ein Gefühl von Unwirklichkeit, Kribbeln in den Händen und um den Mund, Enge im Brustkorb, Sehstörungen, das Gefühl, nicht durchatmen zu können und immer wieder tief seufzen zu müssen. Der niedrige Kohlendioxidgehalt verengt zusätzlich die Gefäße, besonders im Gehirn, was die Benommenheit erklärt. Wer das alles zusammen mit Herzstolpern erlebt, hält es mit guten Gründen für gefährlich. Diese Kombination passt typischerweise zu einer Überatmung mit abgesunkenem Kohlendioxidgehalt.
Warum Sie nicht einfach tiefer atmen können
An dieser Stelle kommt bei fast jedem Patienten derselbe Einwand: Wenn es an der Atmung liegt, warum atme ich dann nicht einfach anders. Thomas Hanna hat für das, was hier geschieht, den Begriff der sensomotorischen Amnesie geprägt. Er stammt aus seinem Ansatz und ist keine neurologische Diagnose, beschreibt aber gut, was sich in der Arbeit mit diesen Patienten zeigt.
Muskeln, die über lange Zeit unbewusst angespannt gehalten werden, verschwinden nach und nach aus der Wahrnehmung. Das Gehirn hört auf, ihre Spannung zu melden, weil sie zum Normalzustand geworden ist. Der Betroffene spürt diese Muskeln nicht mehr, und was er nicht spürt, kann er auch nicht willentlich entspannen. Die Spannung ist da, sie wirkt, und sie ist der bewussten Kontrolle entzogen.
Genau das passiert bei chronischer Anspannung mit der Atemmuskulatur. Sie können sich vornehmen, tief zu atmen, und Sie werden dabei mehr Luft holen, aber Sie werden die Muskeln, die das Zwerchfell blockieren, nicht erreichen. Deshalb bringen gut gemeinte Ratschläge zur Bauchatmung bei diesem Beschwerdebild so wenig, und deshalb ist Atemarbeit hier eine therapeutische Tätigkeit mit einem Gegenüber und kein Übungsblatt. Aus einer sensomotorischen Amnesie kommt kaum jemand ohne fremde Hilfe heraus, weil ihm dazu genau die Wahrnehmung fehlt, die er bräuchte.
Ein wichtiger Punkt dabei: Eine chronische Hyperventilation sieht nicht so aus, wie man es aus dem Film kennt. Sie ist nicht dramatisch. Sie besteht aus einer dauerhaft leicht zu hohen Atemfrequenz, aus häufigem Seufzen, aus einem Atemmuster, das man dem Betroffenen ansehen, aber nicht anhören kann. Die meisten meiner Patienten sind überrascht, wenn ich ihnen zeige, wie sie atmen, weil sie es bis dahin für normal gehalten haben. Es ist ihr Normalzustand seit Jahren.
Drittens: das Zwerchfell und der Bauchraum
Das Zwerchfell ist der Hauptatemmuskel und zugleich der direkte Nachbar des Herzens. Steht es unter Dauerspannung, bleibt die Atmung flach, mit allen genannten Folgen, und die Druckverhältnisse im Brustkorb verändern sich bei jedem Atemzug.
Deshalb ist auch die Beobachtung ernst zu nehmen, die viele Betroffene machen, aber für zu banal halten, um sie zu erwähnen: Das Stolpern kommt nach dem Essen, nach größeren Mahlzeiten, im Liegen auf der linken Seite, bei Blähungen, bei Verstopfung. Zusammenhänge zwischen Magen-Darm-Trakt und Herzrhythmus sind beschrieben, historisch als gastrokardialer Symptomkomplex. Diskutiert werden drei Wege: ein mechanischer, ein über das vegetative Nervensystem vermittelter und ein refluxbedingter. Die Verdauungsphase ist zugleich eine vagal geprägte Phase.
Bei der Einordnung ist Vorsicht angebracht. Gut dokumentiert ist die mechanische Beeinflussung des Herzens bei großen Zwerchfellbrüchen. Für den gewöhnlichen vollen oder geblähten Magen ist die Datenlage dünn und stützt sich überwiegend auf Fallberichte und kleine Serien. Was sich klinisch sagen lässt: Viele Patienten beobachten diesen Zusammenhang bei sich, und bei vielen verändern sich die Beschwerden, wenn sie die letzte Mahlzeit vorverlegen. Wodurch genau, ist nicht abschließend geklärt.
Für die Behandlung ist dieser Punkt wichtiger, als er klingt. Nichts beruhigt ein überaktives Alarmsystem so sehr wie die Erfahrung, dass das Symptom einer nachvollziehbaren Logik folgt. Ein Patient, der zum ersten Mal weiß, warum es gestern Abend passiert ist, hat einen erheblichen Teil des Schreckens verloren.
Viertens: der Schlaf
Schlechter oder verkürzter Schlaf senkt die HRV am Folgetag zuverlässig ab und erhöht die sympathische Aktivität. Das ist einer der Gründe, warum sich das Beschwerdebild so gern selbst am Leben erhält: Die Episoden kommen abends und beim Einschlafen, das stört den Schlaf, der gestörte Schlaf senkt die Variabilität, die niedrigere Variabilität macht die nächste Episode wahrscheinlicher.
Wer zusätzlich eine unerkannte schlafbezogene Atmungsstörung hat, sitzt in einer noch engeren Schleife. Dazu mehr in Teil 2, weil das ein Punkt ist, an dem eine rein psychosomatische Einordnung schlicht falsch wäre.
Wenn Sie sich in dieser Beschreibung wiedererkennen: Terminvereinbarung unter 089/23068977 oder über die Kontaktfunktion.
Die Panikattacke des Herzens
Kurz gesagt: Ja, Herzstolpern und Herzrasen können psychische und vegetative Ursachen haben, ohne dass das Herz selbst erkrankt ist. Bei einem Teil der Betroffenen tritt dabei die körperliche Reaktion zuerst auf und die Angst erst danach, weshalb sie zu Recht sagen, sie hätten keine Angst gehabt. Voraussetzung für diese Einordnung ist immer eine abgeschlossene kardiologische Abklärung.
Damit ist erklärt, warum die Schwelle abgesenkt ist. Nicht erklärt ist die Frage, die Betroffene tatsächlich umtreibt: Warum jetzt. Warum genau in diesem Moment, in dem ich auf dem Sofa sitze und an nichts denke.
Hier liegt aus meiner Sicht der Kern des Beschwerdebildes, und es ist der Punkt, an dem die üblichen Erklärungen aufhören.
Was bei einer Panikattacke geschieht und was hier fehlt
Eine Panikattacke ist diagnostisch als abrupter Anstieg intensiver Angst oder intensiven Unbehagens mit einer Reihe körperlicher Begleitsymptome definiert. Im typischen Fall erlebt der Betroffene beides zusammen: den vegetativen Sturm aus Herzrasen, Extraschlägen, Zittern, Enge und Schwindel, und die Angst dazu. Er weiß, dass er Angst hat.
Bei den Patienten, um die es hier geht, kommt der vegetative Sturm allein. Die Angst kommt erst danach, als Reaktion auf das körperliche Ereignis, und sie richtet sich auf das Herz, weil es nichts anderes gibt, worauf sie sich richten könnte. Deshalb sagen diese Patienten mit vollem Recht, sie hätten keine Angst gehabt, es sei einfach passiert. Und deshalb geht der Hinweis, es sei wohl psychisch, an ihrer Erfahrung vorbei und wird zu Recht zurückgewiesen.
Ich nenne diese Konstellation für meine Patienten manchmal eine Panikattacke des Herzens. Das ist kein diagnostischer Begriff, sondern ein Bild für eine starke autonome Reaktion, bei der die bewusste Angst erst nach dem Körpersymptom entsteht.
Warum die Aufregung abgespalten wurde
Aufregung, die in einer Situation entsteht, gehört dort auch abgearbeitet. Wut, die ausgedrückt wird, Angst, die zugelassen wird, Trauer, die geweint wird: Das sind keine Störungen, sondern abgeschlossene Vorgänge. Das System fährt anschließend herunter, die Variabilität kehrt zurück.
Nicht jede Situation lässt das zu. Es gibt Umstände, in denen man funktionieren muss. Eine schwere Erkrankung in der Familie. Ein Todesfall. Eine Trennung, bei der man sich zusammenreißen musste, weil Kinder da waren. Ein beruflicher Zustand ohne guten Ausweg. Eine Pflegesituation über Jahre. Eine Kindheit, in der bestimmte Gefühle nicht vorkommen durften, weil sie jemanden überfordert hätten.
Dann wird die Erregung nicht verarbeitet, sondern abgespalten. Man hält sie fest, man hält sich zusammen, man macht weiter, und das gelingt oft erstaunlich gut. Von außen und für den Betroffenen selbst sieht es aus, als sei nichts gewesen. Viele meiner Patienten sind Menschen, die von ihrer Umgebung ausdrücklich für ihre Belastbarkeit geschätzt werden.
Weg ist die Erregung deshalb nicht. Sie bleibt im System gebunden, sie hält das Zwerchfell fest, sie hält die Atmung flach, sie hält die Grundaktivierung oben. Sie ist ein erheblicher Teil des Grundes, warum Ihre Variabilität seit Jahren niedrig ist.
Ein Hinweis, der viele überrascht: In der Behandlung führt die Spur häufig nicht zu dem Ereignis, an das der Patient selbst denkt, sondern deutlich weiter zurück. Die Belastung der letzten Jahre hat dann nicht die Ursache geschaffen, sondern ein Muster zum Kippen gebracht, das schon lange bestand. Sehr oft geht es um frühe Erfahrungen, in denen Angst oder Wut keinen Raum hatten, weil kein Gegenüber da war, das sie hätte auffangen können. Wer als Kind gelernt hat, sich in solchen Momenten zusammenzuziehen und still zu werden, hat damit auch gelernt, den Atem anzuhalten. Es ist derselbe Muskel.
Warum sie sich ausgerechnet in Ruhe entlädt
Kurz gesagt: Herzstolpern kommt typischerweise abends, im Liegen und in Ruhephasen, weil dann die Herzfrequenz sinkt und der Vagus übernimmt. Auf diesem Hintergrund entstehen Extraschläge leichter, und gleichzeitig ist die Aufmerksamkeit frei, sie überhaupt zu bemerken. Dass es in Ruhe auftritt, spricht daher nicht gegen eine stress- oder regulationsbedingte Beteiligung.
Und irgendwann entlädt sie sich. Nicht dann, wenn der Druck am größten ist, sondern dann, wenn er nachlässt. Am Abend. Beim Hinlegen. Am zweiten Urlaubstag. Nach der bestandenen Prüfung. Nach dem abgeschlossenen Projekt. Nach der Beerdigung, nicht davor. Solange die Anspannung gebraucht wird, hält der Deckel. Fällt die Anforderung weg, fällt auch der Deckel.
Physiologisch fällt in diesem Moment der Sympathikus ab und der Vagus übernimmt abrupt. Auf diesem Hintergrund entsteht ein Extraschlag besonders leicht, denn bei niedrigerer Herzfrequenz ist mehr Zeit für zusätzliche Erregungen. Gleichzeitig ist die Aufmerksamkeit frei, ihn zu bemerken. Wer sich wundert, warum das Herz ausgerechnet im Urlaub verrücktspielt, hat hier die Antwort: Nicht der Urlaub ist das Problem, sondern das, was vor ihm liegt und nie zu Ende gebracht wurde.
Weil die abgespaltene Erregung im Bewusstsein keinen Inhalt mehr hat, kommt sie ohne Inhalt zurück. Kein Gedanke, kein Bild, keine Erinnerung. Nur Physiologie. Das ist der Grund, warum Sie beim besten Willen keinen Auslöser benennen können, und der Grund, warum die Frage „Was war denn gerade los?“ Sie so ratlos macht.
Die Entladung ist nicht die Krankheit, sondern der Regulationsversuch
Dieser Punkt verändert die Perspektive auf das gesamte Beschwerdebild. Klinisch lässt sich das, was da geschieht, nicht als Defekt verstehen, sondern als Versuch des Organismus, eine unvollständig gebliebene Reaktion zu Ende zu bringen und in den regulierten Zustand zurückzukehren.
Und dieser Versuch kann bemerkenswert schnell gelingen. Wenn eine abgespaltene Erregung in der Behandlung tatsächlich abreagiert wird, also im Erleben ankommt und abläuft statt gehalten zu werden, ändert sich die vegetative Lage nicht über Monate, sondern innerhalb kurzer Zeit. Atmung und Muskeltonus verändern sich unmittelbar spürbar, die Variabilität steigt wieder. Patienten beschreiben das übereinstimmend und meist überrascht: dass es sich anfühlt, als sei etwas losgelassen worden, das sie jahrelang festgehalten haben, ohne davon zu wissen.
Warum die Entladung wiederkommt, wenn man sie unterbricht
Bleibt die Frage, warum sich das über Jahre wiederholt, wenn es doch ein Regulationsversuch ist, der sich abschließen lässt. Weil er praktisch nie abgeschlossen wird.
Sobald die Episode einsetzt, wird sie unterbrochen. Der Betroffene erschrickt, spannt an, hält die Luft an, misst den Puls, steht auf, sucht Hilfe. Jede dieser Reaktionen ist verständlich, und jede von ihnen bricht den Vorgang in dem Moment ab, in dem er beginnt. Das System kommt nicht ans Ende, bleibt also aktiviert und wird es erneut versuchen.
Dazu kommt, dass die Fahrt in die Notaufnahme sich tatsächlich gut anfühlt. Für eine halbe Stunde ist jemand zuständig, das Gerät läuft, Sie müssen es nicht allein tragen. Deshalb nimmt man diesen Weg auch dann noch, wenn man das Ergebnis längst kennt. Das ist verständlich und keine Schwäche.
Es ist nur der zweite Mechanismus, der die Sache verfestigt. Unterbrechung senkt die Angst kurzfristig. Ihr Nervensystem zieht daraus nicht den Schluss, dass die Situation ungefährlich war. Es zieht den Schluss, dass Sie überlebt haben, weil Sie gehandelt haben. Beim nächsten Mal wird der Impuls, genau das wieder zu tun, stärker sein und nicht schwächer.
Dasselbe gilt für die kleineren Formen der Rückversicherung: das wiederholte Messen, der erneute Arzttermin, das Recherchieren im Internet, das Abtasten des Pulses, das ständige Nachfragen bei Angehörigen, das Mitführen von Tropfen oder Tabletten, die man nie nimmt. Jede dieser Handlungen beruhigt für Minuten und hält das System für Monate in Alarmbereitschaft.
Das ist kein Vorwurf, und es ist ausdrücklich keine Aufforderung, bei unklaren Beschwerden nicht zum Arzt zu gehen. Solange nicht sauber abgeklärt ist, gehören Sie abgeklärt, und zwar vollständig. Es geht um die Zeit danach: um die zwölfte Wiederholung einer Untersuchung, deren Ergebnis Sie bereits kennen. Wissen beruhigt den Kopf. Es beruhigt nicht das vegetative Nervensystem, und deshalb reicht es nicht aus, dass man Ihnen noch einmal sagt, Ihr Herz sei gesund.
Der Kreislauf im Überblick
- Die Grundaktivierung ist erhöht und die Variabilität niedrig, die Reizschwelle des Herzmuskels dadurch abgesenkt.
- In einer Ruhephase fällt die Anspannung ab, gebundene Erregung beginnt sich zu entladen, es kommt zu Extraschlägen oder Herzrasen.
- Das Ereignis wird bemerkt. Das ist bereits der entscheidende Schritt, denn die meisten Menschen bemerken ihre Extraschläge nicht.
- Es folgt der Schluss, dass mit dem Herzen etwas nicht stimmt. Nicht als Überlegung, sondern in Sekundenbruchteilen.
- Adrenalin wird ausgeschüttet. Das ist die korrekte Reaktion auf wahrgenommene Lebensgefahr.
- Die Erregbarkeit des Herzmuskels steigt weiter, die Atmung wird flacher und schneller, Schwindel und Enge kommen hinzu. Es entstehen mehr Ereignisse, nicht weniger.
- Der ursprüngliche Verdacht ist bestätigt, der Vorgang wird abgebrochen, die Entladung bleibt unvollständig, die Grundaktivierung bleibt oben.
- Nach der Episode bleibt die Aufmerksamkeit auf das Herz gerichtet. Die Wahrnehmungsschwelle sinkt weiter. Schritt 3 wird beim nächsten Mal noch leichter erreicht.
Das Muster bei Führungskräften und Leistungsträgern
In meiner Praxis sehe ich eine bestimmte Gruppe bei diesem Beschwerdebild besonders häufig, und das Muster hat bei ihr eine eigene Form. Ich beschreibe es ausführlich, weil es fast nie erkannt wird und weil die Betroffenen mit den üblichen Empfehlungen nichts anfangen können.
Was bei diesen Menschen tatsächlich hoch ist
Die Selbstbeschreibung lautet meistens: Ich halte mehr aus als andere. Das stimmt in der Wirkung und es stimmt nicht im Mechanismus, und dieser Unterschied ist entscheidend.
Das vegetative Nervensystem einer Führungskraft arbeitet nicht anders als das eines anderen Menschen. Was hoch ist, ist nicht die Kapazität des Systems, sondern die Bereitschaft und die Fähigkeit, seine Signale zu übergehen. Diese Fähigkeit ist real, sie ist erlernt, sie ist oft der Grund für die berufliche Position, und sie wird von der Umgebung ausdrücklich belohnt. Müdigkeit wird weggearbeitet, Anspannung wird als Konzentration umgedeutet, Erschöpfung wird auf das Wochenende vertagt. Das funktioniert jahrelang.
Der Preis ist derselbe wie bei allen anderen. Die Rechnung kommt nur später und dann auf einmal. Wer Signale zuverlässig übergehen kann, bekommt keine Zwischenwarnung. Er bekommt die Endmeldung, und die kommt bei einem erheblichen Teil dieser Gruppe über das Herz.
Der verkürzte Entladungskorridor
Hier liegt der eigentliche Unterschied zu anderen Patienten. Auch das Folgende gehört zu meinem Arbeitsmodell und nicht zur gesicherten Physiologie. Es beschreibt ein Muster, das mir in dieser Gruppe so regelmäßig begegnet, dass ich es für erklärungsbedürftig halte.
Bei jedem Menschen entlädt sich gebundene Anspannung dann, wenn der Druck nachlässt. Die entscheidende Frage ist, wie viel Zeit dafür zur Verfügung steht. Wer nach einer anstrengenden Phase ein paar ruhige Tage hat, bei dem läuft die Herunterregulierung langsam ab und wird kaum bemerkt. Sie verteilt sich.
Diese Zeit gibt es hier nicht. Der Korridor ist der Abend, die Nacht, der Sonntagnachmittag, der Flug, die zwei Stunden zwischen dem letzten Termin und dem nächsten Tag. Am nächsten Morgen wird wieder volle Leistung erwartet, von der Umgebung und noch mehr von der Person selbst. Das System hat also nicht drei Tage, sondern sechs Stunden, um von einem hohen Aktivierungsniveau herunterzukommen und wieder hinauf.
Eine Herunterregulierung, die in wenigen Stunden stattfinden muss, ist keine sanfte, sondern eine abrupte. Und genau auf einem abrupten vegetativen Umschwung entstehen Extraschläge und anfallsartiges Herzrasen besonders leicht.
Dazu kommt, dass sich in diesem kurzen Korridor nicht nur die Anspannung des Tages entlädt, sondern auch das, was aus früheren Phasen gebunden geblieben ist. Was sich bei anderen über eine Woche verteilt, kommt hier als Ereignis. Deshalb berichten diese Patienten fast durchgängig dasselbe: Während der Belastung passiere nichts, es komme erst danach, und es komme mit einer Wucht, die zur Situation nicht passt.
Die typischen Zeitpunkte
- Sonntagnachmittag, wenn die Woche vorbei und die nächste noch nicht da ist
- Die erste oder zweite Nacht nach dem Abschluss eines großen Vorhabens
- Der zweite Urlaubstag, nie der erste
- Im Flugzeug oder im Zug, sobald man nichts mehr tun kann
- Nachts zwischen zwei und vier Uhr, nach einem Geschäftsessen mit Wein
- Nach einer Präsentation oder einem Aufsichtsratstermin, nicht davor
Der Alkoholpfad
Ein Muster, das in dieser Gruppe so regelmäßig auftritt, dass es eigens erwähnt gehört. Alkohol ist für viele Leistungsträger das Werkzeug, mit dem die Herunterregulierung erzwungen wird, weil der Korridor sonst nicht reicht. Zwei Gläser am Abend, damit der Abstand zum Tag überhaupt zustande kommt.
Das funktioniert kurzfristig und arbeitet genau gegen das, worauf es ankommt. Alkohol senkt die Herzratenvariabilität über die folgende Nacht und den Folgetag deutlich ab, stört die Schlafarchitektur und erhöht die Neigung zu Rhythmusereignissen in den frühen Morgenstunden. Der Zusammenhang wird kaum je hergestellt, weil die Wirkung zeitversetzt eintritt: Das Herzstolpern kommt nicht beim Trinken, sondern um halb vier.
Warum diese Gruppe spät kommt
Drei Gründe, die zusammenwirken. Erstens geht diese Gruppe nicht zum Psychotherapeuten, sondern zum Kardiologen, oft im Rahmen einer privat organisierten Vorsorgeuntersuchung. Sie bekommt dort ein sehr gründliches, vollständig unauffälliges Ergebnis und den Hinweis, etwas kürzerzutreten. Verbucht wird das als kein Befund.
Zweitens ist die naheliegende Reaktion dieser Gruppe auf ein Problem, es besser zu machen: mehr Struktur, mehr Disziplin, mehr Optimierung, ein Ring oder eine Uhr, die die Erholung misst. Bei diesem Beschwerdebild ist das die Verstärkung des Problems, weil es die Selbstüberwachung professionalisiert.
Drittens ist das Symptom für viele das erste, was sich nicht wegarbeiten lässt. Genau das macht es so bedrohlich, und genau das führt schließlich doch zum Anruf. Der Satz, den ich im Erstgespräch am häufigsten höre, lautet sinngemäß: Ich habe alles im Griff, nur das nicht.
Warum Kürzertreten hier nicht der Behandlungsauftrag ist
Der übliche Rat lautet, weniger zu arbeiten. Er wird nicht befolgt, und zwar meistens nicht aus Sturheit, sondern weil er in der konkreten Lage kurzfristig nicht verfügbar ist. Wer Verantwortung für einen Bereich oder ein Unternehmen trägt, kann seine Termindichte nicht in vier Wochen halbieren.
Das Behandlungsziel ist deshalb ein anderes. Es geht nicht darum, die Belastung zu senken, sondern die Fähigkeit zur Herunterregulierung wiederherzustellen. Ein System, das nach einer Belastung zuverlässig abfällt, verträgt sehr viel. Ein System, das es nicht mehr kann, verträgt auch eine moderate Belastung nicht mehr. Die Frage ist also nicht, wie viel Druck Sie aushalten, sondern wie schnell Sie danach herunterkommen. Das ist behandelbar, und es ist im Gegensatz zum Kürzertreten auch umsetzbar.
Der zweite Teil des Auftrags betrifft das, was aus früheren Jahren gebunden geblieben ist. Solange das im System liegt, verbraucht sich der kurze Korridor damit, und die Entladung bleibt heftig.
Zur Diskretion
Ein Punkt, der in dieser Gruppe regelmäßig über den Anruf entscheidet und den niemand von sich aus anspricht. Die Behandlung findet in einer Privatpraxis statt, es erfolgt keine Meldung an eine gesetzliche Krankenkasse, und es entsteht kein Eintrag, der an anderer Stelle sichtbar würde. Bei Menschen in exponierten Positionen ist das kein Nebenaspekt, sondern oft die Voraussetzung dafür, dass sie sich überhaupt behandeln lassen.
Wenn Ihre Episoden ausschließlich nach der Belastung kommen: 089/23068977. Termine sind auch am frühen Morgen und am Abend möglich.
Interozeption: warum Sie spüren, was andere nicht spüren
Interozeption ist die Wahrnehmung des eigenen Körperinneren: Herzschlag, Atmung, Magen, Darm, Muskelspannung. Sie läuft normalerweise unbewusst ab, weil das Gehirn ständig entscheidet, was es an das Bewusstsein weitergibt und was nicht. Die allermeisten Signale werden herausgefiltert. Sie spüren Ihren Darm nicht, obwohl er arbeitet, und Sie spüren Ihr Herz nicht, obwohl es schlägt.
Dieser Filter ist nicht fest eingestellt. Er verändert sich danach, was das Gehirn für relevant hält. Ein Signal, das einmal als bedrohlich eingestuft wurde, wird von da an bevorzugt weitergeleitet. Genau das passiert nach der ersten schweren Episode: Das Herz wird zum überwachten Organ, und der Filter für Herzsignale öffnet sich dauerhaft.
Die praktische Folge ist grausam in ihrer Logik. Sie spüren nicht deshalb mehr Extraschläge, weil Sie mehr haben, sondern weil Sie durchgelassen bekommen, was andere herausgefiltert bekommen. Und jedes durchgelassene Signal bestätigt die Relevanz und hält den Filter offen.
Das erklärt zwei Beobachtungen, die Betroffene oft irritieren. Erstens: dass die Beschwerden verschwinden, sobald Sie wirklich in etwas vertieft sind, in einem guten Gespräch, bei einer Tätigkeit, die Sie ganz beansprucht. Nicht weil das Herz dann anders schlägt, sondern weil die Aufmerksamkeit anderswo gebunden ist. Zweitens: dass sie schlagartig zurückkommen, sobald es still wird.
Interozeption ist deshalb auch ein Behandlungsansatz und nicht nur ein Problem. Die körperorientierte Arbeit trainiert eine andere Form der Körperwahrnehmung: nicht die überwachende, kontrollierende, sondern die forschende, neugierige. Das ist ein anderer Modus, und er verdrängt den ersten nach und nach.
Teil 2: Abgrenzung, damit nichts übersehen wird
Dieser Teil ist der wichtigste des ganzen Artikels, und er steht bewusst vor der Behandlung. Eine psychosomatische Einordnung ist nur dann hilfreich, wenn sie zutrifft. Trifft sie nicht zu, ist sie der Grund, warum jemand jahrelang die falsche Behandlung bekommt.
Was abgeklärt sein sollte
- Ruhe-EKG und Belastungs-EKG
- Echokardiographie zur Beurteilung von Struktur, Klappen und Pumpfunktion
- Langzeit-EKG, bei seltenen Ereignissen über einen längeren Zeitraum oder mit Ereignisrekorder. Wichtig ist dabei nicht nur, ob Extrasystolen auftreten, sondern wie hoch ihr Anteil an der Gesamtzahl der Schläge ist
- Laborwerte: Schilddrüsenwerte einschließlich TSH, Blutbild, Ferritin, Elektrolyte mit Kalium und Magnesium, Nierenwerte, Entzündungswerte, Blutzucker
- Blutdruckmessung, bei Verdacht als Langzeitmessung
- Medikamentenanamnese, einschließlich Schilddrüsenpräparaten, Asthmasprays, abschwellenden Nasentropfen, Schmerzmitteln, Antidepressiva, ADHS-Medikation und Nahrungsergänzungsmitteln
- Konsum von Koffein, Nikotin, Alkohol, Energydrinks und Stimulanzien
Warnzeichen: wann Sie zurück zum Kardiologen gehören
Es gibt Rhythmusstörungen, die anfallsartig auftreten, sich exakt wie eine Panikattacke anfühlen und von einem einzelnen unauffälligen 24-Stunden-EKG regelmäßig verpasst werden. Sie sind kardiologisch sehr gut behandelbar, aber eben kardiologisch.
Lassen Sie weiter abklären, wenn eines der folgenden Merkmale zutrifft:
- Das Herzrasen beginnt und endet schlagartig, wie ein Lichtschalter, nicht ansteigend und langsam abklingend
- Der Puls liegt während der Episoden deutlich über 150 und ist dabei absolut regelmäßig oder völlig unregelmäßig
- Sie werden während der Episoden bewusstlos oder beinahe bewusstlos
- Die Beschwerden treten unter körperlicher Belastung auf und nicht in Ruhe
- Sie haben Brustschmerz, der bei Belastung zunimmt und in Ruhe nachlässt
- Es gibt in Ihrer Familie plötzliche Todesfälle in jungem Alter
- Sie haben zusätzlich Luftnot, die mit der Belastung zunimmt, oder Wassereinlagerungen an den Beinen
- Die Beschwerden haben sich in kurzer Zeit deutlich verändert oder verstärkt
- Im Langzeit-EKG wurde eine hohe Extrasystolenlast festgestellt, oder die Frage nach der Last wurde nie beantwortet
In diesen Fällen gehört die kardiologische Abklärung fortgesetzt und nicht eine Psychotherapie begonnen. Welcher Schritt der richtige ist, hängt vom Beschwerdebild ab: Je nach Konstellation können ein längeres Rhythmusmonitoring, ein Ereignisrekorder, eine Bildgebung der Herzkranzgefäße oder eine elektrophysiologische Abklärung sinnvoll sein. Diese Entscheidung trifft Ihre Kardiologin oder Ihr Kardiologe. Ich arbeite nicht gegen die Kardiologie, sondern ab dem Punkt, an dem sie ihre Arbeit getan hat.
Die elf am häufigsten übersehenen körperlichen Ursachen
Die folgende Liste ist keine Vollständigkeitsübung. Sie enthält die Punkte, die mir in der Praxis tatsächlich begegnen, weil sie beim Standardprogramm durchrutschen.
1. Anfallsartiges Vorhofflimmern
Tritt in Episoden auf, die von selbst enden, und hinterlässt dazwischen ein völlig unauffälliges EKG. Der Puls ist während der Episode unregelmäßig unregelmäßig, also ohne jedes Muster. Eine Sonderform tritt bevorzugt nachts und in Ruhe auf, ausgelöst durch vagale Aktivierung, häufig nach späten großen Mahlzeiten oder nach Alkohol. Betroffen sind oft jüngere, sportliche Menschen. Diese Form sieht der psychosomatischen Konstellation zum Verwechseln ähnlich und ist es nicht.
2. Supraventrikuläre Tachykardien
Anfallsartiges Herzrasen mit hoher, meist sehr regelmäßiger Frequenz, das schlagartig beginnt und schlagartig endet. Häufig seit Jugend bekannt, oft über Jahre als Panikattacke fehlgedeutet. In vielen Fällen durch einen kathetergestützten Eingriff dauerhaft heilbar. Wer über Jahre wegen Panikattacken behandelt wurde und dabei nie besser geworden ist, sollte an diese Möglichkeit denken.
3. Schilddrüsenüberfunktion
Auch eine leichte, subklinische Überfunktion mit noch normalen Hormonwerten kann Palpitationen, innere Unruhe, Schlafstörungen und Herzrasen verursachen. Bei Hashimoto kommen beide Richtungen vor. Ein einmal vor drei Jahren bestimmter TSH-Wert ist keine aktuelle Aussage.
4. Eisenmangel und Blutarmut
Ein ausgeprägter Eisenmangel führt zu Herzklopfen, Belastungsluftnot, Erschöpfung und innerer Unruhe. Er wird häufig übersehen, weil im Blutbild nur der Hämoglobinwert betrachtet wird und das Ferritin nicht mitbestimmt wird. Betroffen sind vor allem Frauen mit starker Regelblutung und Menschen mit vegetarischer oder veganer Ernährung.
5. Elektrolytverschiebungen
Kalium- und Magnesiummangel senken die Reizschwelle des Herzmuskels. Ursachen sind entwässernde Medikamente, Abführmittel, starkes Schwitzen, Durchfallerkrankungen und einseitige Ernährung. Wichtig: Dass Magnesium hilft, heißt nicht, dass ein Mangel vorlag, und dass kein Mangel vorlag, heißt nicht, dass Magnesium nichts bringt.
6. Schlafbezogene Atmungsstörungen
Dieser Punkt wird am häufigsten übersehen und ist gleichzeitig der wichtigste auf dieser Liste. Bei einer obstruktiven Schlafapnoe kommt es nachts wiederholt zu Atemaussetzern. Jeder davon löst einen Sauerstoffabfall, Druckveränderungen im Brustkorb und eine Sympathikusaktivierung aus. Die Folge sind nächtliche Rhythmusereignisse, ein unerholsamer Schlaf, morgendliche Kopfschmerzen und Tagesmüdigkeit. Ein erheblicher Teil der Patienten mit Vorhofflimmern hat eine behandlungsbedürftige Schlafapnoe.
Wer nachts Herzstolpern hat, schnarcht, morgens wie gerädert aufwacht und tagsüber müde ist, gehört zur Polygraphie und nicht zuerst zu mir. Das gilt auch, wenn der Betroffene schlank ist, denn die Vorstellung, Schlafapnoe sei eine Erkrankung übergewichtiger Männer, stimmt so nicht.
7. Posturales Tachykardiesyndrom (POTS) und orthostatische Intoleranz
Eine Störung der Kreislaufregulation, bei der der Puls beim Aufstehen übermäßig ansteigt, ohne dass der Blutdruck nennenswert abfällt. Die Betroffenen haben Herzrasen, Benommenheit, Schwindel, Konzentrationsstörungen und müssen sich hinsetzen. Betroffen sind vor allem jüngere Frauen. Häufig beginnt es nach einer Virusinfektion, seit der Pandemie auch nach COVID-19.
POTS wird regelmäßig als Angststörung fehlgedeutet, weil die Symptome identisch klingen und weil die üblichen Herzuntersuchungen unauffällig sind. Bemerkenswert für unseren Zusammenhang: Ein erheblicher Teil der Beschwerden bei POTS geht auf eine Hyperventilationsneigung mit niedrigem Kohlendioxidgehalt und verminderter Hirndurchblutung zurück, also auf denselben Mechanismus, der weiter oben beschrieben ist. Die Atemarbeit hilft hier ebenfalls, ersetzt aber nicht die Abklärung.
Ein orientierender Selbsttest ist der Schellong-Test: Puls und Blutdruck nach zehn Minuten Liegen messen, dann aufstehen und nach einer, drei, fünf und zehn Minuten Stehen erneut. Steigt der Puls um dreißig Schläge oder mehr, ohne dass der Blutdruck abfällt, und treten dabei Beschwerden auf, gehört das ärztlich abgeklärt.
8. Hormonelle Umstellung: Perimenopause und Zyklus
In der Perimenopause berichtet ein großer Teil der Frauen über Palpitationen, oft zusammen mit Hitzewallungen, Nachtschweiß und Schlafstörungen. Der Grund ist nicht das Herz, sondern der schwankende und absinkende Östrogenspiegel, der die Empfindlichkeit des Herz-Kreislauf-Systems gegenüber Stresshormonen erhöht und das vegetative Nervensystem insgesamt reizbarer macht. Auch die Stressverarbeitung selbst verändert sich in dieser Phase.
Das ist deshalb wichtig, weil hier eine Fehlzuordnung in beide Richtungen möglich ist. Wer die hormonelle Komponente übersieht, therapiert an der falschen Stelle. Wer alles auf die Hormone schiebt, übersieht, dass diese Lebensphase bei vielen Frauen zeitlich genau mit den Belastungen zusammenfällt, um die es in diesem Artikel geht: pflegebedürftige Eltern, Kinder im Ablösealter, berufliche Umbrüche. Beides ist meistens gleichzeitig wahr.
9. Reflux und Zwerchfellbruch
Rückfluss von Magensäure reizt die Speiseröhre, die unmittelbar hinter dem Herzen verläuft. Das erzeugt Brennen, Druck und Rhythmusereignisse, typischerweise nach dem Essen und im Liegen. Ein Zwerchfellbruch verstärkt das mechanisch. Sodbrennen wird von Betroffenen oft nicht erwähnt, weil es ihnen nebensächlich erscheint.
10. Substanzen und Medikamente
Koffein in allen Formen, Nikotin, Energydrinks, Alkohol, abschwellende Nasentropfen über längere Zeit, Asthmasprays, Schilddrüsenhormone in zu hoher Dosierung, manche Antidepressiva, Stimulanzien, hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel und einige pflanzliche Präparate. Besonders unterschätzt wird Alkohol: Er löst Rhythmusereignisse typischerweise nicht im Moment des Trinkens aus, sondern in der Nacht darauf und am Folgetag, weshalb der Zusammenhang selten hergestellt wird.
11. Dehydrierung, Infekte und Übertraining
Flüssigkeitsmangel, ein durchgemachter Infekt und deutliche Trainingsüberlastung senken die HRV und erhöhen die Neigung zu Extraschlägen. Wer nach einem grippalen Infekt neu aufgetretenes Herzstolpern oder deutliche Leistungseinbußen hat, gehört ärztlich abgeklärt, bevor irgendetwas anderes erwogen wird.
Warum diese Liste kein Nebenschauplatz ist
Ich halte diesen Teil für den fachlich wichtigsten des Artikels, und er kostet mich Patienten. Wer die Liste liest und sich in Punkt 6 oder 7 wiedererkennt, ruft nicht bei mir an, sondern beim Arzt. Das ist genau richtig so.
Die Alternative wäre, jemanden über Monate psychotherapeutisch zu behandeln, dessen Herzrhythmusstörungen von einer unbehandelten Schlafapnoe oder einer Schilddrüsenfunktionsstörung herrühren. Das schadet zweifach: Es verzögert die richtige Behandlung, und es bestätigt dem Betroffenen, dass ihm nicht zu helfen ist.
Kurzer Selbsttest
Wenn Sie kardiologisch abgeklärt sind, keines der Warnzeichen vorliegt und mehrere der folgenden Punkte zutreffen, sprechen mehrere Hinweise dafür, dass regulative und psychophysiologische Faktoren an Ihren Beschwerden beteiligt sein könnten und eine entsprechende Behandlung prüfenswert ist. Eine Diagnose ist das nicht, und die Liste ersetzt kein Gespräch.
- Mindestens eine ausführliche kardiologische Abklärung war ohne Befund.
- Die Episoden kommen gehäuft in Ruhe: abends, im Liegen, nach dem Essen, am Wochenende, im Urlaub.
- Sie treten auf, nachdem eine Belastung vorbei ist, nicht während sie andauert.
- Unter Ablenkung oder bei einer Tätigkeit, die Sie vereinnahmt, sind sie deutlich seltener.
- Sie können keinen Auslöser benennen und haben im Moment des Beginns keine Angst.
- Sie atmen flach in den oberen Brustkorb, seufzen häufig oder müssen gelegentlich bewusst tief durchatmen.
- Dazu kommen Schwindel, Benommenheit, Kribbeln, Enge im Brustkorb oder ein Kloßgefühl.
- Nacken, Schultern oder der Zwerchfellbereich sind chronisch verspannt.
- Sie kontrollieren mehrmals täglich Ihren Puls oder tragen ein Gerät, das das für Sie tut.
- Sie haben Situationen, Orte oder Tätigkeiten eingeschränkt, aus Sorge, es könnte dort passieren.
- Die Beschwerden begannen in einer belastenden Lebensphase oder nach einem einschneidenden Ereignis, oft mit Wochen oder Monaten Verzögerung.
- Sie gelten in Ihrem Umfeld als besonders belastbar, und die Episoden kommen ausschließlich am Wochenende, im Urlaub oder nach dem Abschluss großer Vorhaben.
Mehrere Punkte treffen zu? Terminvereinbarung unter 089/23068977 oder über die Kontaktfunktion.
Teil 3: Wie sich das Beschwerdebild entwickelt
Die vier Phasen
Bei fast allen Patienten, die ich sehe, verläuft die Entwicklung in denselben vier Phasen. Zu wissen, in welcher man steckt, ist praktisch nützlich, weil sich die Behandlung danach richtet.
Phase 1: Das erste Ereignis
Eine einzelne, meist heftige Episode, oft nachts oder in einer Ruhephase. Sie kommt aus dem Nichts und wird als lebensbedrohlich erlebt. Es folgt der erste Arzt- oder Notaufnahmebesuch mit unauffälligem Befund. In dieser Phase ist die Erleichterung noch groß und hält einige Wochen.
Phase 2: Die Wiederholung und der Beginn der Überwachung
Die Episoden kehren zurück. Damit beginnt die eigentliche Erkrankung: die dauerhafte Beobachtung des eigenen Herzens. Der Puls wird gemessen, die Hand liegt abends auf der Brust, die ersten Suchbegriffe werden eingegeben. Die Wahrnehmungsschwelle sinkt, und plötzlich sind auch Schläge spürbar, die vorher nie aufgefallen sind.
Phase 3: Die Vermeidung
Nach und nach werden Situationen gestrichen. Zuerst Kaffee und Alkohol, dann Sport, dann größere Anstrengungen, dann Reisen, weite Entfernungen von einer Klinik, Aufenthalte allein, manchmal Sexualität. Jede Streichung reduziert die Angst kurzfristig und schränkt das Leben dauerhaft ein. Gleichzeitig baut der Körper durch die fehlende Belastung weitere Regulationsfähigkeit ab, was die Beschwerden verstärkt.
Diese Phase ist der Punkt, an dem aus einem Symptom ein Krankheitsbild wird. Sie ist auch der Punkt, an dem die meisten Patienten das erste Mal an Psychotherapie denken, meistens weil die Einschränkung inzwischen größer ist als die Angst.
Phase 4: Die Erschöpfung
Nach Jahren stellt sich eine allgemeine Zermürbung ein. Die Patienten sind müde, gereizt, niedergeschlagen und zweifeln an sich selbst. Viele haben das Vertrauen in Ärzte verloren, nicht weil ihnen jemand geschadet hätte, sondern weil sie unzählige Male gehört haben, es sei nichts, während ihr Körper das Gegenteil meldete. Wer diesen Widerspruch lange genug aushält, beginnt irgendwann, der eigenen Wahrnehmung nicht mehr zu trauen. Das ist die eigentliche Verletzung bei diesem Beschwerdebild, und sie wiegt schwerer als jeder Extraschlag.
Dazu kommt das Schweigen. Über Rückenschmerzen spricht man. Über ein Herz, das stolpert, obwohl alle Untersuchungen in Ordnung sind, spricht man irgendwann nicht mehr, weil man die Reaktionen kennt. Nicht selten kommen eine depressive Entwicklung, sozialer Rückzug und beruflicher Leistungsabfall hinzu.
Diese Phase ist behandelbar wie die anderen, sie dauert nur länger, weil zusätzlich das wiederherzustellen ist, was in den Jahren verloren gegangen ist: Belastbarkeit, Vertrauen in den eigenen Körper, ein Alltag ohne Ausweichmanöver.
Vier typische Verläufe
Der Belastbare
Ein Mann Mitte vierzig, Führungsverantwortung, gilt als der, der alles wegsteckt. Die Beschwerden beginnen vier Monate nach dem Tod des Vaters, den er zuvor ein Jahr lang begleitet und organisiert hat, ohne je zusammenzubrechen. Die erste Episode kommt an einem Sonntagnachmittag auf der Couch. Vier Notaufnahmebesuche in einem halben Jahr, jedes Mal ohne Befund. Er selbst sieht keinerlei Zusammenhang zum Tod des Vaters, weil er damals ja funktioniert habe und es ihm heute gut gehe.
In der Behandlung ist die Atmung hoch, das Zwerchfell hart, die Bauchatmung praktisch nicht vorhanden. Der Zugang läuft über die Zeit der Begleitung, in der es keinen Moment gab, in dem er selbst hätte etwas fühlen dürfen.
Die Übersehene
Eine Frau Anfang fünfzig, Herzstolpern seit etwa einem Jahr, verstärkt abends und nachts, dazu Schlafstörungen und Hitzewallungen. Kardiologisch unauffällig. Zwei Ärzte haben Stress als Ursache genannt, ohne weiter nachzufragen. Hier sind mehrere Dinge gleichzeitig wahr: die hormonelle Umstellung, eine Schlafsituation, die seit Monaten nicht erholsam ist, und eine familiäre Belastung durch die Pflege der Mutter, die sie als selbstverständlich betrachtet und deshalb nie erwähnt hat.
Der erste Schritt ist hier nicht die Hypnose, sondern die Vervollständigung der Abklärung, einschließlich Schilddrüse, Ferritin und einer schlafmedizinischen Frage. Erst danach beginnt die eigentliche Arbeit.
Der Fehlbehandelte
Ein Mann Anfang dreißig, seit der Jugend anfallsartiges Herzrasen, das schlagartig beginnt und schlagartig endet, mit einem Puls um 180. Seit acht Jahren als Panikstörung behandelt, zwei Psychotherapien, ein Antidepressivum, keine nennenswerte Besserung. Die Schilderung passt nicht zu einer Panikattacke, sondern zu einer supraventrikulären Tachykardie.
In so einem Fall ist meine Aufgabe, das zu benennen und den Patienten zur elektrophysiologischen Abklärung zu schicken. Die Angst, die sich in acht Jahren aufgebaut hat, ist real und behandlungsbedürftig, aber sie ist die Folge und nicht die Ursache.
Die Geschäftsführerin
Eine Frau Ende vierzig, Geschäftsführung eines mittelständischen Unternehmens, Sechzig-Stunden-Wochen seit Jahren, gilt in ihrem Umfeld als unerschütterlich. Die Episoden kommen ausschließlich sonntags am späten Nachmittag und in der ersten Urlaubsnacht, nie unter der Woche und nie in einem Termin. Zwei kardiologische Abklärungen im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen, beide vollständig unauffällig, beide verbunden mit dem Rat, kürzerzutreten.
Ihr eigener Schluss war, dass mit ihr etwas nicht stimmt, weil die Beschwerden ausgerechnet dann kommen, wenn nichts los ist. Tatsächlich ist genau das die Bestätigung des Musters: Der einzige Korridor, in dem sich etwas entladen kann, ist der Sonntagnachmittag. Im Vordergrund stand die Wiederherstellung der Herunterregulierung und nicht die Reduktion der Arbeitszeit, die in ihrer Lage nicht zur Verfügung stand.
Wenn Sie sich in einem dieser Verläufe wiedererkennen, ist das Erstgespräch der richtige nächste Schritt: 089/23068977 oder über die Kontaktfunktion.
Was Angehörige erleben
Angehörige geraten bei diesem Beschwerdebild regelmäßig in eine unmögliche Lage, und sie werden in kaum einem Artikel erwähnt.
Sie erleben jemanden, der nachts in die Notaufnahme fährt und gesund zurückkommt. Beim ersten Mal erschrecken sie. Beim fünften Mal reagieren sie genervt, und das merkt der Betroffene sofort. Sie werden um Rückversicherung gebeten, geben sie, merken, dass sie nichts nützt, und geraten zwischen Mitgefühl und Ungeduld. Viele beginnen, das Thema zu meiden, was der Betroffene als Alleingelassenwerden erlebt.
Drei Punkte, die in dieser Lage tatsächlich helfen:
- Wiederholte Beruhigung nützt nichts und schadet langfristig. Der Satz „Dein Herz ist doch gesund“ wirkt für Minuten und verstärkt das Muster. Hilfreicher ist Anwesenheit ohne Kommentar.
- Nicht die Kontrollhandlungen übernehmen. Wer den Puls für den Betroffenen misst oder die Befunde für ihn nachliest, wird Teil des Systems, das die Beschwerden aufrechterhält.
- Die Beschwerden nicht anzweifeln. Der Satz „Da ist doch nichts“ trifft den wundesten Punkt und ist sachlich falsch: Es ist etwas, nur nicht dort, wo gesucht wurde.
Teil 4: Was Sie selbst tun können
Wenn es die erste Episode war
Dieser Abschnitt gilt für Sie, wenn das Ganze neu ist und Sie noch keine Abklärung hinter sich haben. Dann ist die Reihenfolge eine andere als im Rest dieses Artikels.
- Gehen Sie zum Arzt, und zwar vollständig. Nicht einmal zum Hausarzt, sondern durch das Programm aus Teil 2. Alles, was in diesem Artikel steht, gilt erst danach.
- Nehmen Sie die Abklärung ernst genug, um sie einmal richtig zu machen, und dann nicht ernster. Der häufigste Fehler ist nicht, zu wenig abzuklären, sondern dieselbe Abklärung zwölfmal zu wiederholen.
- Notieren Sie, bevor Sie hingehen, was Sie beobachtet haben: wann, wie lange, wie es begann und wie es endete, was Sie davor getan und gegessen haben. Das ist für die Diagnose oft wertvoller als ein weiteres Langzeit-EKG.
- Fangen Sie nicht an, den Puls zu überwachen. In den ersten Wochen entscheidet sich, ob aus einem Ereignis ein Muster wird, und die Überwachung ist der Weg dorthin.
- Schränken Sie Ihr Leben nicht vorsorglich dauerhaft ein. Bis zur Abklärung richten Sie körperliche Belastung nach den ärztlichen Empfehlungen; treten die Beschwerden gerade unter Belastung auf, gehört das ausdrücklich angesprochen. Was in dieser Phase ohne Grund wegfällt, kommt erfahrungsgemäß schwer zurück.
Wer in dieser Phase richtig handelt, hat gute Aussichten, dass daraus nie ein Beschwerdebild wird. Die Phasen 2 bis 4 aus Teil 3 sind vermeidbar, aber nur an ihrem Anfang.
Während einer Episode
Vorausgesetzt, Sie sind vollständig abgeklärt und es liegen keine der oben genannten Warnzeichen vor. Trifft eines davon zu, gilt dieser Abschnitt nicht für Sie.
- Nicht anhalten. Der erste Reflex ist, die Luft anzuhalten und in sich hineinzuhorchen. Das erhöht die Anspannung und verlängert die Episode.
- Länger ausatmen als einatmen. Die Ausatmung aktiviert die vagale Bremse. Ein Verhältnis von etwa vier Sekunden ein zu sechs oder acht Sekunden aus, ohne Anstrengung und ohne tiefes Einatmen. Der häufigste Fehler ist, bewusst tief einzuatmen, weil das die Hyperventilation verstärkt.
- Weiteratmen und weitermachen. Wenn Sie gerade etwas tun, tun Sie es weiter. Das ist die konkreteste Form dessen, was weiter oben beschrieben wurde: den Vorgang nicht abbrechen.
- Nicht messen. Kein Puls, keine Uhr, kein Blutdruckgerät. Der Messwert verändert nichts an der Situation und macht die Aufmerksamkeit auf das Herz fest.
- Die Position wechseln und sich bewegen. Aufstehen, ein paar Schritte gehen, sich strecken. Bewegung verändert die vegetative Lage in die richtige Richtung, Stillhalten in die falsche.
- Sich innerlich auf das beziehen, was Sie bereits wissen. Nicht als Beschwichtigung, sondern als Feststellung: Wenn es sich um das Ihnen bekannte, kardiologisch abgeklärte Muster handelt, kennen Sie diese Episode. Sie wissen aus den bisherigen Verläufen, dass sie wieder abklingt. Lassen Sie die Reaktion ablaufen, ohne sie zusätzlich zu kontrollieren.
Was Sie nicht tun sollten, sind Handgriffe und Manöver, die Sie irgendwo gelesen haben, um den Rhythmus zu beeinflussen. Dazu gehört insbesondere jeder Druck am Hals. Solche Manöver haben in der Medizin ihren Platz, aber unter ärztlicher Anleitung und nach gestellter Diagnose, nicht in Eigenregie auf dem Sofa.
Was im Alltag trägt
Atmung
Zwei Mal täglich fünf bis zehn Minuten langsame Atmung mit verlängerter Ausatmung, etwa sechs Atemzüge pro Minute. Das ist die am besten belegte nichtmedikamentöse Maßnahme zur Anhebung der Variabilität. Wichtig ist die Regelmäßigkeit, nicht die Dauer, und der Verzicht auf Anstrengung: Es geht nicht um tiefes Einatmen, sondern um langsames Ausatmen.
Bewegung
Regelmäßige Ausdauerbelastung im moderaten Bereich ist das wirksamste Mittel, um die vegetative Regulation wiederherzustellen, und gleichzeitig das erste, was gestrichen wird. Voraussetzung ist die kardiologische Freigabe, die bei unauffälligem Befund in aller Regel vorliegt. Der Wiedereinstieg sollte langsam und planmäßig erfolgen, nicht nach Tagesform, weil sonst die Angst über die Dosierung entscheidet.
Schlaf
Feste Zeiten, kein Alkohol am Abend, kein spätes großes Essen. Das letzte Essen mindestens drei Stunden vor dem Hinlegen, weil ein voller Magen über das Zwerchfell und über die vagale Lage direkt auf die Rhythmusereignisse wirkt. Wer nachts wach liegt und das Herz überwacht, steht besser kurz auf, als liegen zu bleiben.
Substanzen
Koffein und Alkohol probeweise für drei bis vier Wochen konsequent weglassen und beobachten, statt beides in Schüben zu reduzieren. Bei Alkohol den Zusammenhang mit der folgenden Nacht und dem Folgetag beachten, nicht mit dem Moment des Trinkens.
Was Sie nicht zusätzlich tun sollten
Keine neuen Messgeräte, keine Selbst-EKGs, keine Tracking-Apps, keine Symptomtagebücher mit Häufigkeitszählung. Das Beobachten ist Teil des Problems, und jedes neue Werkzeug gibt ihm eine neue Beschäftigung. Wenn Sie etwas festhalten wollen, dann Situationen und Umstände, nicht Zahlen.
Der Übergang vom Arbeitstag in den Abend
Dieser Abschnitt richtet sich an die Gruppe aus dem Abschnitt über Führungskräfte, also an alle, deren Episoden ausschließlich nach der Belastung kommen und nie währenddessen.
Auch hier gilt die Einordnung aus Teil 1: Der Korridorgedanke ist mein Arbeitsmodell. Was sich daraus praktisch ableitet, ist trotzdem naheliegend. Der kritische Punkt ist weder die Belastung noch die Erholung, sondern der Übergang zwischen beiden. Ein System, das aus voller Aktivierung binnen Minuten in Ruhe wechseln soll, macht das als Sprung. Ein System, dem man zwanzig Minuten dafür gibt, macht es eher als Kurve. Dass abrupte vegetative Umschwünge Extraschläge begünstigen, ist der gesicherte Teil daran.
Praktisch heißt das: Zwischen den letzten Termin und den Abend gehört etwas, das weder Arbeit noch Ruhe ist. Was, ist zweitrangig, solange es drei Bedingungen erfüllt. Es ist körperlich, es ist anspruchslos, und es ist jeden Tag dasselbe.
- Zwanzig Minuten zügig gehen, bevor das Haus betreten wird. Die wirksamste und am seltensten befolgte Maßnahme.
- Der letzte Teil des Heimwegs ohne Telefonat und ohne Podcast.
- Fünf bis zehn Minuten langsame Atmung mit verlängerter Ausatmung, bevor irgendetwas anderes beginnt.
- Keine Mails mehr nach einem festen Zeitpunkt. Nicht wegen der Mails, sondern weil die Erreichbarkeit den Abfall der Aktivierung verhindert.
- Am Sonntag denselben Übergang einbauen, den Sie werktags haben. Der leere Sonntagnachmittag ist bei dieser Gruppe der häufigste Zeitpunkt für Episoden, weil es an ihm keinen Übergang gibt, sondern nur einen Abbruch.
In meiner Praxis verändert dieser Übergang bei manchen Patienten bereits die Häufigkeit oder die Heftigkeit der Episoden. Er ersetzt die Behandlung nicht, weil er nur die Tagesanspannung betrifft und nicht das, was aus früheren Jahren stammt. Er kostet aber wenig und ist einer der wenigen Punkte, an denen Sie sofort selbst etwas verändern können.
Was Sie beim nächsten Arztbesuch sagen sollten
Ein praktischer Abschnitt, weil viele Betroffene aus Untersuchungen herauskommen, ohne dass die entscheidende Information angekommen wäre. Ärzte haben wenig Zeit, und was in den ersten zwei Sätzen nicht gesagt wird, kommt oft gar nicht mehr vor.
Was Sie von sich aus nennen sollten:
- Wie die Episode beginnt und endet. Schlagartig wie ein Schalter oder ansteigend und langsam abklingend. Das ist die wichtigste einzelne Information und entscheidet über die Verdachtsrichtung.
- Ob Sie währenddessen den Puls gefühlt haben und ob er regelmäßig oder unregelmäßig war.
- Zu welcher Tageszeit und in welcher Situation es auftritt, insbesondere ob in Ruhe oder unter Belastung.
- Ob Sie schnarchen, morgens unerholt aufwachen oder tagsüber müde sind. Das führt zur Frage nach einer schlafbezogenen Atmungsstörung, die sonst nicht gestellt wird.
- Ob Ihnen beim Aufstehen schwindlig wird oder das Herz rast. Das führt zum Schellong-Test.
- Alle Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und Sprays, auch die, die Sie für harmlos halten.
- Wie viel Alkohol tatsächlich, nicht gerundet.
Was Sie ausdrücklich erfragen können, falls es nicht von selbst kommt:
- Ob bei seltenen Ereignissen ein Ereignisrekorder statt eines 24-Stunden-EKG sinnvoll wäre.
- Ob Schilddrüsenwerte und Ferritin bestimmt wurden, nicht nur das Blutbild.
- Ob eine schlafbezogene Atmungsstörung in Betracht kommt.
Und ein Hinweis, der unfair klingt und trotzdem stimmt: Wer im Untersuchungszimmer damit beginnt, dass er wohl ein Angstproblem habe, bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit keine vollständige Abklärung mehr. Schildern Sie zuerst die Beobachtung, dann erst Ihre Einordnung.
Was nicht hilft und warum
Wiederholte Rückversicherung
Der zwölfte unauffällige Befund wirkt kürzer als der elfte. Die Beruhigung nutzt sich ab, und die Suche danach verstärkt das Muster. Das ist der am besten belegte Mechanismus im ganzen Feld.
Magnesium als Allheilmittel
Magnesium kann helfen, besonders bei tatsächlichem Mangel. Es ist aber keine Behandlung einer vegetativen Dysregulation. Wer seit zwei Jahren Magnesium nimmt und weiterhin Episoden hat, hat die Antwort bereits.
Betablocker als Dauerlösung ohne Ursachenklärung
Betablocker sind sinnvoll und manchmal notwendig. Sie dämpfen die Wirkung von Adrenalin am Herzen und können dadurch Herzfrequenz, Rhythmuswahrnehmung und auch Parameter der autonomen Regulation verändern. Sie behandeln jedoch nicht automatisch die Faktoren, die zu einer anhaltenden Aktivierung beitragen. Über Verordnung, Dosierung und Absetzen entscheidet ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Setzen Sie nie eigenmächtig ab.
Reine Entspannungsverfahren
Autogenes Training und progressive Muskelentspannung sind wirksame Verfahren und für viele Menschen hilfreich. Bei einem Teil der Patienten mit diesem Beschwerdebild reichen sie allein nicht aus, weil sie an der Symptomebene ansetzen. Und bei manchen mit stark ausgeprägter Körperüberwachung lösen sie Episoden aus, weil die nach innen gerichtete Aufmerksamkeit genau das trainiert, was ohnehin zu stark ist. Wenn Sie zu dieser Gruppe gehören, ist das kein Zeichen dafür, dass Sie es falsch machen.
Reine Aufklärung
Zu verstehen, was passiert, ist notwendig und allein nicht ausreichend. Fast alle meine Patienten wissen bei Behandlungsbeginn bereits sehr genau, dass ihr Herz gesund ist. Sie wissen es und spüren trotzdem das Gegenteil. Wissen erreicht das vegetative Nervensystem nicht.
Vermeidung und Schonung
Der naheliegendste Weg und der schädlichste. Jede vermiedene Belastung senkt die Belastbarkeit, jede gestrichene Situation macht die nächste schwerer, und die körperliche Dekonditionierung verstärkt genau die Symptome, vor denen man sich schützen wollte.
Wenn Sie das meiste davon bereits versucht haben: Genau an diesem Punkt beginnt die Behandlung. Terminvereinbarung unter 089/23068977.
Teil 5: Die Behandlung
Aus dem bisher Beschriebenen ergibt sich die Aufgabe von selbst. Es geht darum, die gebundene Erregung zu Ende zu bringen und dem Atem seinen Spielraum zurückzugeben. Dafür setze ich zwei Behandlungsmethoden ein: die aufdeckende Hypnose und die Körperpsychotherapie einschließlich der Atemtherapie. Beide greifen ineinander und werden nicht nacheinander abgearbeitet.
Dazu kommen Gespräche. Sie sind keine dritte Methode, sondern begleiten die Behandlung und haben eine klar umrissene Aufgabe: Sie helfen Ihnen, die Gewohnheiten zu verändern, die sich um die Beschwerden herum gebildet haben. Warum das nötig ist und warum es nicht von selbst geschieht, steht weiter unten.
Erste Methode: Aufdeckende Hypnose
Die aufdeckende Hypnose, die Hypnoanalyse, setzt genau an dem Punkt an, an dem die Erregung abgespalten wurde. Sie sucht nicht Entspannung, sondern den Zugang zu der Situation, in der die Reaktion nicht zu Ende geführt werden konnte, und bringt sie dort zu Ende, wo sie liegen geblieben ist. Fachlich heißt das Abreagieren: Es werden emotional belastende Erfahrungen und Reaktionsmuster bearbeitet, die bislang nicht ausreichend verarbeitet wurden.
Die Bezeichnungen aufdeckende Hypnose, auflösende Hypnose und Hypnoanalyse meinen dasselbe Verfahren.
Aufdeckend und zudeckend: der entscheidende Unterschied
Hypnose ist kein einheitliches Verfahren, und diese Unterscheidung ist für Ihr Beschwerdebild wichtiger als jede andere Frage zur Methode.
Die zudeckende Hypnose arbeitet symptomorientiert mit Suggestionen. Dem Patienten wird in Trance gesagt, sein Herz schlage ruhig und gleichmäßig, er sei entspannt und sicher. Das kann wirksam sein, und für manche Menschen und manche Situationen ist es das Mittel der Wahl. Es setzt an der Symptomebene an und nicht an dem, was zu der anhaltenden Aktivierung beiträgt.
Mein Schwerpunkt liegt nicht auf der symptomorientierten Suggestion, sondern auf der aufdeckenden Arbeit. Dabei geht es darum, zu verstehen, welche Belastungs- und Reaktionsmuster zu der anhaltenden Aktivierung beitragen, und diese zu bearbeiten. Typische Werkzeuge sind die direkte Regression, mit der ein Patient in das ursprüngliche Erleben zurückgeführt wird, das Abreagieren der dort nicht verarbeiteten Emotionen und die Arbeit mit dem inneren Kind, bei der die damalige Situation das bekommt, was ihr gefehlt hat. Häufig führt dieser Weg in die frühe Kindheit, auch bei Beschwerden, die erst im Erwachsenenalter aufgetreten sind.
Ich beschreibe das so ausführlich, damit Sie wissen, worauf Sie sich einlassen, und nicht, um ein Verfahren gegen ein anderes auszuspielen. Für Hypnotherapie bei funktionellen Beschwerden gibt es klinische Belege. Dass die aufdeckende Variante der suggestiven bei Herzbeschwerden überlegen wäre, ist nicht belegt, und ich behaupte es nicht. Was ich sagen kann, ist, womit ich arbeite und warum: weil sich in meiner Praxis regelmäßig zeigt, dass hinter der anhaltenden Anspannung etwas steht, das bearbeitet werden will, und weil eine Suggestion daran vorbeigeht.
Ich sage außerdem offen, wie sich das anfühlt, weil gerade Herzpatienten das wissen sollten. Wenn eine gebundene Erregung im Erleben ankommt, steigt kurzfristig die Aktivierung. Der Puls geht hoch, der Körper reagiert. Das ist nicht das, was der Patient sich erhofft hat, und genau deshalb erkläre ich vorher jeden Schritt, arbeite dosiert und sorge dafür, dass der Patient in jedem Moment weiß, was gerade geschieht. Was danach eintritt, ist regelmäßig das Gegenteil: ein Zustand, den die meisten Patienten so tief entspannt seit Jahren nicht kannten.
Die aufdeckende Hypnose erreicht dabei nicht nur den Konflikt, sondern auch das, was der Körper daraus gemacht hat. Ein Atemmuster, eine Haltung, eine Daueranspannung des Zwerchfells sind nicht bewusst gesteuert, und genau deshalb sind sie in Trance zugänglich und veränderbar. Der Zugang über die Sprache endet also nicht an der Grenze zum Körperlichen. Er beginnt dort erst.
Die aufdeckende Hypnose wird nur selten angeboten. Sie ist mein methodischer Schwerpunkt, und ich behandle damit auch Traumatisierungen.
Zweite Methode: Körperpsychotherapie und Atemtherapie
Die zweite Methode setzt direkt an der Variabilität an. Solange das Zwerchfell festgehalten wird und die Atmung im oberen Brustkorb bleibt, fehlt dem Herzen der Rhythmusgeber, aus dem seine Variabilität zum größten Teil entsteht.
Der erste Schritt ist denkbar einfach und für die meisten Patienten trotzdem neu: Ich lasse den Patienten zeigen, wo das Druck- oder Engegefühl im Körper am stärksten ist. Bei Herzpatienten liegt dieser Punkt fast nie dort, wo das Herz liegt. Er liegt an den unteren Rippen, am Übergang zum Bauch, seitlich unter dem Rippenbogen oder im unteren Rücken.
Das ist kein Zufall. Die Muskeln, die hier regelmäßig unter Dauerspannung stehen, sind die an den unteren Rippen ansetzende Atemmuskulatur, die tiefen Zwerchfellschenkel, die am unteren Rücken an der Wirbelsäule ansetzen, und Teile der Brustmuskulatur. Diese drei Gruppen halten den Atem oben und erzeugen gleichzeitig genau die Empfindungen, die dem Herzen zugeschrieben werden: Enge, Druck, ein Stechen beim Einatmen, das Gefühl, nicht durchzukommen.
In der integrativen Atemtherapie erforsche ich dann gemeinsam mit dem Patienten durch sanfte Berührungen und kleine, achtsame Bewegungen, welche dieser Muskeln die Atmung blockieren. Wer zunächst wieder spürt, wo er unbewusst Spannung erzeugt, und dann versteht, wie diese Spannung mit seinem Atem zusammenhängt, dessen Schutzmuster öffnen sich nach und nach. Genau das ist der Weg aus der sensomotorischen Amnesie: Erst kommt die Wahrnehmung zurück, dann die Kontrolle. Ergänzend arbeite ich mit sensomotorischen Methoden an der Muskelspannung selbst und am Körperbewusstsein, damit das Erreichte auch in Belastungsphasen trägt.
Bei Herzrhythmusstörungen bringt die Körperarbeit oft die schnellste spürbare Veränderung, weil sie unmittelbar an dem Mechanismus ansetzt, der die Erregbarkeit des Herzmuskels erhöht. Sie ersetzt die Hypnose nicht: Ein Zwerchfell, das etwas festhält, wird sich dauerhaft nur lösen, wenn das, was es festhält, bearbeitet wird.
Zwei Zugänge zu derselben Sache
Der umgekehrte Schluss wäre allerdings falsch, und er wird häufig gezogen: dass ein eingeschliffenes Atemmuster nur über den Körper zu erreichen sei und nicht über die Sprache. Das stimmt nicht.
Ein Atemmuster lässt sich auch in der Hypnose umlernen, und zwar aus demselben Grund, aus dem es überhaupt entstanden ist: Es wird nicht bewusst gesteuert. Der Einwand, man könne ein Muster, das man nicht spürt, nicht über Worte verändern, gilt für Anweisungen im Wachzustand. Für die Trancearbeit gilt er nicht, denn deren ganzer Sinn besteht darin, das zu erreichen, was der bewussten Steuerung entzogen ist. In Trance ist der Atem zugänglich, das ursprüngliche freie Muster lässt sich wiederfinden, und es lässt sich so verankern, dass es im Alltag trägt.
Die beiden Verfahren sind deshalb keine zwei Zuständigkeiten, sondern zwei Zugänge zu derselben Sache. Welcher im Vordergrund steht, entscheidet sich am Patienten und nicht an einer Regel: Manche Menschen arbeiten sehr gut mit Trance und brauchen wenig Körperarbeit. Andere sind über den Körper schneller erreichbar. Wieder andere möchten oder können nicht berührt werden, und dann läuft die Arbeit über die Sprache.
Einen Vorteil hat die Körperarbeit bei genau diesem Beschwerdebild trotzdem, und er liegt nicht in der Wirkung, sondern im Beweis. Wenn ein Patient unter meiner Hand spürt, dass der Druck, den er seit Monaten seinem Herzen zuschreibt, aus einem Muskel am Rippenbogen kommt und sich unter Berührung verändert, ist das eine Erfahrung, die kein Satz ersetzt. Das Kernproblem dieser Patienten ist die falsche Zuordnung einer Körperempfindung. Eine falsche Zuordnung wird am schnellsten durch eine gegenteilige Erfahrung korrigiert.
Dazu: Gespräche, die helfen, Gewohnheiten zu verändern
Um die beiden Verfahren herum wird gesprochen, und zwar aus einem bestimmten Grund. Wenn die gebundene Erregung aufgelöst und die Atmung wieder frei ist, ist die Ursache behandelt. Was dann noch übrig bleibt, sind die Gewohnheiten, die sich in den Jahren davor gebildet haben, und die verschwinden nicht mit der Ursache. Sie sind eingeübt.
Eine Hand, die seit drei Jahren beim Einschlafen auf der Brust liegt, liegt auch in der Woche nach einer erfolgreichen Sitzung dort. Ein Blick auf die Uhr, der tausendmal erfolgt ist, erfolgt auch dann noch, wenn es nichts mehr zu kontrollieren gibt. Ein Sport, der seit zwei Jahren gemieden wird, wird nicht dadurch wieder aufgenommen, dass der Grund für das Meiden weggefallen ist. Und solange diese Gewohnheiten bestehen, halten sie einen Teil der Aufmerksamkeit auf dem Herzen fest und damit einen Teil der Anspannung.
Die Gespräche haben deshalb drei Aufgaben.
Erstens das Verstehen des Vorgangs, und zwar so gut, dass Sie ihn im Moment des Auftretens erkennen. Wer weiß, dass gerade etwas zu Ende gebracht wird und nicht etwas kaputtgeht, bricht nicht ab. Das allein verändert den Verlauf einer Episode erheblich.
Zweitens das Auflösen der Kontrollgewohnheiten: des Messens, des Abtastens, des Nachfragens, der Recherche, des Mitführens von Notfallmitteln. Das geschieht nicht durch Verbote und nicht auf einmal, sondern indem wir uns anschauen, welche dieser Gewohnheiten was leisten soll und was sie tatsächlich bewirkt. Die meisten lösen sich auf, sobald der Patient sieht, dass sie das Gegenteil dessen tun, wofür er sie eingeführt hat.
Drittens die Rückgewinnung dessen, was Sie eingeschränkt haben. Das läuft in kleinen, vorher besprochenen Schritten und nicht nach Tagesform, weil sonst die Angst über die Dosierung entscheidet. Sport ist dabei fast immer der wichtigste Punkt.
Ich nenne das bewusst Gespräche und nicht Verhaltenstherapie. Ich wende kein manualisiertes Programm an und arbeite nicht mit Übungsplänen und Protokollen. Was hier stattfindet, ist die Nacharbeit zu dem, was in den beiden Verfahren geschehen ist, damit der Alltag nachzieht.
Hilfe zur Selbsthilfe
Ein Teil meines Vorgehens besteht immer darin, dem Patienten Mittel in die Hand zu geben, mit denen er sich künftig selbst helfen kann. Das ist bei diesem Beschwerdebild kein Zusatz, sondern ein tragender Teil des Ergebnisses: Wer weiß, dass er in einer Belastungsphase selbst etwas tun kann, verliert einen erheblichen Teil der Angst vor der nächsten Belastungsphase.
Zwei Dinge lernen meine Patienten in der Regel. Die Selbsthypnose, mit der sich der vegetative Zustand willentlich verändern lässt, ohne dass ein Therapeut anwesend sein muss. Und die körperpsychotherapeutische Selbstbehandlung der Atemmuskulatur, also die Fähigkeit, die eigenen Zwerchfell- und Rippenmuskeln selbst zu erreichen und zu lösen. Beides ist erlernbar, und beides setzt voraus, dass die Wahrnehmung für diese Muskeln vorher zurückgewonnen wurde.
Der Unterschied zu einer Entspannungsübung aus dem Internet liegt genau darin. Eine Übung, die an Muskeln vorbeigeht, die der Betroffene nicht spürt, bleibt wirkungslos. Dieselbe Übung wird wirksam, sobald die Muskeln wieder zugänglich sind.
Ablauf, Dauer und Grenzen
Ablauf
- Erstgespräch. Wir gehen Ihre Beschwerden, die vorliegenden Befunde und die Lebenssituation durch, in der die Beschwerden begonnen haben. Dabei schaue ich ausdrücklich auf das, was noch nicht abgeklärt ist, und sage Ihnen, wenn zuerst die Medizin an der Reihe ist.
- Körperliche Bestandsaufnahme. Ich sehe mir Ihre Atmung, Ihre Haltung und Ihre Muskelspannung an. Für die meisten Patienten ist das der Moment, in dem sie zum ersten Mal sehen, dass ihre Beschwerden eine körperliche Entsprechung haben, die man anfassen kann.
- Einordnung. Sie bekommen ein Modell davon, wie Ihre Beschwerden entstehen, nicht allgemein, sondern an Ihrem Fall. Das ist kein Vorgeplänkel, sondern ein wirksamer Teil der Behandlung.
- Arbeit an der Ursache mit den beiden Verfahren. Aufdeckende Hypnose zur Auflösung der gebundenen Erregung, Körperpsychotherapie und Atemtherapie an Zwerchfell, Atmung und Muskelspannung, je nachdem, was bei Ihnen im Vordergrund steht.
- Nacharbeit im Gespräch. Auflösen der Kontrollgewohnheiten, Rückgewinnung von Belastbarkeit, Vorgehen für künftige Belastungsphasen.
- Selbsthilfe. Selbsthypnose und Selbstbehandlung der Atemmuskulatur, damit Sie in künftigen Belastungsphasen nicht auf einen Termin angewiesen sind.
Dauer
Die Auflösung der gebundenen Erregung geht häufig deutlich schneller, als Betroffene erwarten. Der Abbau der über Jahre eingeübten Überwachung braucht erfahrungsgemäß länger als die Entladung selbst. Wie lange, hängt davon ab, in welcher der vier Phasen Sie sich befinden und wie weit die Vermeidung fortgeschritten ist. Ich sage nach dem Erstgespräch, wie ich das in Ihrem Fall einschätze.
Grenzen des Verfahrens
Ich halte es für ein Qualitätsmerkmal, das zu benennen. In folgenden Fällen ist mein Vorgehen nicht das richtige:
- Die Abklärung ist unvollständig oder eines der Warnzeichen aus Teil 2 liegt vor. Dann gehört das zuerst geklärt.
- Es besteht eine behandlungsbedürftige körperliche Ursache wie eine Schlafapnoe oder eine Schilddrüsenerkrankung. Diese gehört zuerst behandelt. Danach kann sich zeigen, dass ohnehin nichts mehr übrig ist.
- Es liegt eine schwere depressive Episode, eine akute Suchterkrankung oder eine Erkrankung vor, die eine ärztliche oder Richtlinienbehandlung erfordert. Dann ist das der vorrangige Weg, und ich sage das im Erstgespräch.
- Sie suchen ausdrücklich eine kassenfinanzierte Behandlung. Als Heilpraktiker für Psychotherapie rechne ich privat ab. Gesetzliche Kassen übernehmen das nicht, private und Beihilfestellen je nach Tarif unterschiedlich.
Befinden Sie sich bereits in psychotherapeutischer Behandlung, lassen sich Hypnose und Körperarbeit gut ergänzend einsetzen. Das sollte mit Ihrer Therapeutin oder Ihrem Therapeuten abgestimmt werden.
Terminvereinbarung unter 089/23068977 oder über die Kontaktfunktion. Hilfreich für den ersten Kontakt sind drei Angaben: seit wann die Beschwerden bestehen, welche Untersuchungen bereits stattgefunden haben und in welchen Situationen die Episoden typischerweise auftreten.
Teil 6: Fragen, Glossar, Kontakt
Häufige Fragen
Ist Herzstolpern ohne Befund gefährlich?
Vereinzelte Extraschläge gelten bei strukturell gesundem Herzen in aller Regel als gutartig. Genau deshalb hat man Sie nach Hause geschickt. Bei sehr hoher Häufigkeit gilt das nicht ohne Weiteres, weshalb die Extrasystolenlast im Langzeit-EKG beurteilt gehört. Die Belastung entsteht dann nicht durch den einzelnen Schlag, sondern dadurch, jahrelang in Alarmbereitschaft zu leben. Die medizinische Einschätzung Ihres Falls trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, nicht ich.
Warum findet das Langzeit-EKG nichts?
Weil es 24 Stunden aufzeichnet und Ihre Beschwerden vielleicht zweimal pro Woche auftreten. Und weil es, selbst wenn es Extraschläge aufzeichnet, dieselben Extraschläge zeigt, die beschwerdefreie Menschen ebenfalls haben. Das Gerät misst den Rhythmus, nicht die Regulation dahinter.
Kann man die Herzratenvariabilität nicht einfach messen lassen?
Man kann, und in der Sportmedizin und der Forschung geschieht das regelmäßig. Erwarten Sie davon aber keine Diagnose. Die HRV ist ein Marker der kardialen autonomen Regulation und kein Test auf funktionelle Herzbeschwerden. Sie hängt von Alter, Fitness, Atmung, Schlaf, Alkohol und Medikamenten ab, und ausgerechnet Extrasystolen verfälschen die Messung. Als Verlaufsgröße über Wochen ist sie interessant, als Einzelwert kaum.
Warum kommt es immer abends und nie tagsüber?
Aus zwei Gründen gleichzeitig. Erstens fällt abends der Sympathikus ab und der Vagus übernimmt, und bei niedrigerer Herzfrequenz entstehen Extraschläge leichter. Zweitens ist die Aufmerksamkeit abends frei, sie zu bemerken. Beides addiert sich.
Warum ausgerechnet im Urlaub?
Weil die Entladung dann kommt, wenn der Druck nachlässt, nicht während er anhält. Der Urlaub ist nicht die Ursache, sondern die erste Gelegenheit.
Ich habe doch gar keinen Stress. Wie kann es dann psychisch sein?
Diese Frage kommt fast immer, und sie ist berechtigt. Es geht nicht um den Stress, den Sie heute bewusst erleben. Es geht um Erregung, die irgendwann nicht abgearbeitet werden konnte und seither gebunden ist. Menschen, die sich für belastbar halten und die funktionieren, sind hier eher über- als unterrepräsentiert, weil gerade sie es gut können.
Heißt das, es ist alles nur psychisch?
Nein, das Gegenteil. Die veränderte Variabilität, die Atemmechanik, die Elektrolytverhältnisse an der Herzmuskelzelle und die Muskelspannung sind körperlich und messbar. Sie haben nur eine andere Ursache als die, nach der gesucht wurde.
Ich nehme einen Betablocker. Muss ich den absetzen?
Nein, und nicht in Eigenregie. Über Medikamente entscheidet ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Eine ursachenorientierte Behandlung ist parallel zu einer medikamentösen Therapie möglich.
Hilft Magnesium?
Bei tatsächlichem Mangel ja. Als Behandlung einer vegetativen Dysregulation nein. Wenn Sie es seit Monaten nehmen und weiterhin Episoden haben, kennen Sie die Antwort.
Darf ich Sport machen?
Nach kardiologischer Freigabe nicht nur dürfen Sie, sondern sollten Sie. Regelmäßige moderate Ausdauerbelastung ist eine der wirksamsten Maßnahmen zur Wiederherstellung der vegetativen Regulation. Der Wiedereinstieg gehört geplant und nicht nach Tagesform dosiert.
Kann Kaffee der Auslöser sein?
Bei manchen Menschen ja, bei den meisten weniger, als sie annehmen. Ein sauberer Test ist konsequentes Weglassen über drei bis vier Wochen. Alkohol ist in der Praxis der deutlich häufigere Auslöser, wirkt aber zeitversetzt in der folgenden Nacht, weshalb der Zusammenhang selten auffällt.
Warum spüre ich es, wenn ich mich hinlege, besonders auf der linken Seite?
In Linksseitenlage liegt das Herz näher an der Brustwand, die Schläge sind mechanisch besser spürbar. Zusätzlich wirken Zwerchfell und Magenfüllung in dieser Position stärker. Das ist eine Wahrnehmungsfrage und kein Zeichen einer Verschlechterung.
Kann das vom Nacken oder von der Brustwirbelsäule kommen?
Nicht als alleinige Ursache, aber als Beitrag. Verspannungen im Bereich der oberen Brustwirbelsäule und der Rippengelenke erzeugen Druck- und Stichempfindungen, die dem Herzen zugeschrieben werden, und sie beeinflussen über die Haltung die Atemmechanik.
Ich habe seit COVID Herzrasen. Passt das hier?
Möglicherweise, aber erst nach Abklärung. Nach Virusinfektionen treten Störungen der Kreislaufregulation auf, darunter POTS. Das gehört internistisch abgeklärt, bevor psychotherapeutisch gearbeitet wird.
Kann es die Wechseljahre sein?
Häufig ja, und häufig nicht nur. Die hormonelle Umstellung macht das vegetative System reizbarer. Gleichzeitig fällt diese Lebensphase oft mit erheblichen Belastungen zusammen. Beides gehört berücksichtigt, und keines der beiden schließt das andere aus.
Wie unterscheide ich eine Panikattacke von einer echten Rhythmusstörung?
Nach der Schilderung allein gar nicht sicher, und genau das ist der Grund für die Abklärung. Ein Anhaltspunkt: Beginnt und endet es schlagartig wie ein Schalter und liegt der Puls dabei sehr hoch und sehr regelmäßig, spricht das für eine kardiale Ursache. Steigt es an und klingt es langsam ab, spricht das eher für eine vegetative.
Warum trifft es ausgerechnet Menschen, die viel aushalten?
Weil hoch ist, was übergangen werden kann, und nicht, was das System verträgt. Wer die Signale seines Körpers zuverlässig überhören kann, bekommt keine Zwischenwarnung, sondern die Endmeldung. Dazu kommt, dass die Zeit zum Herunterfahren in diesen Berufen sehr kurz ist, weshalb die Entladung abrupt statt allmählich abläuft.
Muss ich dann weniger arbeiten?
Das ist nicht das Behandlungsziel, und meistens ist es kurzfristig auch nicht verfügbar. Entscheidend ist nicht, wie viel Belastung Sie aushalten, sondern wie schnell Sie danach herunterkommen. Diese Fähigkeit lässt sich wiederherstellen.
Ist das dieselbe Hypnose, die man aus dem Fernsehen kennt?
Nein. Was dort gezeigt wird, ist Showhypnose. Und auch die verbreitete Suggestionshypnose, bei der Ihnen in Trance gesagt wird, Ihr Herz schlage ruhig, ist nicht das, womit ich arbeite. Die aufdeckende Hypnose sucht den unverarbeiteten Konflikt, statt das Symptom zuzudecken. Sie sind dabei durchgehend ansprechbar und erinnern sich hinterher an alles.
Kann ich nicht einfach lernen, richtig zu atmen?
Aus eigener Kraft nur begrenzt, und das liegt nicht am Willen. Muskeln, die über Jahre unbewusst angespannt sind, verschwinden aus der Wahrnehmung. Was Sie im Wachzustand nicht spüren, können Sie auch nicht willentlich entspannen. In der Behandlung ist das Muster dagegen sehr wohl erreichbar, über die Körperarbeit ebenso wie über die Trance, weil beide nicht auf bewusste Steuerung angewiesen sind. Danach wirken auch die Übungen, die vorher nichts gebracht haben.
Was ist, wenn während der Behandlung doch etwas Organisches auffällt?
Dann schicke ich Sie zum Arzt. Ich behandle keine akuten Beschwerden und ersetze keine kardiologische Betreuung.
Kann ich kommen, wenn ich bereits in Psychotherapie bin?
Ja. Das ist häufig sinnvoll. Sprechen Sie es mit Ihrer Therapeutin oder Ihrem Therapeuten ab.
Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung?
Als Heilpraktiker für Psychotherapie rechne ich privat ab. Gesetzliche Kassen übernehmen das nicht. Private Kassen und Beihilfestellen erstatten je nach Tarif unterschiedlich.
Glossar
- Extrasystole: zusätzlicher Herzschlag außerhalb des regulären Rhythmus.
- Herzratenvariabilität (HRV): Schwankung der Abstände zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen; ein Marker der kardialen autonomen Regulation.
- Hypokapnie: zu niedriger Kohlendioxidgehalt im Blut, Folge von zu viel Atmung.
- Interozeption: Wahrnehmung des eigenen Körperinneren.
- Palpitationen: bewusstes Spüren des eigenen Herzschlags.
- Parasympathikus: Teil des vegetativen Nervensystems, zuständig für Erholung und Regeneration. Am Herzen vor allem über den Nervus vagus.
- POTS: posturales Tachykardiesyndrom, übermäßiger Pulsanstieg beim Aufstehen ohne Blutdruckabfall.
- Respiratorische Sinusarrhythmie: die atemabhängige Schwankung der Herzfrequenz, größter Einzelbeitrag zur HRV.
- Sensomotorische Amnesie: Begriff von Thomas Hanna für den Verlust der bewussten Wahrnehmung und Steuerbarkeit dauerhaft angespannter Muskeln. Ein Modell aus der Körperarbeit, keine neurologische Diagnose.
- Sympathikus: Teil des vegetativen Nervensystems, zuständig für Aktivierung und Leistungsbereitschaft.
- Vagus: der wichtigste parasympathische Nerv, bremst die Herzfrequenz.
- Vegetatives Nervensystem: der nicht willentlich steuerbare Teil des Nervensystems, der Organe, Kreislauf und Stoffwechsel reguliert.
Über mich
Martin Rosenauer, Diplom-Psychologe (univ.), Heilpraktiker für Psychotherapie. Praxis in München. Über 5.000 klinische Sitzungen. Klinische Schwerpunkte sind Angst-, Panik- und Schlafstörungen sowie psychosomatische Beschwerdebilder, darunter chronische Schmerzen, Beschwerden des Bewegungsapparats und funktionelle Herzbeschwerden. Methodischer Schwerpunkt ist die aufdeckende Hypnose, ein selten angebotenes Verfahren, mit dem ich auch Traumatisierungen behandle. Vier Jahre tätig am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in der Forschungsgruppe von Gerd Gigerenzer. Ich bilde außerdem andere Behandler aus.
Verwandte Beiträge
- Panikattacken und Panikstörung
Wenn die Angst von Anfang an dabei ist und nicht erst als Reaktion auf das Herzereignis kommt. - Absencen und Aussetzer ohne klaren Befund
Wegtreten, Benommenheit und Sekunden der Abwesenheit: was zuerst neurologisch abgeklärt gehört und wann Atmung und Anspannung beteiligt sind. - Schmerzgedächtnis löschen? Was wirklich passiert
Warum Schmerzen bleiben, obwohl die Ursache behandelt ist, und warum nichts gelöscht, sondern abgelöst wird.
Kontakt und Terminvereinbarung
Der erste Schritt ist ein Gespräch, in dem wir Ihre Beschwerden und Ihre Befunde durchgehen. Sie erfahren darin auch, wenn ich der Meinung bin, dass zuerst etwas anderes abzuklären ist.
Online-Terminbuchung über jameda. Alternativ telefonisch unter 089/23068977 oder über die Kontaktfunktion.
Anmerkung und Literatur
Anmerkung
Lassen Sie Ihre Beschwerden immer klassisch medizinisch abklären. Akute Beschwerden gehören in die Hände der Schulmedizin. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Diagnose und keine kardiologische Behandlung. Er beschreibt mein Vorgehen und meine klinische Erfahrung und stellt kein Heilungsversprechen dar.
Literatur
Herzratenvariabilität und autonome Regulation
- Sammito, S., Thielmann, B. & Böckelmann, I. (2024): Update: factors influencing heart rate variability. A narrative review. Frontiers in Physiology, 15:1430458.
- Quigley, K. S. et al. (2024): Publication guidelines for human heart rate and heart rate variability studies in psychophysiology. Part 1: Physiological underpinnings and foundations of measurement. Psychophysiology, 61(9):e14604.
- Hayano, J. & Yuda, E. (2019): Pitfalls of assessment of autonomic function by heart rate variability. Journal of Physiological Anthropology, 38:3.
- Shaffer, F. & Ginsberg, J. P. (2017): An overview of heart rate variability metrics and norms. Frontiers in Public Health, 5:258.
- Thayer, J. F. & Lane, R. D. (2000): A model of neurovisceral integration in emotion regulation and dysregulation. Journal of Affective Disorders, 61, S. 201-216.
Atmung und Herz
- Grossman, P. & Taylor, E. W. (2007): Toward understanding respiratory sinus arrhythmia. Relations to cardiac vagal tone, evolution and biobehavioral functions. Biological Psychology, 74, S. 263-285.
- Lehrer, P. M. & Gevirtz, R. (2014): Heart rate variability biofeedback. How and why does it work? Frontiers in Psychology, 5:756.
- Hymes, A. & Nuernberger, P. (1980): Breathing patterns found in heart attack patients. Research Bulletin of the Himalayan International Institute, 2(2), S. 10-12.
Extrasystolen und Rhythmusstörungen
- Attachaipanich, T., Thiravetyan, B., Tribuddharat, N., Jaroonpipatkul, S. & Navaravong, L. (2024): Premature ventricular contraction-induced cardiomyopathy. Contemporary evidence from risk stratification, pathophysiology, and management. Journal of Clinical Medicine, 13(9):2635.
- Sheldon, R., Grubb, B., Olshansky, B. et al. (2015): 2015 Heart Rhythm Society expert consensus statement on the diagnosis and treatment of postural tachycardia syndrome, inappropriate sinus tachycardia, and vasovagal syncope. Heart Rhythm, 12, S. e41-e63.
- Raj, S. R. (2013): Postural tachycardia syndrome (POTS). Circulation, 127, S. 2336-2342.
Funktionelle Herzbeschwerden und Psychokardiologie
- Herrmann-Lingen, C. (2019): Psychokardiologie. Aktuelle Leitlinien und klinische Realität. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, 69, S. 237-252.
- Herrmann-Lingen, C., Albus, C. & Titscher, G. (Hrsg.) (2020): Psychokardiologie. Ein Praxisleitfaden für Ärzte und Psychologen. 3. Auflage, Springer, Berlin/Heidelberg.
- DKPM, DGPM, DEGAM et al. (2018): S3-Leitlinie Funktionelle Körperbeschwerden. AWMF-Registernummer 051-001.
- Morschitzky, H. (2007): Somatoforme Störungen. Diagnostik, Konzepte und Therapie bei Körpersymptomen ohne Organbefund. Springer, Wien.