Hypnose bei unerfülltem Kinderwunsch

Wie Hypnosetherapie bei der Suche nach dem Baby helfen kann unerkannte, emotionale Blockaden lösen

Etwa 10 Prozent der Paare in Deutschland im Alter zwischen 25 und 59 Jahren haben einen unerfüllten Kinderwunsch. Unter den 30- bis 34-Jährigen macht ihr Anteil sogar etwa 45 Prozent aus[1] – fast die Hälfte der Paare in dieser Altersgruppe, die mitten in der Familienplanung steht, ist also hierzulande betroffen. Die Zahlen steigen seit Jahren an. Für die Betroffenen beginnt oft ein langer, ungewisser Weg. Bei ca. 67 Prozent der Frauen und Männer mit Wunsch nach einem Baby lassen sich dennoch keine medizinischen Ursachen für eine Kinderlosigkeit feststellen[2] und dadurch sind auch die Erfolgsquoten der oft teuren Kinderwunschbehandlungen in den Kinderwunschkliniken leider nicht besonders hoch. Dieser Artikel geht deswegen auf emotionale Blockaden wie Ängste und Selbstzweifel bei Frauen mit Kinderwunsch und der Überwindung dieser Blockaden mit Hypnose ein.

Hypnose bei erektiler Dysfunktion | Diplom Psychologe Martin Rosenauer

Unerfüllter Kinderwunsch – Bedrohung für das Ideal der perfekten Familie

Hypnose Geburtsvorbereitung Hypnosebirthing

Ein Baby ist nicht dazu da eine emotionale Lücken aufzufüllen oder Kindheitswunden der Mutter zu heilen

1. Zahlen und Fakten

Hinter all den Statistiken stehen Liebe, Lebensträume und Sehnsüchte nach dem Glück als Familie: Zu den Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch zählen neben Paaren ohne Kinder auch jene, in denen einer der Partner bereits Kinder aus einer früheren Beziehung hat – sowie Paare, die bereits gemeinsam Eltern sind und sich weitere Kinder wünschen. Ihr Anteil in Deutschland ist hoch und in den letzten Jahren stets weiter angestiegen.

  • Bezogen auf die Gesamtheit aller Kinderlosen geben 42 Prozent der 25- bis 29-Jährigen sowie ganze 45 Prozent der 30- bis 34-Jährigen an, einen unerfüllten Kinderwunsch zu haben. Mit 36 Prozent bleibt ihr Anteil auch unter den 35- bis 39-Jährigen auf hohem Niveau.
  • Unter den 40- bis 44-Jährigen geben 24 Prozent an, sich ein Kind zu wünschen, in der Altersgruppe der 45- bis 50-Jährigen immerhin noch 13 Prozent.[3] Nur wenige davon haben es bereits mit Hypnose versucht.

Die Zahlen zeigen, dass viele Paare den Wunsch nach einem Baby nicht aufgeben möchten und sich von ihrem Kinderwunsch nie wirklich verabschiedet haben. Experten sprechen gemäß der medizinischen Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von ungewollter Kinderlosigkeit, wenn sich bei einem Paar trotz ungeschützten und regelmäßigen Geschlechtsverkehrs eine Schwangerschaft nicht innerhalb von einem Jahr einstellt.

Es ist zunächst nicht ungewöhnlich, dass einige Zyklen vergehen, bis eine Frau schwanger wird – je nach Alter der Frau beträgt die Dauer durchschnittlich etwa 6 Monate. Rund jede dritte Frau wartet dennoch länger als ein Jahr auf einen positiven Schwangerschaftstest. Nicht bei jedem Geschlechtsverkehr erfolgt eine Befruchtung und die Fruchtbarkeit unterliegt im Laufe des Lebens auch bei gesunden Frauen und Männern ganz natürlichen Schwankungen – beispielsweise in stressigen Phasen.

2. Ursachen hinter einem unerfüllten Kinderwunsch

Eigentlich könnte alles perfekt sein – die Partnerschaft ist harmonisch, das Berufsleben erfolgreich und die Vorfreude auf Nachwuchs groß. Eine Schwangerschaft mag sich jedoch einfach nicht ankündigen. Worin liegen die Ursachen? 

Organische Ursachen

Die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern nimmt im Laufe der Jahre ab. Der männliche Körper ist zwar darauf angelegt, zeitlebens Spermien produzieren, jedoch verringert sich deren Qualität und Schnelligkeit mit zunehmendem Alter. Bei Frauen beginnt die Fruchtbarkeit bereits ab dem jungen Erwachsenenalter mit ca. 26 Jahren langsam zu sinken. Während die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft pro Zyklus im Alter von 32 Jahren noch bei etwa 20 Prozent liegt, besteht im Alter von 40 Jahren pro Zyklus nur noch eine ca. 7-prozentige Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Befruchtung. Das reproduktive Fenster, also der Zeitraum, in dem eine Frau schwanger werden kann, ist begrenzt. Frauen verfügen bereits bei ihrer Geburt über all ihre Eizellen – diese haben also das gleiche Alter wie die Frau.

Neben dem Lebensalter wird eine wenig achtsame Lebensweise, etwa mit Zigaretten- sowie übermäßigem Alkoholkonsum, mit Zyklusschwankungen der Frau bzw. Störungen der Spermienproduktion des Mannes in Verbindung gebracht. Als Risikofaktoren gelten außerdem

  • eine unausgewogene Ernährung
  • ein sehr niedriges oder sehr hohes Körpergewicht
  • Bewegungsmangel oder exzessiver Sport
  • Schlafmangel
  • oder schwere körperliche Arbeiten.

Zu den häufigsten organischen Ursachen für Zyklusstörungen bei Frauen zählen Erkrankungen wie Endometriose, Hormonstörungen etwa der Schilddrüse, unbemerkte Störungen der Eileiter wie Verklebungen infolge von Entzündungen sowie anatomische Veränderungen wie Polypen oder Myome. Bei Männern sind vor allem Störungen bei der Spermienproduktion oder Einschränkungen in der Spermienqualität als körperliche Ursachen zu nennen. Auch eine erektile Dysfunktion oder Infektionen gehören dazu.

Um Fruchtbarkeitsstörungen zu diagnostizieren, erfolgen in Kinderwunschpraxen Untersuchungen mittels Hormondiagnostik oder operativer Diagnostik, indem zum Beispiel die Funktionsfähigkeit der weiblichen Eileiter getestet oder ein Spermiogramm des Mannes erstellt wird. Medizinische Therapieansätze und invasive Kinderwunschbehandlungen werden dann sorgfältig je nach Alter, möglichen organischen Ursachen sowie Risikofaktoren der Patienten gewählt.

Warum sind die oftmals langjährigen, kostenintensiven Behandlungen wie In-vitro-Fertilisation (IVF) oder die Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) dennoch nicht erfolgreich? 

  • Befragungen aus dem Jahr 2020 zeigen: Nach der ärztlichen Untersuchung kinderloser Paare in Deutschland wurde bei ca. 33 Prozent der Frauen und ca. 32 Prozent der Männer eine eingeschränkte Fruchtbarkeit oder Unfruchtbarkeit festgestellt. Bei etwa gleich vielen Frauen (67 Prozent) wie Männern (67 Prozent) konnten die Ärztin oder der Arzt nach Auskunft der Befragten allerdings keine medizinischen Ursachen für eine Kinderlosigkeit feststellen.[4]

Psychische Ursachen

Die Tatsache, dass sich bei Zyklusstörungen und ungewollter Kinderlosigkeit häufig keine eindeutigen organischen Ursachen feststellen lassen, legt nahe, dass psychische Faktoren eine große Rolle spielen. Als unmittelbare Faktoren gelten Stress jeder Art, etwa im Beruf, oder auch partnerschaftliche Konflikte.

In der Gesellschaft wird häufig vor allem der weibliche Organismus in Verbindung mit Kinderlosigkeit gebracht. Dies erhöht den psychischen Druck auf die Frau noch zusätzlich. Untersuchungen zeigen, dass Frauen die Ursache mit zunehmendem Alter primär bei sich selbst vermuten und auch die Verantwortung für eine Lösung an sich selbst adressieren. Auch Männer vermuten die Ursache nach einiger Zeit primär bei der Frau.[5]

Hat die medizinische Diagnostik keinen klaren Befund ergeben oder will sich trotz teurer medizinischer Kinderwunschbehandlung keine Schwangerschaft einstellen, bedeutet dies für viele Paare eine zusätzliche große Belastung. Die Gedanken kreisen, das Selbstwertgefühl sinkt. Sind Paare zunächst noch bei jedem Zyklus hoffnungsvoller Erwartung, führt jeder erneut negative Schwangerschaftstest zu großer Enttäuschung.

Oft entsteht auch ein Wechselspiel von Ursachen, etwa wenn bekannte organische Diagnosen wie Endometriose zu seelischen Folgen führen: einem verminderten Selbstwertgefühl und starken Selbstzweifeln, Versagensängsten oder depressiven Verstimmungen. Die psychische Belastung wird umso größer, wenn es nach Monaten oder Jahren des Wartens auf die ersehnte Schwangerschaft zu einer Fehlgeburt kommt. Ein Coaching oder eine Psychotherapie mit Hypnose kann bei solchen Themen in vielen Fällen helfen.

3. Hypnose und hypnotische Sprachmuster zur Arbeit mit dem Inneren Kind: Begleitende psychologische Beratung und Hypnose zur Überwindung von Ängsten und Selbstzweifeln bei unerfülltem Kinderwunsch

Eine begleitende Psychotherapie vermag Frauen auf ihrem Weg zum Wunschbaby zu unterstützen. Es ist ratsam, bei einem unerfüllten Kinderwunsch psychische Aspekte wie ungelöste Konflikte aus der eigenen Kindheit zu erkennen und aufzulösen. Als Diplom-Psychologe und Hypnotherapeut begleite ich in meiner Praxis Frauen in ihrer Kinderwunschphase. Im Folgenden zeige ich auf, wie ich dabei gemeinsam mit meinen Klientinnen tiefliegende Glaubenssätze des „Inneren Kindes“ betrachte.

Welche psychischen Ursachen können sich hinter einem unerfüllten Kinderwunsch verbergen?

Die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch sind häufig komplex. Gemeinsam mit meinen Klientinnen decke ich tiefliegende Konflikte auf, derer sie sich nicht bewusst waren. Viele der Frauen leben in liebevoller Partnerschaft und sind beruflich erfolgreich – und hatten bisher schlicht keine Gelegenheit, sich mit ihren ungelösten, lang zurückliegenden Themen zu befassen. Dem unerfüllten Wunsch nach einem Baby liegen häufig Erlebnisse aus der Kindheit zugrunde: Ein schwieriges Familiengefüge mit dauerhaften Konflikten, lieblose Eltern oder im Gegenteil auch eine sehr starke Bindung an anspruchsvolle Eltern mit jeweils daraus resultierendem niedrigem Selbstwert können dahinterstehen.

Es besteht die Möglichkeit, dass eine erwachsene Frau, ohne sich dessen bewusst zu sein, wieder mit ihren in der Kindheit erlernten Selbstzweifeln in Kontakt kommt, darunter fehlende Stratgien der Abgrenzung, der Selbstbehauptung und fehlenden Urvertrauens ins Leben kommt. In ihrer Partnerschaft erlebt die Frau dann eine psychische Blockade, die dazu führt, dass sie nicht schwanger werden kann – oftmals trotz künstlicher Befruchtungsversuche mit Kosten von oft mehreren zehntausend Euro in Kinderwunschkliniken, deren Erfolgsquote dennoch gering sein kann.

Psychosomatik Kinder

Kann mit unerfülltem Kinderwunsch zusammenhängen: Die Sehnsucht der Frau nach einer sorglosen Kindheit mit stärkenden statt schwächenden Eltern. Einzige Möglichkeit: Die Heilung des inneren Kindes erfolgt durch “Frieden schließen mit der Vergangenheit” und Übernahme von Verantwortung für “hoch kommende, belastende Gefühle” bei der Heilung des inneren Kindes.

Wie beeinflusst das „Innere Kind“ unsere Persönlichkeit?

Wichtig zu verstehen ist, dass ein Teil der Persönlichkeit eines jeden Menschen vom so genannten “Inneren Kind” mitgeprägt wird: von in der Kindheit erlebten und abgelegten und dadurch verdrängten und abgespaltenen Emotionen, Erfahrungen und Erinnerungen. Fehlte es uns in der Kindheit an Aufmerksamkeit, Liebe, Fürsorge und Anerkennung oder haben wir andere negative Emotionen oder Traumata erfahren, beeinflusst dies die Persönlichkeit ein Leben lang. Auch als Erwachsene streben wir stets nach Liebe und Bestätigung. Das verletzte Innere Kind zeigt sich aber noch in Gefühlen wie Angst, Neid, Wut oder Scham, die ein Erwachsener versucht, mit vermeintlichen Erfolgserlebnissen zu verdrängen: etwa durch exzessive Arbeit oder übermäßigen Konsum oder auch durch den Wunsch, durch ein Kind im eigenen Leben eine emotionale Lücke zu füllen oder eine alte Kindheitswunde zu heilen.

Auf welche Weise unterstützt die Arbeit mit dem Inneren Kind in der Hypnose den Weg zum Wunschbaby?

Um in der Kindheit angelegte verborgene Muster zu entdecken und zu lösen, wende ich Tranceverfahren wie die Hypnose, hypnotische Sprachmuster und EMDR an. Die aufdeckende Veränderungsarbeit mit Wach- und Tiefenhypnose hat sich in der Arbeit mit meinen Patientinnen seit vielen Jahren bewährt. Vorausgesetzt immer der ehrliche Wille Verantwortung fürs eigene Leben und die eigenen Gefühle, darunter natürlich immer wieder auch mal belastende Gefühle – wie Angst, Traurigkeit, Wut, Zorn, Verzweiflung, Hilflosigkeit, Schuld- und Schamgefühle – zu übernehmen.

Bei der Inneren-Kind-Arbeit geht es darum, das verletzte Kind mit seinen Denkmustern, abgespeicherten Glaubenssätzen („Ich habe etwas falsch gemacht, daher darf ich meine Ziele nicht erreichen“), Traumata oder anderen Verletzungen sanft zu heilen und Blockaden zu lösen.

Schmerzhafte Gefühle wie Ohnmacht, Schuldgefühle, Versagensängste, aber auch Neid, Wut und andere unangenehme Emotionen dürfen zugelassen und durch Selbstakzeptanz integriert und schließlich geheilt werden. Dadurch lassen sich unterdrückte Konflikte, Ängste und depressive Verstimmungen auflösen, die einem erfüllten Leben und der Erfüllung des Kinderwunsches bisher im Wege standen. Meinen Klientinnen kann es auf diese Weise gelingen, ihre Persönlichkeit und ihre Partnerschaft auf dem Weg zu ihrem Wunschbaby wieder aktiv zu entfalten und zu leben.

[1] Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Referat Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg.): Ungewollte Kinderlosigkeit 2020, S. 38

[2] Vgl. ebenda, S. 54

[3] Vgl. ebenda, S. 38

[4] Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Referat Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg.): Ungewollte Kinderlosigkeit 2020, S. 54

[5] Vgl. ebenda, S. 58